"Peter Habeler: Das Ziel ist der Gipfel"

Peter Habeler: Das Ziel ist der Gipfel Das Buch "Peter Habeler: Das Ziel ist der Gipfel" ist im Tyrolia-Verlag Innsbruck erschienen.

Zu den Autoren:
Peter Habeler. Hinter dem unter Alpinisten weltbekannten Namen steckt mehr als nur der erste Bezwinger des Everests ohne künstlichen Sauerstoff. Geboren 1942 lebt er als Bergführer und Skilehrer in seinem Heimatort Mayrhofen im Zillertal; seine Expeditionen in den Himalaja, machten ihn zu einem der bekanntesten Alpinisten unserer Zeit. Karin Steinbach Tarnutzer, geb. 1966 in Würzburg und bei München aufgewachsen, war von frühester Jugend an in den Bergen unterwegs. Im Deutschen Alpenverein erhielt sie mit 22 Jahren die Lizenz als Fachübungsleiterin Hochtouren. Nach der Ausbildung zur Verlagskauffrau im studierte sie Literatur- und Kommunikationswissenschaften sowie Psychologie und war danach in Zeitschriften- und Buchverlagen tätig. Als Lektorin und später als Programmleiterin hat sie sich auf Berg- und Abenteuerbücher spezialisiert. Seit 2001 lebt sie in der Schweiz, 2006 hat sie sich als freie Lektorin und Autorin in St. Gallen selbständig gemacht. Ihre Begeisterung für Fels und Eis hat bis heute nicht nachgelassen und führt sie noch immer in die Berge, vor allem in Kletterrouten in den Schweizer Alpen.

Zum Buch "Das Ziel ist der Gipfel":
Das gut 200-seitige Werk gliedert sich in neun größere Abschnitte. Zunächst erfährt der Leser aus der Sicht Habelers die Geschehnisse, zu deren Verfeinerung sich jedes Mal ein Dialog mit Karin Steinbach anschließt. Gerade diese zwei Sichtweisen auf das Geschilderte fördern viele interessante, teilweise auch lustige Inhalte zu Tage. Was die einzelnen Bergbesteigungen betrifft, so darf man keine genauen Wegbeschreibungen erwarten. Habeler geht vielmehr auf das Erlebte, die Anstrengungen, die körperlichen Anforderungen und vorallem auf die Beziehung zwischen ihm und seinen Bergpartnern ein.

Die Kapitel im Einzelnen:
1. Jeder hat seinen Achttausender
In diesem, nur sehr knapp abgehandelten Kapitel erzählt der Autor über das Bergsteigen an sich, wie er dazu gekommen ist und was der große Reiz an dem Erkunden neuer und unbekannter Flecken dieser Erde ist. Es gehe ihm mittlerweile nicht mehr um das "Höher", "Weiter" und "Schneller"! Mittlerweile schätze er auch eine ausgedehnte Rundtour in seinen heimatlichen Zillertaler Bergen

2. Lausbuben am Everest
Es ist zweifelsohne eines der ganz großen Highlights in Habelers Bergsteigerleben und zugleich eine alpinistische Ausnahmetour, die noch heute großen Respekt und Anerkennung verdient. Zusammen mit Reinhold Messner gelang ihm die erste Besteigung des Mount Everest ohne künstlichen Flaschensauerstoff. Was heutzutage nur den ganz zähen Bergsteigern gelingt, wurde 1978 für unmöglich erklärt. Nur 1/3 des Sauerstoffs der auf Meereshöhe zur Verfügung steht: Das reiche für derartige Anstrengungen in großen Höhen niemals aus, so die einhellige Meinung. Messner und Habeler bewiesen auf eindrucksvollste Art und Weise, dass es eben doch geht.

3. Helden und Lehrmeister
In erster Linie geht es in diesem Abschnitt um die Beziehung Habelers zum Klettern und wie er dazu gekommen ist. Große Namen wie Hias Rebitsch, Anderl HeckmairRicardo Cassin oder Walter Bonatti werden unter anderem erwähnt.

4. Erfolge und Rückschläge an den hohen Bergen der Welt
In diesem 25-seitigen Kapitel erzählt der Autor in spannender Art und Weise zunächst von der erfolgreichen Nanga-Parba-Expedition u. a. mit Michl Dacher im Jahr 1985. Habeler sieht sich bei dieser Expedition in der Form seines Lebens - alles klappt reibungslos und nach mehreren Anläufen und knapp werdender Zeit gelingt am 10. Juli endlich die Gipfelbesteigung über die anspruchsvolle Diamair-Wand. Wenige Wochen später nahmen sich die beiden auch noch den Dhaulagiri in Nepal vor. Hier schien ihr Glück kurzzeitig aufgebraucht, denn Habeler erkrankte auf 4400 Metern Höhe an einer Lungenentzündung. Nur mit Mühe und Not konnte er sich ins Basislager schleppen, wobei er beim Abstieg in die Nacht geriet, stürzte und anschließend im Freien biwakieren musste.

5. Die schönsten Berge stehen daheim
Ein kleiner Schwenk in die Vergangenheit führt den Leser über Habelers Kindheit bis zu seinen ersten kleineren, später größeren Touren in den heimischen Zillertaler Bergen. So konnte er nicht nur zahlreiche Gletschertouren, sondern auch umfangreiche und teils sehr schwierige Erstbegehungen an den heimischen Wänden verzeichnen.

6. Die Göttin des Türkis
Zusammen mit Marcel Ruedi aus der Schweiz war für das Jahr 1986 eine kleine, schnelle Expedition über den Südwestgrat auf den Cho Oyo geplant. Ürsprünglich als Erstbegehung gedacht, gelang den beiden jedoch die zweite Besteigung über dieses Grat. Ein paar Tage zuvor vollbrachte eine polnische Expedition die Erstbegehung - seitdem wird dieser Grat auch Polengrat genannt.

7. Der Bergprofesser
Aus seinem Hobby einen Beruf zu machen! Wer träumt nicht davon? Habeler hat es aufgrund seiner großen Erfahrung, seiner Ausbildung zum Ski- und Bergführer und nicht zuletzt wegen seines Bekanntheitsgrades geschafft: Die Ski- und Alpinschule Mount Everest im heimischen Mayhofen/Zillertal sichert seitdem Habelers Lebensunterhalt. Spannend und ausführlich beschreibt er den Prozess von der Idee bis zu seinem heutigen Unternehmen

8. Wie auf einer Himmelsleiter
Wiederum in einer kleinen Expedition nahm sich Habeler mit seinen Freunden den dritt höchsten Berg der Erde, den Kangchendzönga vor. Nach einer längeren Schönwetterperiode schlug am Gipfeltag das Wetter um. Schlechte Sicht und ergiebiger Schneefall forderten den drei Bergsteigern im Abstieg alles ab. Über drei Tage lang lotste Habeler seine erschöpften Bergkameraden den Berg hinab - was sie nur doch viel Glück und dank Habelers herausragender körperlicher Verfassung überlebten.

9. Allein ist alles anders
"Dass du nur auf dich selbst beschränkt bist, macht den Reiz aus, es intensiviert das Erlebnis". Wer denkt alleinig Alexander Huber hat das Free Solo salonfähig gemacht, der irrt. Schon einige Jahre vorher nahm sich eine junge und aufstrebende Klettergeneration dem Reiz des absolut freien Kletterns an. Auch der Autor kann in diesem Zusammenhang einige wilde Klettereien im Karwendel und im Kaiser aufweisen - der Inhalt dieses Abschnitts

10. Gaudi oder Plaisir - Klettern einst und jetzt
Das letzte Kapitel dieses kurzweiligen Werkes, richtet sich erneut an alle Kletterfans. Anhand von zahlreichen Beispielen vergleicht Habeler die Kletterbewegung von früher mit der von heute. Nicht nur auf reine Felstouren, sondern auch auf alpine Klassiker wie z. B. am Mont Blanc wird ausführlich eingegangen

Fazit: Habeler ist mehr als seine Mount-Everest-Besteigung vo 78. Er ist in erster Linie ein sehr sympathischer Bergsteiger, der eine enorme Anzahl an Touren in der ganzen Welt vorzuweisen hat. In kurzweiliger und anschaulicher Art und Weise berichtet er über das Erlebte. Insgesamt eine super Lektüre, die sich jeder Fan von alpiner Literatur einmal gönnen sollte! Absolute Kaufempfehlung meinerseits, gerade jetzt zu Weihnachten und für die kalten Tage!


Buchbesprechung vom 09.12.2010 © Max Schuler