Tour 7: Heilbronner Weg von Holgau (optional Muttlerkopf und Mädelegabel) (18./19.09.2004)

Anreise
D-75331 Engelsbrand nach A-Holzgau über Pfronten/Nesselwang/Tannheimer Tal
Entfernung: ca. 320km Fahrzeit: ca. 3,5 - 4 Std

A 8 bis "Ulm-West", abfahren auf B10 Richtung Friedrichshafen, Autobahn-Dreieck "Neu-Ulm" auf die A 7 Richtung "Kempten" - bis zur Autobahnausfahrt Nr. 130 "Oy-Mittelberg" - dann Richtung "Pfronten/Nesselwang". Durch "Nesselwang" dann nach "Ried" und "Steinach". Hier mitten im Ort rechts abbiegen nach "Tannheim/ Grän". Eine schmale und eher weniger befahrene Straße führt durchs beschauliche Tannheimer Tal. In "Grän" biegen wir dann nach links ab Richtung "Weissenbach/Stanzach". Dort stoßen wir auf die Bundesstraße von "Füssen/Reutte" kommend und biegen hier rechts ab. Nach "Stanzach" Richtung "Elmen" halten. Dann kommen wir nach "Häselgehr", fahren dort Richtung "Köglen" und erreichen schließlich "Holzgau". Parkmöglichkeit (kostenlos) auf dem Parkplatz hinter der Kirche - von hier dann auch direkter Start ins Höhenbachtal.
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Ausrüstung
  • gute Wanderbekleidung (einschl. Regenjacke etc.)
  • festes Schuhwerk für Geröll
  • Stöcke - erleichtern sicheren Stand übers Geröll, im Schnee und bei Steigung/Gefälle
  • Grödl zum Queren des Schwarzmilzferners und evtl. Rest-Schneefeldern (teilweise bis in Spätsommer)
  • in der Hauptsaison Helm zum Schutz vor herabfallenden Steinen von Vorauswandernden
  • Kinder an den wenig markanten Stellen ans Seil nehmen (steiler Abstieg nach Holzgau am 2. Tag)
  • Sonnenschutz für Kopf (Tuch/ Hut) und Haut (Sonnenmilch -spray)
  • Notfall-Set (praktisch 1.Hilfe-Tasche für Motorrad)
  • ausreichend Flüssigkeit (Auffüllmöglichkeit in der Kemptner Hütte)
  • krampflösende Calcium-Magnesium-Tabletten (günstig in jeder Drogerie)
  • Hüttenschuhe & Hygieneartikel für Übernachtung Kemptner Hütte
zur Linkseite: "Ausrüstung"
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Wegbeschreibung
Die heutige Tour stand ganz im Zeichen der Freiwilligen Feuerwehr Engelsbrand:
Von Jürgen (ganz rechts) schon lange Zeit geplant fanden sich drei weitere "freiwillige" Mitwanderer: Günter, Heiko und Mark.
Mark in gewohnter Funktion bzw. als "freiwilliger" Tourfotograf.
Ziel war an diesem Wochenende der Heilbronner Weg.

Holzgau war bewusst als Ausgangspunkt der Tour gewählt worden, um den etwas langwierigen Anlauf über Oberstdorf/Einödsbach zu sparen.
Dafür zog sich die Anfahrt durch das Lechtal ziemlich in die Länge, zumal wir erst vormittags losgefahren waren und an diesem Wochenende noch in mehreren Ortschaften Almabtrieb war und sogesehen also ziemlich viele Rindviecher unterwegs waren.
Gegen 12.OO Uhr war Ankunft in Holzgau, wo der Parkplatz an der Kirche angesteuert wurde. Der war mit knapp 40 Autos natürlich übervoll, gab aber trotzdem noch ein Plätzchen her.

Schon am Parkplatz ist der Weg (mit 3,5 Std) ausgeschildert. Die Strecke von Holzgau bis zur Kemptner Hütte ist auch Teil des Europäischen Fernwanderweges E5. Zunächst geht es auf einer breiten Fahrstraße hinein ins Höhenbachtal. Weiter oben quert man die Brücke über den Höhenbach und folgt nun auf der rechten Seite einem schmaleren Forstweg bis zum Simms Wasserfall. Im 19. Jh. ließ der Engländer Federic Simms den Höhenbach so verbauen, dass er seitdem einen Wasserfall bildet. Direkt am Forstweg staute sich das Wasser in einer Art Badewanne, es war aber noch niemand so verschwitzt um hier den "Wassertest" zu machen.
Holzgau Wegschild Höhenbachtal Simms Wasserfall Höhenbachtal Richtung Mädelejoch Höhenbachtal

Oberhalb vom Wasserfall kommt dann auf der linken Seite das "Cafe Uta", eher was für Rentner und Leute die ab 1.400m Höhenangst bekommen. Nach zwei, drei weiteren Kehren öffnet sich dann zum ersten Mal das Tal und wir blicken hinauf Richtung Krottenkopf und Mädelejoch. Bald danach kamen wir dann auch an der "Unteren Roßgumpenalp" vorbei, wohin sich doch einige Turnschuhspaziergänger aufhielten, um an der magischen 1.400m-Grenze zu knabbern. Hier gabelt sich der Weg zum Mädelejoch und wir folgen nun nur noch einem kleinen Wanderpfad, der grasig und mit Steinen vermischt stellenweise durch Wald (oder was mal Wald war) und manchmal auch über Wald (umgestürzte Bäume) bergauf führte. So langsam kamen wir schon bisle ins Schnaufen *schwitz*.
Danach lichteten sich die Bäume und über den kleinwüchsigen Latschenkiefern eröffnete sich uns nach und nach ein toller Ausblick auf die vor um uns liegenden Gipfel.
Der Weg war bislang übrigens ohne Schwierigkeiten zu gehen. Fester Untergrund und wenig Geröll, auf dem man ausrutschen hätte können.
Oberhalb der "Oberen Roßgumpenalp" gabelt sich der Weg nocheinmal: Unserer führte weiter Richtung Mädelejoch und der Andere auf die Krottenköpfe.
Blick zurück ins Höhenbachtal wohin des Weges? Richtung Mädelejoch Krottenkopf

Uns bot sich ein herrliches Panorama: beginnend vom Kratzer über Muttlerkopf, Öfnerspitze, Krottenkopf, Ramstallspitze bis hin zu einem Grasberg *schwärm*.
Der Weg war bislang übrigens ohne Schwierigkeiten zu gehen. Fester Untergrund und wenig Geröll, auf dem man ausrutschen hätte können.
Blick beim Aufstieg im Höhenbachtal: Muttlerkopf, Oefnerspitze, Krottenkopf

Im leichten Zickzack gelangen wir an der letzten Ansteigung hoch auf das Mädelejoch (1.971m), wo auch die deutsch-österreichische Staatsgrenze verläuft.
Auch hier öffnen sich uns wieder viele neue aufregende Ansichten, z.B. den markanten Grasberg, den wir auf Verdacht mal als "Rothornspitze" identifizieren wollen. Dann der Blick hinunter zur Kemptner Hütte, die leicht vorgeschoben auf dem grasigen Plateau trohnt. Ach, hier oben gibt es ja soviel zu erblicken und einmal mehr bedanken wir uns bei den Wetterverantwortlichen für dieses absolute Traumwetter.
Ein gemütlicher Graspfad führt uns heran die Einmündung des Heilbronner Weges, bevor es dann etwas ungemütlicher wird und Stein und Geröll doch etwas Trittsicherheit erfordern. Teils steil abfallendes Gras bzw. Erde und loses Geröll machen diesen Teil des Abstieges doch etwas ungemütlich.
Kurz vor der Hütte passieren wir nochmal eine Abzweigung (Rauheck, Kreuzeck, Prinz-Luitpold-Haus, Krottenkopf, Muttlerkopf), die uns später noch optional auf den Muttlerkopf führen wird (letztes Bild linker Gipfel). Von hier waren es nur noch ein paar Meter bis zur Hütte, was die Angabe auf dem Schild mit 10 Minuten ja schon deutlich macht.
Nun erstmal ausruhen, die Lager für die Nacht klar gemacht und während die einen noch Kaffee trinken hatte sich Günter schon ne warme Mahlzeit bestellt "das hamm wir uns verdient...*träller*.
Verlauf der Grenze zu Österreich auf dem Mädelejoch Blick zur steilgrasigen Rothornspitze (2.392m) Wegkreuzung Muttlerkopf (links) und Krottenkopf


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Ab hier beginnt die optionale Besteigung vom Muttlerkopf


Mark war beim Anmarsch nicht genug gefordert worden und daher noch richtig "heiss" was zu unternehmen. Dazu bot sich der Muttlerkopf mit seinen 2.368m ideal an. Von der Hütte (1.844m) waren Auf-/Abstieg mit 2,5 - 3 Stunden angegeben. Diese Angaben mussten jetzt natürlich überprüft werden. Munitioniert mit Foto, Stöcken, Apfel, Trinken und Müsliriegel lässt es sich natürlich im Vergleich zu vorher herrlich leicht laufen und so war dann auch recht fix das Obere Mädelejoch erreicht. Unterwegs wurden noch ein paar Leute überholt - wo die allerdings um diese Zeit noch hinwollten? Jedenfalls nicht auf den Muttlerkopf.
Der Aufstieg zum Muttlerkopf führt zickzack über ziemlich viel Geröll bergauf. Unterwegs kam nochmal ein Wanderfreund entgegen, der nur englisch verstand und nach der Entfernung zum Gipfel gefragt meinte: "half an hour to the top". Sprachs und wandte sich bergab. Nach knapp 20 Minuten war der verwaiste Gipfel dann erreicht.
Zu Füßen des Muttlerkopfes lag die Kemptner Hütte bereits eingehüllt in Abendstimmung. Herrlich auch der Blick auf das im Gegenlicht liegende Allgäuer Dreigestirn "Trettach, Mädelegabel und Hochfrottspitze".
Plötzlich lagen da noch zwei Damen unterhalb des Gipfels, die sich in den letzten Sonnenstrahlen sonnten. Die waren dann so freundlich das Gipfelfoto von Mark zu machen.
Oberes Mädelejoch und im Hintergrund die Öfnerspitze Trettachspitze, Mädelegabel, Hochfrottspitze und im Vordergrund der Kratzer One-Man-Gipfelfoto auf dem Muttlerkopf

Zunehmend zeigten sich weitere Besucher des Gipfels - eine Gams wandelte trittsicher über das vorgelagerte Felsgestein. Unten wartet der Abgrund und die Kemptner Hütte, was natürlich wesentlich angenehmer ist.
Nebenbei wurde noch ein Eintrag ins Gipfelbuch gemacht, der Müsliriegel gemampft und am Trinkvorrat gezapft, bevor es mit den letzten Eindrücken von hier oben mit großen Schritten wieder auf dem gleichen Weg hinunter ging zur Kemptner Hütte. Hier traf Mark zwei etwas müde wirkende Wandersfreunde, die vom Prinz-Luitpold-Haus übers Rauheck gekommen sind und knapp 9 Stunden unterwegs waren. Der neue Hüttenwirt soll recht freundlich sein und das Haus soll auch nicht mehr so derb voll gewesen sein wie bei unserer Jubiläumsweg-Tour in 2003.
Ohne Gepäck erreichte Mark dann um einiges schneller die Kemptner Hütte und suchte erstmal die Hüttenbleiber um dann zum gemütlichen Abendausklang übergehen zu können.
Krottenspitzen und Führschießer Rückblick auf den Gipfel vom Muttlerkopf Weggabelung am öst. Mädelejoch Kemptner Hütte in mystisches Licht getaucht


Hier endet die optionale Besteigung vom Muttlerkopf
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Von der Hütte aus ist der Aufstieg zum Muttlerkopf gut zu verfolgen. Der hinter dem Oberen Mädelejoch hervorschauende Gipfelaufbau müsste dann eigentlich der Großen Krottenkopfes sein.
In der Hütte musste Mark nur der Nase nach gehen, und fand Heiko,Jürgen und Günter kräftig beim Spachteln. Hatte Günter nicht schon vor Marks Abstecher auf den Muttlerkopf eine warme Mahlzeit bestellt? *grübel*. Das Essen war jedenfalls prima und die Preise kann man wirklich noch als angemessen (für eine Berghütte) betrachten.
Nach ein zwei Gute-Nacht-Drinks meldeten sich Heiko und Mark relativ zeitig um Matratzenhorchdienst im Schlafraum direkt unter dem Dach, nicht ohne zuvor nochmal einen Fuß vor die Tür gesetzt und die Abendstimmung eingefangen zu haben. Günter und Jürgen schlossen sich wenig später an und konnten ihre Schlafsäcke aus eigener Kraft besteigen (so erzählte man sich wenigstens).
Um 22.30 Uhr wurde es dann nochmal etwas unruhig, als vier recht junge weniger rücksichtsvolle Wanderfreunde das Lager stürmten. Danach beruhigten sich dann die Geister und es folgte eine erholsame Nachtruhe.
Mit Ausnahme von zwei kleineren Schnarchzapfen hatten glücklicherweise wohl alle bereits zuhause ihren Holzvorrat für den Winter in handliche Stücke gesägt.
Rückblick zum Krottenkopf; links im Vordergrund der Muttlerkopf Willkommen in der Kemptner Hütte Wanderlatein - Prost! aha...*grins*


Wegbeschreibung 2.Tag
Unsere Träume haben uns nicht wie ursprünglich abgemacht um sechs Uhr verlassen, sondern uns noch bis um kurz vor halb sieben begleitet, bis das automatische Anspringen des Schlafraumlichtes dem Versuch weiterzuschlafen ein jähes Ende bereitete. Das Nachtlager war schnell geräumt und die Morgenwäsche rasch erledigt. Nach dem sich anschließenden gemütlichen Frühstück war es immer noch erst kurz vor sieben Uhr - die anderen Wanderfreunde kamen da nicht ganz so schnell in die Stiefel *ööhm* Gänge.
Draußen vor der Hütte bot sich ein herrliches Naturschauspiel, als die Sonne die Zacken des Kratzers zum Glühen brachte. Das weckte die restliche noch schlummernde Wanderlust und kurz danach brachen wir auf Richtung Mädelejoch. Nur die Wanderschuhe wollten noch richtig geschnürt werden, um unterwegs keine böse Überraschungen zu erleben. Die Freiwillige Feuerwehr Engelsbrand war übrigens die 1. Gruppe an diesem Morgen, die sich auf den Weg machte - nur eine Frau war mit etwas Vorsprung gestartet, der dann am Kratzerjoch hinfällig war. Uns stand aber erst der Aufstieg zum Mädelejoch bevor - den wir ja als Abstieg noch von gestern kannten. Mark kämpfte unterdessen mit seiner Kontaktlinse, und nach einem kurzen Boxenstop gings dann mit frischer Linse weiter.
Unterhalb des Kratzers kam bald die erste Herausforderung: eine Rinne, deren ausgearbeitete Trittstufen aber sicheren Halt gaben.
glühender Kratzer im Morgenlicht Aufbruch Richtung Mädelejoch Beginn vom Heilbronner Weg am Mädelejoch lebendes Sternzeichen erste Rinne am Einstieg

Im Schatten der abfallenden Wände des Kratzers wurde es im weiteren Verlauf des leicht ansteigenden, aber wenig anspruchsvollen Weges Richtung Kratzerjoch nochmal ziemlich frisch. Dieser Meinung waren auch die zwei in der Sonne stehenden Steinböcke, die sich durch unsere unmittelbare Nähe nicht stören liesen und nur auf ein Photo zu warten schienen. Hier fand auch eine kurze Beratung stand, wer den Abstecher zur Mädelegabel mitnehmen möchte. Während Mark den Gipfel unbedingt erreichen wollte, entschieden sich die anderen Wanderkollegen diesen Aufstieg nicht mitzunehmen und solange den Heilbronner fortzusetzen. Mark würde sie mit seinem Tempo erfahrungsgemäß wieder einholen können.

Doch zunächst ging es noch weiter unterhalb des Kratzerjoches, bis sich uns dann das herrliche Panorama auf Trettachspitze, Mädelegabel, Hochfrottspitze bis hin zum Hohen Licht offenbarte. Fast der gesamte Höhenzug, der den Heilbronner Weg beheimatet, lag auf einen Blick vor uns.

Solche Momente sind es, die unser Herz da oben höher schlagen lassen und von dem wir denen da unten leider nichts mitbringen können.
Verlauf Heilbronner Weg mit Trettachspitze, Mädelegabel, Hochfrottspitze bis zum Hohen Licht


Der Weg zum Kratzerjoch ist technisch wenig anspruchsvoll, erfordert lediglich ein gutes Auge und etwas Trittsicherheit. Mittlerweile war auch die heute morgen direkt vor uns von der Hütte gestartete Frau eingeholt *nur zur Info*. Während wir unter uns recht teilnamlos grasende Steinböcke entdecken, nähern wir uns langsam der Schwarzen Milz, mit auffallend dunklem Gestein. Das Gebiet soll reich an Kristallen und Erzen sein. Von hier aus hat man einen schönen Blick ins Tal Richtung Oberstdorf und einen faszinierenden Blick auf die Trettachspitze. Ein ideales Plätzchen zum Verweilen, aber wir hatten ja noch einiges vor heute. Der angenehme Wiesen-"Trampelpfad" bringt uns unaufhaltsam direkt bis an den Fuß des Dreigestirns. Hier wird es dann etwas steiler und im Zickzack erreichen wir einen kleinen See, neben dem auch zwei Zelte standen. Dann standen da auch noch die Zeltbewohner und die sahen ziemlich verschlafen aus.
Mark hatte für den Besuch der Mädelegabel bis hierher zwischenzeitlich einen Vorsprung herausgelaufen und konnte den freiwilligen" Wanderfreunden beim Passieren des Kratzerjochs zuschauen. Für Mark wurde der Weg nun zunehmend steiniger und steiler und führte teilweise über größere Felsbrocken und Geröll. Die Mädelegabel wird nun fast von rechts nach links umrundet, bevor man nicht mehr ganz so steil ansteigend eine Kuppe erreicht, wo immer noch verreiste Schneereste lagen. Der mittlerweile unmittelbar vor Mark liegende Schwarzmilzferner sah aus der Nähe viel mächtiger aus, als noch vorher beim Blick von weiter unten.

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Ab hier beginnt die optionale Besteigung der Mädelegabel während die Nachzügler bei der Abzweigung warten


unterhalb vom Kratzer Allgäuer Dreigestirn mit Schwarzer Milz im Vordergrund Rückblick Heilbronner mit Kratzer, im Hintergrund Krottenkopf

Hier kam Mark ein Wanderpaar entgegen, das von einer Nacht im hoffnungslos überfüllten Waltenberger Haus berichtete. Das ist halt die Schattenseite der Beliebtheit des Heilbronner Weges, vor allem an Wochenenden. Die Mädelegabel hatten die beiden nicht auf ihrer Liste, so dass Mark vermutlich der erste Gipfelstürmer an diesem Morgen sein dürfte.
Nach den ersten Metern auf dem Schwarzmilzferner sieht man oberhalb Trittspuren, die Richtung Mädelegabel abzweigen. Mark suchte sich den optisch guten Weg und kürzte die Strecke weglos über Geröll eine steile Scharte hinaufgehend ab. Hier deponierte er den Rucksack und machte sich nur mit Foto bewaffnet an den direkten Aufstieg.
Der Gipfelanstieg verlangt absolute Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und etwas Erfahrung im weglosen Gehen, da die Markierungen von unten nur schlecht bzw. gar nicht zu erkennen sind. Ansonsten ist der Aufstieg relativ einfach, verläuft größtenteils direkt am Kamm und nach knapp einer halben Stunde hat man den Gipfel erreicht.
Mark stand wirklich alleine auf dem Gipfel und hatte sich gleichzeitig einen Traum erfüllt. Die rauhe Beschaffenheit des Gipfels ermöglicht kein Aufstellen eines Statives. Somit blieb Mark nur die "Highlights" ohne Gipfel-Panorama zu fotografieren - aber was heisst hier 'nur'?
Tolle Eindrücke, wohin man auch schaut. Hier das Gipfelmassiv der Hochfrottspitze, da der markante Zacken der Trettachspitze und dort der flach liegende Hohe Ifen.
Grad zur Hochfrottpsitze Trettachspitze Hoher Ifen

Auf der anderen Seite sehen wir mit der Höfats und dem Hochvogel gute Bekannte. Leider gab es kein Gipfelbuch, in dem Mark seine Eindrücke hätte niederschreiben können. Also auch keine schriftlichen Gipfelgrüße an die Kameraden; halt einfach in Gedanken.
Ein ganz besonderes atemberaubender Blick war Mark trotzdem noch vergönnt: Der Blick von hier oben auf den Schwarzmilzferner, auf dem just in diesem Moment Heiko, Günter und Jürgen das Schneefeld querten.
Das bedeutete auch: höchste Zeit zum Aufbrechen. Die Mädelegabel stellte sich zudem langsam als begehrtes Ziel heraus - beim Abstieg zum Rucksackdepot kamen Mark alleine 15 Bergfreunde entgegen. Trotzdem konnte Ihm niemand mehr das erlebte alleinige Gipfelglück nehmen.
Der Abstieg verläuft problemlos, da jetzt auch die Markierungen besser zu sehen sind. Achtung:Soviel Verkehr bringt akute Steinschlaggefahr mit sich - ein Helm ist deshalb absolut ratsam.
Am Rucksack angelangt, gehts nach einer kurzen Stärkung gleich weiter auf den Schwarzmilzferner. Hier bedarf es einiges an Trittsicherheit, da es hier morgens noch recht vereiste Stellen gibt. Ratsam wären auch Grödl, doch mit etwas Vorsicht und gutem Stockeinsatz quert Mark den unter der Hochfrottspitze verlaufenden Ferner problemlos und kann anschließend nochmal mit Stolz einen Blick über den Schnee auf die Mädelegabel werfen.
Abstieg von der Mädelegabel Rucksackdepot unterhalb des Gipfelanstieges zur Mädelegabel Rückblick zur Mädelegabel mit Aufstiegsgrat


Hier endet die optionale Besteigung der Mädelegabel
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Die Querung des Schwarzmilzferners bereitet trotz einiger am Morgen noch vereister Stellen, mit Stockhilfe und etwas Vorsicht, kaum Probleme.
Wir verlassen den Ferner und machen uns über einen leichten Anstieg über Geröll auf Richtung Bockkarscharte - den Bockkarkopf vor Augen.
In der Bockkarscharte bietet sich die Möglichkeit zum Notabstieg zum Waltenberger Haus (ca. 1/2 Stunde). In spektakulären Kehren windet sich ein Pfad die Scharte hinunter - hier war übrigens am Morgen das Wanderpaar aufgestiegen, dem wir unterwegs begegnet sind.
Der Aufstieg zum Bockkarkopf ist teilweise mit Seilen gesichert, die einem aber mehr pychologisch helfen. Lästig wird stattdessen, der nicht abreißen wollende Strom an entgegenkommenden Wanderfreunden. Auf dem Gipfel des Bockkarkopfes angelangt, sucht man vergebens nach einem Gipfelkreuz, trifft dafür aber eine sich tummelnde Wanderermasse. Unter der Masse waren auch Heiko, Günter und Jürgen, die Mark somit wieder eingeholt hatte. Gemeinsam machte man Brotzeit, Fotosession und beobachtete ganz nebenbei die durchziehende Meute.
Danach ging es dann wieder weiter auf dem Heilbronner. Zunächst stellenweise mit Seilsicherungen hinunter und dann wieder ansteigend mit Seilsicherungen den Grat hoch, bis man dann...
Bockkarkopf Waltenberger Haus von der Bockkarscharte Bockkarkopf zur Socktalscharte

...auf der anderen Seite recht spektakulär in die Tiefe blickt: hier geht's also runter zur Socktalscharte. Was hier ziemlich steil aussieht, ist in Wirklichkeit ohne größere Probleme zu gehen. Das untere Stück ist eine einzige Felsplatte, in der dann wie eingemeiselt der Weg verläuft....Seilsicherungen leisten auch hier etwas Hilfe. An dieser Stelle des Heilbronner Weges war übrigens das höchste Wanderaufkommen, was an dieser exponierten und kniffligen Stelle zu einem richtigem Stau führte. Hätten wir vorher doch nur den Verkehrsfunk gehört.
In der Socktalscharte gibt es nochmal die Möglichkeit zum Abstieg zum Waltenberger Haus, diesmal aber mit knapp 1 Stunde angegeben. Diesen Weg schlugen zu unserer Verwunderung doch etliche Wandergruppen ein, so auch eine vierköpfige Gruppe, die von der Rappenseehütte her vier Stunden gebraucht hatte - also pro Kopf eine Stunde *grins*. Sie entschlossen sich zum Abstieg, weil sie Bedenken hatten, die Kemptner Hütte noch bei Tageslicht erreichen zu können. Ein Blick auf die Uhr (11 Uhr) und wir dachten uns, dass das dann wohl auch so besser sei. Der Heilbronner Höhenweg ist kein Spaziergang und stellt einige Anforderungen an Erfahrung und Ausdauer - muss halt immer wieder gesagt werden. Auch Turnschuhtouristen waren unterwegs immer wieder anzutreffen. *kopfschüttel*
Wir nutzen also die Wartezeit und werfen nochmal einen Blick zurück auf den Abstieg vom Bockkarkopf und die imposante Felsplatte. Dann gingen wir den Wilden Mann an. Gezähmt durch Seilsicherungen, führt der Weg teils ziemlich steil und im Zickzack nach oben. Der Heilbronner verläuft dann etwas unterhalb des Gipfels, der aber keinen Besuch lohnt (weglos 5 minuten). Danach der gipfellose Steinschartenkopf (höchster Punkt des Heilbronner Weges)und dann: Leiter in Sicht!!
Socktalscharte Wilder Mann Rückblick zum Bockkarkopf vom Wilden Mann Rückblick zum Bockkarkopf Leiter in Sicht - im Hintergrund das Hohe Licht

Günter träumte bereits von der nächsten warmen Mahlzeit auf der Roßgumpen-Alpe, während Heiko bestimmt schon davon träumte, endlich seine Schuhe ausziehen zu können.
Jürgen war hellwach und Mark hatte vor lauter Fotografieren gar keine Zeit zum Nachdenken, als endlich das Highlight des Heilbronner Weges auftauchte: die Leiter!
Die Leiter ist nur noch an einer Seite gesichert, was etwas merkwürdig ist, da viele Aufnahmen noch eine beidseitige Sicherung zeigen.
Mit Genuß überqueren wir die markante Stelle über die Leiter und genießen die sich uns bietenden sagenhaften Tiefblicke links und rechts des Grates.
An dieser Stelle ist auch eine Gedenktafel zur Erinnerung an der Errichtung des Weges durch die Sektionen "Heilbronn" und "Allgäu-Kempten" angebracht. Schon eine reife Leistung, wenn man bedenkt, dass der Weg 1899 angelegt worden ist *unglaublich*.
Unmittelbar danach führt eine fest im Fels verankerte Leiter problemlos den Felsaufbau hinunter.
Leiter nur an einer Seite gesichert der Feuerwehrleiter-Test Gedenktafel Heilbronner Weg Leiter bin ich gleich wieder unten Heiko - die Leiter hält!

Beim weiteren Umgehen des Gipfelaufbaues, sieht man dann die Leiter wieder von unten. Diese Stelle bietet sich wieder phantastisch für ein Päuschen an, was bereits mehrere andere Leute auch schon dachten.
Das dachte sich wohl auch die Bergdohle, die unweit von unserem Vesperplatz hoffte, dass etwas für sie abfällt. Ein Apfelbutzen gefällig?
Weiter gings, doch zuvor noch ein kleiner Abstecher zum sogenannten "Heilbronner Thörle", das vor unserem Abstieg nach Holzgau noch besucht werden wollte.
Danach ging es zurück und auf gut beschriftetem Fels gelangt man über eine kleine Felsspalte zur kleinen Steinscharte.
Leiter mal von unten Durchgang im Fels: Heilbronner Thörle gute markierter Durchstieg zur kleinen Steinscharte Rückblick zum Durchstieg

Was sich zunächst klein anhört entpuppt sich als sehr großes unangenehmes Geröllfeld, auf dem man bei jedem Schritt 30-50 cm weiter abrutschte und nur mit absoluter Vorsicht und immer den optischen Weg im Blick weiter unten schließlich auf eine Pfadspur stieß. Dieser Abstieg geht auch mächtig in die Knie, was sich nach der langen Tour doch zunehmend bemerkbar machte.
Mit mehreren Pausen tankten wir Kraft für den weiteren Abstieg. Eindrucksvoll der Rückblick zur sog. "Kleinen Steinscharte" mit dem Durchstieg vom Heilbronner Weg.
Daneben bleibt immer noch Zeit für kleinere Auffälligkeiten der alpinen Pflanzenwelt am Wegesrand.
Abstieg in der kleinen Steinscharte Abstieg nach der kleinen Steinscharte Rückblick durch die kleine Steinscharte bis zum Durchstieg


Von der verfallenen Schochenalpe werfen wir einen Blick zurück, auf die sagenhaft schöne Bergwelt, den tollen Höhenzug der den Heilbronner Weg beheimatet und bewundern gleichzeitig unsere erbrachte Laufleistung.
Aufblick zum Heilbronner Weg beim Abstieg zur Schochenalpe


Kanpp 700 Meter Höhenunterschied sind seit dem Abstieg vom Heilbronner Weg geschafft, was natürlich ein kleines Päuschen wert ist. Wenn man genau rechnet, bleiben immer noch 700 Höhenmeter für den weiteren Abstieg - aber jetzt wieder mit lohnenden Zwischenstationen, wie z.B. der Roßgumpen-Alpe.
Wir lassen zunächst die verfallene Schochenalpe hinter uns und steigen weiter ab ins Tal, das nun vollends geöffnet ist und uns mit einem tollen Blick auf die Krottenköpfe belohnt. Der sich in die Länge ziehende Weg verläuft nun stellenweise neben einem kleinen, aber zunehmend größer werdenden Rinnsal. Vorbei an Kühen, die trotz Almabtrieb noch hier oben faulenzen bis zur mittleren ebenfalls verfallenen Schochenalpe.
Brotzeit bergab bergab heut geh ich keinen Meter mehr

Ab hier geleitet ein gut zu gehender Forstweg die nächsten 45 Minuten hinab, bis endlich die lang ersehnte Roßgumpen-Alpe in Sichtweite rückte. Die Wasservorräte waren zwischenzeitlich alle brüderlich geteilt und fast aufgebraucht, als wir kurz vor der Alpe in einem kleinen angestauten Bach laut kreischende Leute beim Plantschen sahen...die hatten mal keine Wasserprobleme.
Endlich gab es die langersehnte warme Mahlzeit für Günter und natürlich auch den Rest der "freiwilligen" Wandertruppe.
Das Ausruhen auf der Roßgumpen-Alpe war so schön, dass die Zeit wie im Flug verging. Schön fand uns auch die Wirtin, die zum Schluss noch einen Schnaps springen ließ - könnte man auch noch als verspäteten Gipfelschnaps zählen *Prost*.
Nach einer geschlagenen Stunde machten wir uns an den restlichen Abstieg, der mit einer weiteren Stunde den bereits vom Auftieg her bekannten Weg am Höhenbach hinunter zum Parkplatz führte.
Rückblick Abstieg Roßgumpenalpe Tourfotograf weiter bergab entlang des Höhenbaches

Glücklich, endlich angekommen zu sein, und glücklich, eine schöne Tour erlebt zu haben, treten die Wanderfreunde der Freiwilligen Feuerwehr Engelsbrand nun nicht ganz unfreiwillig den Heimweg an.
Unfreiwillig, weil das schöne Wanderwochenende nun vorbei war. Es war schön mit Euch, bis zum nächsten Mal! (Mark, Heiko, Jürgen, Günter 09/2004).
Geschafft - und schnell wie die Feuerwehr schon bei der Abfahrt aus Holzgau

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Fazit:
Der eigentliche Heilbronner Weg ist sehr abwechslungsreich und teilweise auch sehr anspruchsvoll. Der landschaftlich reizvolle (aber nicht unbedingt reizvollste in den Allgäuer Alpen) und stellenweise etwas ausgesetzte Höhenweg führt über Gras, Fels, Geröll und ein langes Schneefeld mit teilweise vereisten Stellen.
Die an verschiedenen Abschnitten angebrachten Seilsicherungen bieten unterstützend Sicherheit, wenn auch eher psychologisch für etwas Unsichere Kandidaten, als für erfahrene Bergwanderer.
Landschaftlich am Schönsten war der optionale Besuch des wenig frequentierten herrlichen Aussichtgipfels "Muttlerkopf". Auch der Auf- und Abstieg durch das Schochenalptal und Höhenbachtal ist landschaftlich sehr reizvoll.
Der Abstieg vom Heilbronner Weg über die kleine Steinscharte ist recht unangenehm und erfordert im oberen Abschnitt äußerste Aufmerksamkeit und Trittsicherheit.
Bekanntlich erfreut sich der Höhenweg reger Beliebtheit und wird deswegen auch als Königsetappe bezeichnet. Deshalb kann sich jeder freuen, der schon früh morgens die Einsamkeit des Heilbronners noch etwas genießen kann, bis die Scharen über die verschiedenen Zuläufe eintreffen. Dabei ist zu erwähnen, dass unterwegs immer wieder Leute mit Sandalen und Turnschuhen angetroffen wurden, die in diesem hoch alpinen Gebiet nichts verloren haben. Teilweise hat man das Gefühl, dass viele Wanderer auch technisch und konditionell mit dem Heilbronner überfordert sind. Dabei stellt gerade die Mischung zwischen hoch alpinem Höhenweg und klettersteigähnlichen Abschnitten große Anforderungen an Ausdauer, Trittsicherheit und absolute Schwindelfreiheit. Wer hier Probleme hat, sollte lieber eine andere schöne Hüttentour wählen, von denen es in den wundervollen Allgäuer Alpen genügend gibt.
Der Aufstieg über Holzgau hat den Vorteil, die überfüllte Rappenseehütte zu meiden - der Weg verläuft dann aber genau der Meute entgegen, was dann oftmals Wartezeiten an schwierigen Stellen mit sich bringt, z.B. am Bockkarkopf.
Zwei Tage sollte man für die eigentliche Königsetappe und kleine Abstecher links und rechts des Weges schon einplanen, obwohl es für Extremwanderer auch die Möglichkeit einer anstrengenden Tagestour gäbe. Mark, das wär doch was für dich, oder? *grins*.

Weitere Links und ausführliche Hinweise:
Karte "Allgäuer Alpen" vom Bayr. Landesvermessungsamt (1 : 50 000) mit GPS-Gitter


AV Karte "Allgäuer-Lechtaler Alpen West" (1 : 25 000)


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Tipps
Parkmöglichkeiten:
Das Auto parkt man am besten auf dem kostenlosen Parkplatz an der Kirche in Holzgau. Bereits hier vom Parkplatz aus ist der Weg zur Kemptner Hütte durchs Höhenbachtal angeschrieben.
beste Wanderzeit:
Am Besten richtet man sich nach den Öffnungszeiten der Kemptner Hütte und kann dann hier auch vorab nach den Verhältnissen fragen (Hütten-Hotline: Aktuelle Informationen über die Begehbarkeit des Weges können unter der Nummer 08322/700152 abgerufen werden).
Wasservorräte:
Ausreichend Trinkvorrat mitführen. Auffüllmöglichkeit besteht z.B. an der Kemptner Hütte (auch sonstige Reiseproviantaufnahme).

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Auswertung der GPS-Daten
Mit dem sog. GPS-Track kann u.a. mit Programmen wie Google Earth der Routenverlauf betrachtet werden. "Google Earth" verwendet das Dateiformat .kmz (=komprimiert) bzw. .kml. Öffnet man die KMZ-Datei bzw. KML-Datei in "Google Earth", wird man automatisch zu den in den Dateien gespeicherten Orten (Koordinaten) geleitet.

Tour als Höhen- und StreckenprofilRoute und Profil:
- Online: Online GPS-Viewer URL: http://www.wanderpfa.de/touren/tour7/heilbronner.gpx
- GPS-Tracks: .kml / .gpx
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Übersicht
Übersicht
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