Tour 3: Gaishorn (05/2003)

Anreise
D-75181 Pforzheim nach D-87541 Hindelang/Hinterstein über Sonthofen
Entfernung: ca. 260km Fahrzeit: ca. 3 Std

Über die A 8 nach "Ulm" - Ausfahrt "Ulm-West" - weiter Richtung "Ulm/ Friedrichshafen/ Kempten" auf die B 10 durch "Ulm" - weiter Richtung "Kempten" - dann bei "Senden" automatisch auf die A 7 Richtung "Kempten" - bis zur Autobahnausfahrt "Allgäu" - dann auf die A 980 bis zur Ausfahrt "Waltenhofen" - hier auf die B 19 bis nach "Sonthofen". In Sonthofen Richtung "Hindelang" auf die B 308. In "Bad Oberdorf" ist dann "Hinterstein" angeschrieben. Man folgt dann der Straße das Seitental hinauf, fährt bis ans Ende des Ortes und stellt das Auto auf dem gebührenpflichtigen (für die Zeit von 8 - 18 Uhr) Parkplatz ab. Die Suche nach einem anderen kostenlosen Parkplatz kann man sich sparen, den im ganzen Ort besteht nur befristete Parkmöglichkeit (max. 4 Std.). Für den Parkautomat sollte man genügend Kleingeld in Form von Euro und 10 - 50 Cent-Stücken mitnehmen, Scheine und Karten werden nicht angenommen. Die 1. Stunde kostet 1 Euro - jede weitere 50 Cent: macht max. € 5,50 (1 ganzer Tag) bzw. € 11,-- (2 ganze Tage). Die maximale Parkdauer bzw. die Vorzahlzeit am Automaten beträgt 3 Tage. Was ein Strafzettel kostet konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen...vielleicht kann dazu ja jemand was sagen *grins*.
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Ausrüstung
  • gute Wanderbekleidung (einschl. Regenjacke etc.)
  • festes Schuhwerk für Geröll
  • Taschenlampe für Almhütte (keine Beleuchtung nachts)
  • Hüttenschuhe und Hüttenschlafsack
  • Taschenlampe für Almhütte (keine Beleuchtung nachts)
  • Stöcke - erleichtern sicheren Stand übers Geröll, im Schnee und bei Steigung/Gefälle
  • Sonnenschutz für Kopf (Tuch/ Hut) und Haut (Sonnenmilch -spray)
  • Notfall-Set (praktisch 1.Hilfe-Tasche für Motorrad)
  • krampflösende Calcium-Magnesium-Tabletten (günstig in jeder Drogerie)
zur Linkseite: "Ausrüstung"
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Wegbeschreibung
Parkplatz HintersteinVom Parkplatz in Hinterstein aus folgt man dem Hinweisschild zur Willersalpe. Die Angabe mit 1 1/2 Std Gehzeit ist realistisch. Der Weg verläuft zunächst über eine Viehweide, führt auf einen geteerten Weg und zweigt dann ab in einen schmalen Pfad. Ein Schild weisst an dieser Stelle darauf hin, dass der Pfad auch von Pferden zur Lastbeförderung zur Willersalpe genutzt wird (irgendwie muss das Bier ja hochkommen) - uns ist auf unserer Tour aber kein Gaul verkommen.

Die ganze Zeit hat man einen wunderschönen Blick zurück ins Tal und auf die gegenüberliegenden Berge (Pfannenhölzer, Breitenberg). Linkerhand des Weges begleiten uns die steil abfallenden Flanken des Ponten, mit jeder Menge abgegangenem Geröll. Spannend ist auch die Überquerung des Willersbaches. Die Reste einiger vorangegangener Holzstege ragen weiter unten noch aus dem Bachbett. Der Pfad schlängelt sich nun in Kehren den Berg hinauf, teilweise mit Schotter aufgefüllt bzw. mit angelegten Treppen, deren Begehung schnell zum Schwitzen führt. Zuletzt wird man durch ein lauschiges Tannenwäldchen geführt, bevor man plötzlich im Freien steht und sich nach wenigen Schritten ein saftig grünes von Bergen eingerahmtes Hochplateau vor einem öffnet.
Blick zurück nach Hinterstein Lasttiere Geröll Steg über den Willersbach geöffnete Lüftungsklappen kurz vor der Willersalpe

Und mitten auf der Hochweide liegt friedlich die Willersalpe. Eigentlich rechneten wir mit Kuhglockengebimmel, aber für den Alpauftrieb ist es um diese Jahreszeit noch zu früh. Dafür wurden wir freudig vom offiziellen Wachhund begrüßt und ausgiebig inspiziert, bevor wir dann hineingelassen wurden. Nach kurzer Rast und dem Ausgleich des Wasserhaushaltes wollten wir eigentlich weiter, doch die Auskunft des Hausherren über den witterungsbedingten Zustand des Jubliäumsweges warf unsere ganze Tourenplanung über den Haufen. Diese Jahreszeit sei einfach zu früh, denn vor dem Abschmelzen der Schneefelder, was normalerweise ab Mitte bis Ende Juni der Fall ist, sei eine Begehung nicht möglich. Weil man als unerfahrener Bergtouri ja auf einen Einheimischen hört, wollten wir das auf eigene Faust erkunden, denn irgendwie würde es schon zu schaffen sein. Gedacht - getan...Aufbruch Richtung "Vordere Schafwanne", deren schneebedeckte Flanke uns schon weitem grüßte.
Willersalpe offizieller Wachhund der Willersalpe Blick auf die Willersalpe beim Aufstieg zur Vorderen Schafwanne Ausläufer der Vorderen Schafwanne der 1. Schnee

Eine kleine Ewigkeit stetig bergauf und noch ein paar große Felsbrocken umrundet,dann steht man unmittelbar am Fuß der "Vorderen Schafwanne". Ein fast geschlossenes Schneefeld bedeckte Wanne und Weg. Nach kurzer Beratung und demokratischer Abstimmung wollten wir uns wieder auf den Rückweg machen, als sich zwei weitere Wanderpaare näherten und sich zielstrebig mit Gamaschen und Schneeschuhen ausgerüstet an den Aufstieg machten.
Während jedes Paar eine andere Route wählte, rechneten wir uns optisch aus, wo wir bei einem senkrechten Aufstieg auf die Spuren der Wanderfreunde bzw. auf den "richtigen" Weg gelangen würden.
Dabei führte uns der Weg im Gänsemarsch durch Schneefelder und schroffe Felseinschnitte steil nach oben, manchmal auf allen Vieren. Nach jeder Menge Pausen, Krämpfen und Calcium-Tabletten, trafen wir und ein noch von Steinschlag getroffener Mark irgendwann auf die Spur der vorangegangenen Wanderfreunde.
Zum Glück teilte sich dann noch die Spur: wir folgten der Spur nach Osten. Kurz darauf konnten wir vor uns ein Wanderpaar ausmachen und miterleben, wie diese sich Mini-Ski anlegten und sich damit den soeben bezwungenen Steilhang hinabstürzten....DANKE! Das Panorama hier oben war jedenfalls der echte Wahnsinn - im Hintergrund hob sich eindrucksvoll der Hochvogel ab.
die ersten Meter im Schnee die ersten Meter im Schnee Blick von oben auf Ponten und Willersalpe Ski und Rodel gut Hochvogelblick

Wir nutzten die tolle Aussicht für eine kurze Rast und ein paar Schnappschüsse, bevor wir zurückliefen und dann der Spur des anderen Wanderpaares schräg bergauf nach Westen folgten. Mittlerweile waren die Wolken ziemlich tief, was man auf den Bildern gut erkennen kann. Noch war jedenfalls gute Sicht und wir wollten unbedingt die "Vordere Schafwanne" bezwingen. Um 14 Uhr hatten wir es dann endlich geschafft: wir standen auf dem "Jubiläumsweg", auf dem Kamm zwischen Gaisshorn und Rauhhorn genau auf der deutsch-österreichischen Grenze. Unter uns lag in einem Ausläfer des Tannheimer Tales der Vilsalpsee. Ein Weitergehen auf dem Jubiläumsweg war aussichtslos, ebenso der Abstieg zum Vilsalpsee. Wir beschlossen, der Spur des vorangegangenen Wanderpaares zu folgen, um - so hofften wir jedenfalls - übers Gaisshorn zurück zur Willersalpe zu gelangen.
Mark kurz vorm Abheben Pascal ziemlich geschafft, aber glücklich auf dem Grat angekommen Blick auf den Vilsalpsee im Tannheimer Tal Mannschaftsfoto (davor)

Jetzt überraschte uns das Wetter mit noch tieferen Wolken und wir standen plötzlich im dichten Nebel. Egal, wir machten uns erstmal ausgiebig über unsere mitgeschleppten Vorräte her...bevor wir uns weiter an den Aufstieg aufs Gaisshorn machten und dabei weiter der Spur folgten, die immer wieder über steil abfallende Schneefelder führte. Immerhin war stellenweise die beruhigende rote Wegmarkierung zu erkennen. Wir standen unmittelbar vor dem Gipfel des Gaisshorns, als wir durch den Nebel deutlich das Klappern von Wanderstöcken hören konnten: Uns kam das vorausgelaufene Wanderpaar entgegen, die ein Weitergehen bei diesen Witterungsbedingungen für zu gefährlich hielten und deshalb umkehrten. Nach kurzer Beratung fragten wir, ob wir uns anschließen durften und machten uns dann alle gemeinsam an den Abstieg....durch die "Vordere Schafwanne"...was wir eigentlich um jeden Preis umgehen wollten. Durch die tolle Führung der erfahrenen Wanderfreunde, meisterten wir den Abstieg fast problemlos und stellenweise machte es sogar Spass, auf den Schneefeldern hinabzurutschen. Mark biss trotz seiner Schmerzen tapfer auf die Zähne, und Achim warf vor Freude seinen Schlafsack weg, der in Plastikfolie eingewickelt das Schneefeld hinunterschoss und nicht mehr gesehen wurde (Richtigstellung: Der Schlafsack löste sich unbemerkt von seinem Rucksack und war leider nicht mehr zu halten). Nachtrag: Besser nur der Schlafsack war weg, als Achim mit Rucksack und Schlafsack zusammen. *grins*
Mannschaftsfoto (danach) auf dem Rückweg vom Gaisshorn Aufstieg zum Gaisshorn ab der Schafwanne aus Sicht des Rauhhorns - aufgenommen bei unserer Jubiläumswegtour 16.08.03

Gegen 18 Uhr sind wir dann alle wieder in der Willersalpe angekommen. Zwar nass, weil es zuletzt doch etwas mehr geregnet hat, aber glücklich. Wir beschlossen die Nacht hier oben zu verbringen und erkundigten uns beim Hürtenwirt nach dem Nachtlager. Dann gab's was warmes zu essen und was kühles zu trinken. Der Ofen in der Gaststube gab wirklich alles, bis unserer Kleider dampften und wir anfingen zu schwitzen. Dann bedankten wir uns nochmal bei unseren Wanderführern und Rettern in der Not, die sich so gestärkt noch an den Abstieg nach Hinterstein machten. Wir genossen stattdessen das urige Almhüttenflair...zwischen dem ersten und dem letzten Bier.
Willkommen in der Willersalpe Pascal Häuptling Brennende Socke Knochenbrecher Mark Eni

Das Lager war nicht beheizt und nachts gibts auf der Hütte auch kein Licht...ohne Taschenlampe könnte da also mal was in die Hose gehen *grins*. Eni hatte extra Leuchtstäbe dabei und eines gleich mal angeknickt, quasi als Notbeleuchtung. Schnell waren die Schlafsäcke auf den Matratzen ausgerollt...jedenfalls wer noch seinen Schlafsack hatte *zwinker*. Achim wickelte sich dafür in mehrere kratzige BW-Decken ein - da kamen Erinnerungen hoch *grins*. Jedenfalls sind wir alle ziemlich schnell und erschöpft eingeschlafen. Die Abendtoilette hatten wir übrigens beschleunigt.
Am nächsten Morgen krähte um halb sechs der Wecker, *ääh* der Hahn im Haus. Gut wenn man früh raus will, aber wollten wir ja nicht. In schönen kurzen Abständen wiederholte sich das Signal. Die Spätaufsteher wurden dann mit einer feuchten Morgentoilette durch den Wachhund geweckt und ordentlich abgeschleckt. Durchs Fenster hatte man einen tollen Blick auf die Schafwanne. Durch das Fernglas konnte man noch gut unsere Spuren vom Vortag erkennen. Die Ruhe und Stille hier oben war wirklich einmalig. Beim zweiten Mal kräte dann wieder der Hahn.
Nach dem Frühstück wurde gepackt und die noch feuchten Stiefel vom Ofen weggeholt. Dann war Zeit zum Aufbruch und man verabschiedete sich von neuen Freunden.
Frühstück Vordere Schafwanne im Morgenmantel Spurensuche Wachhund ade Pasi

Das Himmel war bewökt und ab und zu kam die Sonne vor, also wir gemütlich den Abstieg begannen. Mark gab mit seinem angeschlagenen Fuß das Tempo vor. Die nächste Tour wollte er auf jeden Fall nur noch mit Stöcken machen. Wir schlängelten uns bergab und kamen schließlich wieder über den Willersbach. Hier begegneten uns dann auch die ersten aufsteigenden Wanderfreunde des Tages, die uns wegen unserer Ausrüstung bestimmt für eine Expeditionsgruppe hielten.
Kurz vor dem Parkplatz in Hinterstein, legten wir eine Rast ein und testeten unsere Küchensausrüstung...der Benzinkocher kochte im Minutentakt jedem noch schnell sein lecker Süppchen. Zum letzten Mal wurde zusammengepackt und aufgesessen...also der Rucksack auf die Schultern und schließlich erreichten wir mit Riesenschritten den Ausgangspunkt unserer Tour.
Ich glaube hier für uns alle sprechen zu können, indem ich sage, dass es in jeder Hinsicht eine außergewöhnliche Tour war. Vielleicht haben wir stellenweise das Risiko und die Gefahren unterschätzt oder einfach auch nicht sehen wollen, was durchaus auch schlimmer hätte ausgehen können, aber am Ende stehen die gemachten persönlichen Erfahrungen und das Gefühl, etwas Besonderes und Nichtalltägliches erlebt zu haben.

Keine Angst - "Jubiläumsweg" wir kommen (Achim, Eni, Mark, Pascal, Oliver 05/2003).

Blick ins Tal Willersbach Mahlzeit Ziel

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Fazit:
Schöne und wenig anstrengende Wochenendtour ab Hinterstein mit Almübernachtung und optionalem Gipfelglück. Ideal auch als Einsteigertour für das langsame Herantasten und Sammeln erster alpiner Erfahrungen.

Weitere Links und ausführliche Hinweise:
Karte "Allgäuer Alpen" vom Bayr. Landesvermessungsamt (1 : 50 000) mit GPS-Gitter


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Hütten/ Übernachtungsmöglichkeit
  • Willersalpe (geöffnet von Mai bis November).
    Das besondere an der Willersalpe ist ihre Bewirtschaftung: Es führt weder Versorgungsstraße noch -lift zur Alpe. Die Versorgung der Hütte erfolgt auf dem Rücken von Transportpferden, die vom Tal hoch den gleichen Weg wie die Wanderer nehmen.

Übernachtungsmöglichkeit in Hinterstein
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Tipps
Parkmöglichkeiten:
Das Auto parkt man am besten auf dem gebührenpflichtigen (für die Zeit von 8 - 18 Uhr) Parkplatz am Ende des Ortes.
Die Suche nach einem kostenlosen Parkplatz kann man sich sparen, denn im ganzen Ort besteht nur befristete Parkmöglichkeit (max. 4 Std.). Für den Parkautomat sollte man genügend Kleingeld in Form von Euro und 10 - 50 Cent-Stücken mitnehmen, Scheine und Karten werden nicht angenommen. Die 1. Stunde kostet 1 Euro - jede weitere 50 Cent: macht max. € 5,50 (1 ganzer Tag) bzw. € 11,-- (2 ganze Tage). Die maximale Parkdauer bzw. die Vorzahlzeit am Automaten beträgt 3 Tage. Was ein Strafzettel kostet konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen.

Abstecher zum Wildfräuleinstein
Beim Aufstieg zur Willersalpe Abstecher zu den Höhlen bzw. sagenumwobenen Felsen (GPS-Location: 47.4762457/10.4290965).
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Auswertung der GPS-Daten
Mit dem sog. GPS-Track kann u.a. mit Programmen wie Google Earth der Routenverlauf betrachtet werden. "Google Earth" verwendet das Dateiformat .kmz (=komprimiert) bzw. .kml. Öffnet man die KMZ-Datei bzw. KML-Datei in "Google Earth", wird man automatisch zu den in den Dateien gespeicherten Orten (Koordinaten) geleitet.

Tour als Höhen- und StreckenprofilRoute und Profil:
- Online: Online GPS-Viewer URL: http://www.wanderpfa.de/touren/tour3/gaishorn.gpx
- GPS-Tracks: .kml / .gpx
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