Tour 16: Schneck mit Überschreitung Rotkopf bis zum Laufbacher Eck (14.07.2007)

Anreise
D-75181 Pforzheim nach D-87541 Hindelang/Hinterstein über Oberjoch
Entfernung: ca. 265km Fahrzeit: ca. 3 Std

Über die A 8 nach "Ulm", auf die A 7 Richtung "Kempten" - bis zur Autobahnausfahrt Nr. 130 "Oy-Mittelberg" - dann Richtung "Wertach/Oberjoch" bis nach Hindelang-Bad Oberdorf. Im Kreisverkehr abbiegen nach "Hinterstein".
Gleich beim E-Werk hinter Bruck und noch vor Hinterstein auf der linken Seite auf den großen gebührenpflichtigen Parkplatz. Man kann auch auf dem Parkplatz am anderen Ende von Hinterstein parken (Aufstieg Willersalpe), was jedoch wesentlich teurer ist. Dafür fährt von allen Parkplätzen ein Buspendelverkehr zum Giebelhaus.
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Ausrüstung
  • gute Wanderbekleidung (einschl. Regenjacke etc.)
  • festes Schuhwerk für Geröll
  • Stöcke - erleichtern sicheren Stand übers Geröll, im Schnee und bei Steigung/Gefälle
  • Sonnenschutz für Kopf (Tuch/ Hut) und Haut (Sonnenmilch -spray)
  • Notfall-Set (praktisch 1.Hilfe-Tasche für Motorrad)
  • krampflösende Calcium-Magnesium-Tabletten (günstig in jeder Drogerie)
zur Linkseite: "Ausrüstung"
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Wegbeschreibung
Guten morgen und hallo......hier am noch ziemlich verlassenen Parkplatz beim E-Werk Bruck kurz vor Hinterstein. Gerade werden die Räder für die 10 km lange Fahrt zum Giebelhaus präpariert und der Assistent (aus Schutzgründen nicht im Bild) noch mit einem Nutellabrötchen gedopt. Ohne jegliches Mitleid klingelt der Wecker um 03.30 Uhr. Warum eigentlich? *gähn* Normalerweise wären heute Wochenende und Ausschlafen angesagt, aber die Berge rufen. Bereits um kurz vor 4:00 Uhr befinden wir uns auf der Piste Richtung Allgäuer Alpen. Ohne Probleme und sehr gut im Zeitplan erreichen wir bereits kurz vor 06:00 Uhr den Parkplatz beim E-Werk Bruck vor dem Ortseingang Hinterstein. Schnell sind die mitgebrachten einzelnen Fahrradteile zu zwei flotten Mountain-Bikes zusammengeschraubt. Nach dem kurzen obligatorischen Frühstück - Kaffee und Nutellabrötchen - wird noch der Parkautomat gefüttert und die Tour de Schneck kann um 06:15 Uhr starten.
Alle erlaubten Dopingmittel sind neben reichlichen Trinkvorräten in unseren Rucksäcken verstaut. Aufgrund der vorhergesagten hohen Temperaturen hatte jeder von uns bis zu vier Liter Flüssigkeit eingeplant.
Die ersten Meter auf den Rädern waren noch etwas ungewohnt, doch nachdem wir die ersten "Fuß"-Wanderer in Hinterstein überholt hatten, waren wir froh, die 10km lange Anfahrt zum Giebelhaus mit den Bikes machen zu können. Auf der Strecke ins Tal hinein sind eigentlich nur zwei relativ kurze größere Anstiege zu bewältigen - Absteigen ist hier keine Schande. Nach einer knappen Stunde taucht vor uns der Giebel auf, der steil und auffallend über dem inneren Hintersteiner Tal in den Himmel ragt. Vorbei am Giebelhaus verstauen wir unsere Räder im Gebüsch hinter der Brücke über den Bärgündelebach. Die ersten Meter zu Fuß waren nun auch wieder etwas ungewohnt - wie zwei verwegene breitbeinige Cowboys bewegten wir uns über die staubige Straße *grins*.
Auf der geteerten Straße gewinnen wir nun ziemlich schnell an Höhenmeter. Ein paar gestählte Radfahrer, die am Morgen aus Sonthofen gestartet waren, ziehen langsam an uns vorbei - alle Achtung! Links oben lugt aus der Scharte zwischen Glasfelderkopf und Wiedemerkopf das Prinz-Luitpold-Haus hervor, während die Sonne über die Gipfel streift und das Tal in eine herrliche Stimmung taucht.
Aufstieg durchs noch schattige Bärgündeletal - oben rechts streckt schon der Schneck seinen Hals empor gut angelegter Weg oberhalb der Pointhütte mit Blick auf das Wildenmassiv

Mittlerweile haben wir die Pointhütte und die breite Straße hinter uns gelassen und über dem Stierbach gegen einen steinigen Pfad getauscht. Endlich hatten wir das richtige Terrain erreicht *lach*. Vor uns ausgebreitet öffnet sich das Bachgries, das von einem gewaltigen Bergkamm vom Großen Wilden bis zum Wiedemerkopf umrahmt wird. Ein herrlicher Anblick, den wir im weiteren Verlauf der Tour noch zur Genüge genießen können. Auf der rechten Seite reckt sich über den Tal-Ausläufern von Salober und Zwerchwand der auffällige helle Fels des runden Gipfelkopfes vom Schneck in die Höhe. Noch lagen einige Höhenmeter vor uns *schwitz*.
Im weiteren Aufstieg zum Himmelecksattel müssen wir leider den Schatten zurücklassen. Nun war es höchste Zeit, sämtliche Schutzmaßnahmen zur Vorbeugung eines Sonnenbrandes zu ergreifen - Sonnenmilch und ausreichender Kopfschutz.
Gegen 08:30 Uhr treffen wir auf den Verbindungsweg vom Prinz-Luitpold-Haus über das Laufbacher Eck zum Edmund-Probst-Haus (Weg-Nr. 428), der sich im weiteren Verlauf der Tour als Alternative zur Gratüberschreitung des Rotkopfes anbietet.
Auf erdigen Pfaden erreichen wir schließlich über ettliche Kehren bequem den Himmelecksattel gegen 09:30 Uhr, wo wir von Seiten des Oytals schon mit einem herrlichen Blick auf die Höfats empfangen werden - wow!
Blick zum Schneck am Ende des Bärgündeletals anstrengender Aufstieg am Ende des Bärgündeletals zum Verbindungsweg Prinz-Luitpoldhaus zum Edmund-Probst-Haus endlich auf dem Himmelecksattel angekommen - herrlicher Blick über das Oytal zur Höfats

Ein einziges Blumenmeer erwartet uns am Himmelecksattel. Wieder ein eindruckvolles Beispiel für die Vielfältigkeit der Allgäuer Alpen. Hier, vor der prächtigen Kulisse von Höfäts und dem Großen Wilden, ruhen wir uns erst einmal im satten Gras aus. Vom Himmeleck aus zieht sich der Nordgrad des Großen Wilden eindrucksvoll empor. Die Radfahrer von heute morgen (wir erinnern uns: Radler aus Sonthofen) sind gerade - gut zu sehen - mit dem Aufstieg über den Nordgrat zum Großen Wilden beschäftigt. Wir beschäftigen uns aber schon mit dem weiteren Aufstieg zum Himmeleck; kein eigener Berg, sondern ein Vorgipfel des Schneck. Linkerhand sehen wir unterhalb einem Gratabbruch der Himmeleckschulter die Verbindung zum Himmelhorn. Das Himmelhorn ist ebenfalls kein eigener Berg, sondern die SW-Schulter des Schneck. Trotzdem war und ist die Besteigung des Himmelhorns eine Herausforderung an viele mutige Bergsteiger. Beim grasigen Aufstieg zum Himmeleck treffen wir sogar noch auf einzelne Schneereste, die sich vorzüglich für eine kleine Abkühlung der Beine nutzen lassen.
prächtiges Blumenmeer vor herrlicher Kulisse Blick vom Himmelecksattel zum Hochvogel der getüpfelte Enzian - unentwegter Wegbegleiter auf dieser Tour Blick auf den linkerhand zum Himmelhorn ziehenden Rädlergrat beim Aufstieg zum Himmeleck einige Schneereste beim weglosen Aufstieg zum Himmeleck

Hinter uns liegt nun der zum Himmelecksattel herabziehende mächtige Nordgrat des Großen Wilden, während wir auf erdigen Tritten unschwer das kreuzlose Himmeleck erreichen. Von hier haben wir einen herrlichen Blick auf den steil aufragenden Gipfelkopf des Schneck. Links davon sieht man im weiteren Verlauf den scharfen und über mehrere Zacken verlaufenden Gipfelgrat des Rotkopfes, dem wir heute auch noch einen Besuch abstatten möchen.
Vom grasigen Vorgipfel des Schneck bietet sich auch ein toller Blick über das Oytal hinweg auf die zackigen Gipfel der Höfats. Weiter geht es nun auf Richtung Hauptgipfel des Schneck, dessen Anstieg zunächst über ein etwas luftiges grasiges Stück an eine ziemlich anspruchsvolle Passage führt: Über einen ausgesetzten, aber griffigen Felsaufschwung gelangt der Geübte über gute Trittmöglichkeiten auf einen kleinen Vorsprung. Wem das zu luftig und gewagt ist, kann sich ohne Weiteres auch mit dem Gipfelglück auf dem Himmeleck begnügen und ab hier dann auch die Alternative über den Laufbachereckweg wählen.
imposanter Blick auf den Schneck-Hauptgipfel und die Gipfelschneide des Rotkopfes linkerhand Rückblick auf den Vorgipfel des Schneck unschwieriger grasiger Übergang mit felsigen Tritten zum Gipfelaufbau des Schneck

Von dem Vorsprung gelangt man zunächst über eine Lücke hinab zu einem messerscharfen, äußerst exponierten Verbindungsgrat (Reitgrat), den es zu überqueren gilt bevor die letzten Höhenmeter zum Gipfelspurt anstehen. Auf den Übergang verzichten aufgrund des äußerst ausgesetzten Verbindungsgrates viele. Nachdem Simon aus Oberstdorf - der Eintrag vor uns im Gipfelbuch - diese Passage vor unseren Augen stehend und in wenigen Schritten gemeistert hat, wagten wir uns langsam an die Sache heran: mit sicherem Halt im griffigen Fels und kleinen Trittmöglichkeiten unterhalb des Grates, gelang uns schließlich der Übergang - teilweise auf dem Hosenboden - mit einiger Mühe. An dieser Stelle sei jedenfalls angebracht, dass der Rückweg auf jeden Fall über die gleiche Stelle führt *schluck*.
Dann ist es geschafft - über die letzten Meter führen uns gute Griffe und felsige Stufen auf den Gipfel dieses namhaften Berges. Mit der Überschreitung des Verbindungsgrates sind wohl auch die Grenzen des herkömmlichen Bergsteigens erreicht. Darüber beginnt das eigentliche Klettern. Zur Besteigung des Gipfelaufbaus und für die Überschreitung des Reitgrates ist eine Seilsicherung als zusätzliche Sicherungsmaßnahme möglich oder sogar zu empfehlen.
Wir machen es uns auf dem Gipfel gemütlich und genießen den herrlichen Blick auf das gewaltige Wildenmassiv und den mächtig aufragenden Hochvogel. Mit einem Eintrag ins leicht feuchte Gipfelbuch wird unser Gipfelerlebnis und der geplante weitere Tourverlauf dokumentiert.
felsiger und steiler Aufstieg zum Gipfelaufbau unheimlich steiler Blick auf die Höfats luftiger Übergang vom Vorgipfel zum felsigen Gipfelaufbau traumhafter Blick auf das Wildenmassiv mit Hochvogel im Hintergrund
Ein gewaltiges Bergmassiv erstreckt sich mit der Wildengruppe vom Großen Wilden rechts, über den Vorderen Wilden und Kreuzkopf bis zum Wiedemerkopf. Dahinter trohnt einsam der heimliche König der Allgäuer Alpen - der Hochvogel. Im Hintergrund erheben sich die Gipfel der Hornbachkette.
Hochvogel und Wildengruppe grüßen


Vom Gipfel blicken wir auf die unterhalb der Nordwand wegziehende Gratschneide, die erste Erhebung mit der Zwerchwand, den sich anschließenden Schnecksattel und die im weiteren Verlauf folgenden verschiedenen Gipfel vom Rotkopf. Dahinter sehen wir einen Teil vom steil und glatt abfallenden Kamm, der vom Laufbachereck über Salober und Berggächtele bis zum Giebel ins innere Hintersteiner Tal vorzieht und nur sehr selten betreten wird (Überschreitung vom Giebel zum Laufbachereck ist im AV-Führer beschrieben, u.a. mit mehreren Passagen III).
Unser Versuch das Gipfelbuch in der Sonne etwas trocknen zu lassen brachte leider keinen großen Erfolg. Obwohl die Gipfelbuchaufbewahrungskassette auf den ersten Blick einen guten Eindruck machte, ist das Buch doch relativ stark durchfeuchtet gewesen. Vielleicht helfen ein paar schöne Sommertage.
Wir genießen den Blick auf den Großen Wilden und können den Abstieg mehrerer Personen, vermutlich der Radler aus Sonthofen, über das Schneefeld in der Gamswanne beobachten. Und über allem trohnt und wacht der mächtige Hochvogel - einfach nur herrlich.
Gipfelschneide vom Rotkopf vom Schneck aus gesehen Eintrag ins Gipfelbuch des Schneck Blick vom Gipfel zum Großen Wilden

Richtung Höfats hat man einen tollen Blick auf das Himmelhorn, das sich unterhalb vom Himmeleck mit seinen scharfen Graten und auffallenden Zacken abzeichnet. Hierzu ist eine Überlieferung aus 1956 über drei Brüder bekannt, die bei der Besteigung des Himmelhorns über den Rädlergrat abgestürzt sind. Dieses furchtbare Unglück wurde in dem Büchlein "Drei am Himmelhorn" für die Nachwelt festgehalten.
Wir erfreuen uns aber heute an dem herrlichen Anblick der Allgäuer Bergwelt mit ihren bizarren Erscheinungen. Einen tollen Ausblick haben auch die Besucher des Laufbachereckweges, der sich von hier aus gut sichtbar unterhalb der gegenüberliegenden Gipfel vom Laufbachereck Richtung Edmund-Probst-Haus schlängelt. Nachdem Mark alle Einzel-Aufnahmen für das 360° Panorama abgeschlossen hat, machen wir uns an den Abstieg vom Gipfel, der uns über nunmehr bekanntes Terrain führt. Langsam tastet man sich rückwärts am felsigen Gipfelaufschwung von Griff und Fußtritt zur nächsten Stufe hinab. Die exponierte Lage nimmt man dabei gar nicht so wahr, da man sich auf die Halte- und Standmöglichkeiten konzentrieren muss. Auch den Reitgrat überwinden wir auf dem Rückweg ohne weitere Probleme. Von dieser Seite erscheint die Begehung rein subjektiv etwas einfacher als beim Aufstieg.
Über den kurzen Grasaufschwung zum Vorgipfel, holen wir hier die "Wartenden" wieder ab mit auf unsere Tour. Der Abstieg erfolgt nun wie beim Aufstieg unschwer über den Graskamm hinab. Auf halber Höhe, hinter der zum Laufbachereckweg hinabziehenden Felsrippe, kürzen wir die Strecke ab und queren in nicht ganz so steilem Grasgelände nach links hinüber in einen sichtbaren Durchbruch durch die schrofige Felsrippe. Dabei kann man sich gut an dem großen Felsbrocken orientieren, der von den Anwohnern gern für ein Sonnenbad benutzt wird.
Blick über den Vorgipfel hinab zum Himmelhorn traumhafter Blick auf das Himmelhorn Verlauf des Laufbacher-Eck-Weges vom Schneck aus gesehen Abstieg vom Gipfelturm des Schecks auf den Verbindungsgrat zum Vorgipfel Blick vom Gipfel zum Großen Wilden

Die optionale Überschreitung der Gipfelschneide vom Rotkopf ist vom Schwierigkeitsgrad her ungefähr mit der Überquerung des exponierten Verbindungsgrates zum Hauptgipfel des Schneck zu vergleichen. Die Schlüsselstelle dürfte ein ca. fünf Meter langes, sehr exponiertes und fast waagrechtes Gratstück sein (O-Ton Boris von gipfelsuechtig.de: "ein paar Zentimeter über dem Nichts"). Man sollte den II-ten Schwierigkeitsgrad nach Möglichkeit sicher beherrschen. Die Umgehung dieser Überschreitung erfolgt recht einfach mit einem weiteren Abstieg der letzten Höhenmeter zum Laufbachereckweg, der unterhalb von Schneck und Rotkopf über das Hochkar verläuft und dabei an der Bergwachthütte vorbeikommt. Ich würde sagen, wir treffen uns auf dem gleichnamigen Sattel vom Laufbachereck und können uns von dort aus die Besteigung des Nord- und Mittelgipfels anschauen, die Trittsicherheit in steilem Gras und Schwindelfreiheit erfordert und mit keinen weiteren Schwierigkeiten verbunden ist.
Wir setzten unseren Weg zum Fuß der berühmten Schneck-Ostwand fort und queren dabei über Geröll und Krautfelder leicht ansteigend hinüber zum Schneck. Für die Querung der gerölligen Krautfelder verwendet man am besten Stöcke, zumal die Beschaffenheit des Untergrundes durch die dicken Krautblätter nicht immer auszumachen ist. Kurz vor der Ostwand gelangen wir direkt am Fuße des Schneck zu einer ausgetretenen Trittspur, auf der wir bis zu einer kleinen Höhle emporsteigen. Hier treffen wir auf erfrischend kalte Wassertropfen von der Ostwand des Schneck - oder muss es umgekehrt lauten? *lach*
Über unangenehmes schrofiges Gelände und jede Menge Geröll ziehen wir von der Wand weg leicht schräg noch oben auf den Sattel kurz vor dem grünen Zacken der Zwerchwand, die rechterhand wie eine natürliche Begrenzung als Felsrippe zum Laufbachereckweg hinabzieht. Mit Trittsicherheit und jeder Menge Stockeinsatz dürfte dieser Abschnitt aber gut zu bewältigen sein. Schließlich gelangen wir auf die Gratschneide am Fuße der steil aufragenden Nordwand des Schneck. Die weiteren Meter verlaufen unschwer über den grasigen Kamm der Zwerchwand hinab in den Schnecksattel.

Querung über Geröll und Krautfelder unterhalb des Schneck an den Fuß der berühmten Ostwand Ostwand des Schneck Rückblick am Fuß der Ostwand auf die zurückgelegte Strecke von dem weiter hinten herabziehenden Felsgürtel Blick vom Schnecksattel auf die Nord-Ost-Seite des Schneck luftiger Übergang aus dem Schnecksattel zum Rotkopf

Der Übergang vom Schnecksattel über den flachen Grasgrat auf den Südgipfel vom Rotkopf erfordert etwas Trittsicherheit und Schwindelfreiheit - ist aber relativ einfach. Im weiteren Verlauf der Gratschneide nähern wir uns auch schon langsam der Schlüsselstelle - dem übergang vom Südgipfel zum Mittelgipfel. Klettertechnisch ist der Übergang nicht sonderlich schwer - doch sollte man den II-ten Grad beherrschen. Die Überquerung der nun vor uns liegenden Gratschneide kostet einiges an Überwindung. Man kann sich an der schrofigen Schneide gut festhalten - sollte aber den Griff vorab auf richtigen Halt prüfen. Bei unserer Überquerung waren doch einige Steine recht locker. Schließlich meistert man diese knifflige Stelle mit Hilfe seitlicher grasiger Schrofentritten oder im Reitsitz über die geradenoch handbreite Gratschneide hinwegrobbend. An dieser exponierten Stelle direkt über dem Abgrund ist maximale Vorsicht geboten. Sollte man sich nicht für eine Überquerung überwinden können, was absolut keine Schande ist, bleibt immer noch der Rückweg über den Südgipfel zurück zur Zwerchwand und dann über den Schrofengürtel oder mit einer Geröllabfahrt in der zum Laufbachereckweg hinabziehenden Schotterhalde.
Boris beschreibt in seinem Laufbacher-Eck-Spezial eine Begegnung mit einem Bergwachtmitglied, welches von einem sich hin und her biegenden, schmalen Grasgrat, der nur noch gefährlich im Reitsitz überquert werden kann und von abgerutschten Pfadspuren erzählte, was gerne auf der Seite von Boris nachgelesen werden kann.
Der Schlussanstieg führt zunächst über ein paar Schrofen und dann über einen extrem ausgesetzten und schmaler Grasgrat zum Mittelgipfel hoch. Schon ein mulmiges Gefühl, wenn es wenige Zentimeter links und rechts nahezu senkrecht in die Tiefe geht.
scharfe Gipfelschneide des Rotkopes mit mehreren Gipfeln herrlicher Blick auf das markante Schneckmassiv und die im Vordergrund aufragende Zwerchwand felsiger und luftiger Gipfelaufschwung zu einem Gipfel des Rotkopfs steiler und ausgesetzter Verbindungsgrat zum nächsten Gipfel des Rotkopfes traumhafter Blick auf das ganze Schneckmassiv

Glücklich auf dem Mittelgipfel angekommen, machen wir es uns für die nächste Rast auf dem relativ breiten Grasrücken bequem. Wir haben einen herrlichen Blick auf die wild zerfurchte und steil ins Oytal abfallende Westflanke des Schneck. Von dieser Seite kommen die charakteristischen welligen Grasbuckel der Hohen Gänge voll zur Geltung. Von kaum einem anderen Ort wird man einen solch traumhaften Blick auf das komplette Schneckmassiv werfen können.
Bei einer leckeren Brotzeit beobachten wir das Geschehen in der direkt unter uns liegenden Bergwachthütte, wo zu dieser frühen Stunde auch einiges los war, wie der Blick durchs Fernglas zeigte. Über dem Bärgündeletal schauen wir auf die ebenfalls gut gefüllte Terasse des Prinz-Luitpold-Hauses - warscheinlich ohne dass uns jemand bemerkt *lach*. Der noch vor uns liegende Übergang zum Nordgipfel mit seiner nach Süden abbrechenden und auffällig roten Felswand verläuft weitgehend über den grasigen Kammrücken und lässt beruhigt nach vorne blicken. Wieder genießen wir für ein paar Minuten die Stille und die unglaubliche Aussicht auf fast alle bekannten Gipfel der Allgäuer Alpen. Immer wieder zieht es unsere Blicke auf die bizarre Form des Schneckmassives mit dem ins Oytal abfallenden Himmelhorn.
Bezug des Rastplatzes auf dem Rotkopf-Mittelgipfel vor prächtiger Kulisse weiterer Verlauf zum Rotkopf-Nordgipfel und das Laufbacher-Eck im Hintergrund Prinz-Luitpold-Haus durch das Fernglas immer wieder ein herrlicher Blick zum Schneck mit Himmelhorn rechts

Auch hier oben staunen wir über ein einziges Meer aus verschiedensten Blumen. Doch auch die schönsten Blumen können uns nicht am Aufbrechen zur letzten Etappe hindern. Über grasige Tritte gelangen wir flott hinab zu Grassattel und stehen schon bald direkt unterhalb des Nordgipfels. Die Besteigung erfolgt linkerhand auf deutlichen Trittspuren über gut gestufe grasigen Tritten ziemlich senkrecht zum Gipfel empor. Eine vom Gefühl her angedachte einfachere linksseitige Umgehung des ziemlich steil anmutenden Nordgipfels ist nicht möglich, da der Gipfelgrat einen Knick nach Süden macht, über den der weitere Abstieg erfolgt. Das sieht man aber erst, wenn man auf dem Nordgipfel angekommen ist *grins*. Über eine kleine schrofige absteigend erreichen wir den kleinen Vorgipfel, der sowohl linkerhand als auch rechterhand umgangen werden kann. Man folgt hier einfach den deutlichen Trittspuren und gelangt schließlich auf den Sattel zum Laufbachereck.
Hier treffen wir wieder auf die "Wartenden", die von hier aus ohne großen Zeitaufwand eine unschwere Besteigung zumindest des Nord- und Mittelgipfels in Angriff nehmen können. Wem das zu trotzdem noch zu luftig ist, kann uns gerne über den Grasrücken auf den Gipfel vom Laufbachereck folgen. Von hier oben hat man nochmal einen herrlichen Blick auf die Gipfel des Rotkopfs. Lang verweilen wollen wir aber nicht mehr und entschließen uns zunächst einige Meter über den Gratverlauf Richtung Lachenkopf abzusteigen. Dann queren wir über das Gras hinab auf den Laufbachereck weg, da eine Überschreitung zum Lachenkopf durch eine steil abbrechende Gratkante nicht möglich ist.
schönes Beispiel für das reichhaltige Blumenangebot grasiger Übergang vom Rotkopf-Mittelgipfel zum Nordgipfel Blick beim Aufstieg zum Laufbacher Eck (Gipfel) zurück auf den zum Laufbacher Eck (Sattel) herabziehenden Nordgipfel des Rotkopfes Mittel- und Nordgipfel des Rotkopfes beim Abstieg vom Laufbacher Eck zum Laufbacher-Eck-Weg
Am Sattel zum Lachenkopf angekommen, bestaunen wir nochmal den Blick auf die komplette Gratschneide vom Rotkopf mit allen drei Gipfeln bis hin zum ganzen Schneckmassiv. Unser Blick geht auch nochmal über das Oytal hinüber zur Höfats bevor wir auf der anderen Seite ins Obertal absteigen.
Blick auf die komplette Gratschneide vom Rotkopf mit allen drei Gipfeln bis hin zum ganzen Schneckmassiv


Die ersten Meter des weglosen Abstieges ins Obertal folgen wir noch einer deutlichen Trittspur, die sich aber bald in den vielen Rinnen und Furchen des Almbodens verliert oder einfach nicht mehr auszumachen ist. Es sind einfach schon zuviele Rindviecher hier oben rumgelaufen *lach*. Man hält sich aber einfach an den Bachlauf rechts der auffälligen Geländerippe - bei unserem Abstieg haben wir hier noch kleinere Schneefelder angetroffen. Mit einem letzten Blick auf Rotkopf und Schneck kehren wir unseren heutigen Gipfelzielen endgültig den Rücken zu und steigen in stetem Zickzack den Almboden hinab - immer dem optisch guten Weg folgend.
vorletzter Blick zurück auf den Schneck Abzweig vom Laufbacher-Eck-Weg ins Obertal letzter Blick auf den Schneck Rückblick beim Abstieg über den Almboden zum Lachenkopfsattel und dem Laufbacher Eck (links)

Nach einer knappen halben Stunde erreichen wir die Rottennhütte, auf der weder Senner noch Rindviecher anzutreffen waren. Also kein Grund hier groß zu verweilen. Nach einigem Rätseln über den weiteren Wegverlauf* folgen wir einem ausgetreten Pfad entlang des Viehunterstandes, auf dem deutliche Hufspuren zu sehen waren. Der weitere Abstieg führt anfangs über grasiges, dann zunehmend grasiges und dann fast mannshoch grasiges Gelände. Oftmals ist der genaue Verlauf des Weges nur zu erahnen - wir halten uns jedoch an die Hufspuren und finden so immer wieder den richtigen Einstieg. Hauptsache der Weg führt hinab zur bereits sichtbaren Plättele Alpe (*Anmerkung 20.07.08: Nach einem Hinweis von Alex ist in der DAV-Karte 2/1 tatsächlich ein Weg von der Rottenhütte zur Plättele-Alpe eingezeichnet).
Zuletzt kürzen wir den Abstieg über eine bewohnte Kuh-Weide ab und gelangen kurz darauf zur Plättele Alpe. Vom Lachenkopfsattel haben wir nun eine knappe Stunde für den Abstieg benötigt, der aber hier noch nicht zu Ende ist *schwitz.* Hier treffen wir auch auf zwei Pferde, deren Hufspuren uns hier herabgeführt haben - danke. Von der Plättele Alpe steigen wir hinab zu einer breiten Fahrstraße und laufen nur noch bergab...in der Sonne...bergab...bergab...kein Auto kommt vorbei...weiter bergab...bis wir nach ca. 45 Minuten Fahrstraße endlich am Giebelhaus ankommen. Keine Zeit für ein kühles Apfelschorle, denn noch lag die 10km lange Strecke bis nach Hinterstein vor uns. Schnell waren die unversehrten Räder aus ihrem Unterschlupf geholt und es ging richtig flott bergab. Juhuu!!
namenlose Alpe - tippen mal Obere Plättele Alpe weiter Abstieg durchs Obertal zur Plättele Alpe Rückblick zum Laufbacher Eck und Lachenkopf Alpe Plättele: der Abstieg ist fast geschafft

In nur 20 Minuten haben wir die Strecke vom Giebelhaus bis zum Parkplatz beim E-Werk Bruck zurückgelegt. Die Rückfahrt gestaltete sich relativ entspannt, zumal es nur bergab ging und wir unterwegs auch lediglich zwei Bussen (Busunternehmen Wechs) und vereinzelten Spaziergängern und Radfahrern begegnet sind. Normalerweise ist auf dieser Strecke alles unterwegs was annähernd laufen oder fahren kann *grins*.
Bleibt wieder mal festzuhalten, dass wir erneut eine traumhafte Tour im Herzen der Allgäuer Alpen erleben durften. Eine nicht alltägliche Tour, die aber durch die vielen Kombinationsmöglichkeiten für Jedermann interessant sein dürfte. Belohnt werden alle mit traumhaften Ausblicken auf die umliegenden Gipfel der Allgäuer Alpen - Hochvogel, Großer Wilder, Schneck und Höfats - um nur einige zu nennen. So, wir machen uns jetzt noch ans Zerlegen der Räder und dann wieder auf den Heimweg. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und hoffentlich bis zum nächsten Mal.
letzter Boxenstopp - wieder gut am Ausgangspunkt angekommen

(Mark, Oliver, 07/2007).
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Fazit:
Die Tour von Hinterstein zum Himmeleck zieht sich durch das wildromantische Bärgündeletal über das Giebelhaus bis zur Point-Hütte; je nach Route ist hier ein Fahrrad bis zum Giebelhaus oder auch bis zur Point-Hütte eine große Hilfe. Ab der Point-Hütte beginnt der anfangs noch mäßig steile Weg zum Himmeleck.
Die dann folgende Grattour hoch über dem viel begangenen Laufbacher-Eck-Weg ist landschaftlich und botanisch sehr lohnenswert, und trotzdem eine wenig gewählte Route. Der ausgesetzte Übergang vom Schneck-Vorgipfel auf den Hauptgipfel erfordert absolute Schwindelfreiheit und Kletterfertigkeit im 1. Grat.
Die optionale Überschreitung der Rotköpfe kann man als absoluten Höhepunkt der Tour bezeichnen. Egal in welche Richtung man schaut - man hat viele bekannte Namen der Allgäuer Alpen um sich versammelt, so z.B. die Höfats, Himmelhorn und Schneck mit dem Allgäuer Hauptkamm im Hintergrund gen Westen, Wildengruppe und Hochvogel Richtung Süden, sowie Richtung Norden bzw. Osten das Nebelhorn mit den Wengenköpfen (welche den Hinderlanger Klettersteig beheimaten) bis zum Großen Daumen und im Vordergrund das Laufbacher Eck mit dem Grat bis zum Giebel. Der Übergang vom Südgipfel des Rotkopfes auf den Mittelgipfel führt über eine extrem ausgesetzte Gratschneide; hier gilt ebenfalls wie beim Schneck absolute Schwindelfreiheit, sowie Kletterfertigkeit im II. Grat.
Alternativ kann der Rotkopf auf dem Laufbacher-Eck-Weg umgangen werden, um dann vom Laufbacher Eck wenigstens den Nordgipfel technisch unschwer in 10 min zu erreichen. Der weglose Abstieg führt vorbei an der Rothtennhütte über ein Steiglein zur Plättele Alp und ist technisch einfach. Eine geteerte Fahrstraße führt dann zurück zum Giebelhaus.

Eine Traumtour im Herzen der Allgäuer Alpen mit vielen Kombinationsmöglichkeiten - je nach den eigenen Fertigkeiten. Für Kinder ist allerdings nur die Besteigung des Schneck-Vorgipfels und die Begehung des Laufbacher-Eck-Wegs bedingt zu empfehlen.

Weitere Links und ausführliche Hinweise:
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Tipps
Parkmöglichkeiten:
Das Auto parkt man am besten auf dem günstigeren Parkplatz kurz vor dem Ortseingang von Hinterstein (E-Werk). Vom Parkplatz verkehrt auch ein Buspendelverkehr zum Giebelhaus.
beste Wanderzeit:
Bei einem schneereichen Winter relativ spät im Jahr begehbar. Vorher über die Verhältnisse vor Ort informieren, z.B. im Prinz-Luitpold-Haus. Ansonsten sehr schöne, teilweise einsame Tour bis in den Herbst hinein - solange es trocken und schneefrei bleibt.
VORSICHT!! Nässe:
Bei Nässe ist von der Tour abzuraten, da der weglose Teil hauptsächlich über Steilgras, mit teilweise sehr ausgesetzten Passagen, führt.
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Auswertung der GPS-Daten
Mit dem sog. GPS-Track kann u.a. mit Programmen wie Google Earth der Routenverlauf betrachtet werden. "Google Earth" verwendet das Dateiformat .kmz (=komprimiert) bzw. .kml. Öffnet man die KMZ-Datei bzw. KML-Datei in "Google Earth", wird man automatisch zu den in den Dateien gespeicherten Orten (Koordinaten) geleitet.

Schneck-Spezial-Tour als Höhen- und Streckenprofil
Route und Profil:
- Online: Online GPS-Viewer URL: http://www.wanderpfa.de/touren/Tour16/schneck.gpx
- GPS-Tracks: .kml / .gpx
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Übersicht
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