Alpensteinbock - Der Alpenkönig häufig zu beobachten im Gebiet der Schwarzen Milz

Kaum ein Wildtier des Hochgebirges hat in Sage, Aberglaube, Volksmedizin und Brauchtum über Jahrhunderte eine so große Rolle gespielt wie der Alpensteinbock. Seine Kraft, Anmut und das mächtige Gehörn hatten es den Menschen angetan und so war der Steinbock Ende des 17. Jahrhunderts in den ganzen Ostalpen durch Wilderei ausgerottet worden. Die letzten ihrer Art überlebten am Fuße des Gran Paradiso im Grenzgebiet zwischen Aosta und Piemont. Im Jahr 1856 wurden sie vom König von Savoyen unter Schutz gestellt. Die Population konnte sich erholen und heute noch findet man dort die größten und kapitalsten Böcke Europas.

Im Jahr 1958 erfolgte im Montafon und in den folgenden Jahrzehnten auch in anderen Landesteilen Österreichs (Aussetzen von Wildfängen) die Wiederansiedelung. Im Jahr 1998 wurde von der Vorarlberger Jägerschaft bei der Steinwilderhebung ein Bestand von mehr als 1000 Stück erhoben. Verteilt sind die Vorkommen über weite Teile Vorarlbergs, so im Bezirk Bludenz die Silvretta, Rätikon, Lechquellengebirge (größteund stärkste Kolonie Vorarlbergs), im Bezirk Bregenz der hintere Bregenzerwald und das Kleinwalsertal. Durch gezielte Schutzmaßnahmen trifft man in den Ostalpen wieder vermehrt auf Steinwild. Der Alpenkönig hat sein Reich zurückerobert. Steinwild ist sehr empfindlich gegenüber dem Überflug von Gleitschirmen. Bei Untersuchungen zeigten Steinböcke bei jedem herannahenden Gleitschirm Fluchtverhalten. Dies ist bei Segelfliegern, Ultraleichtflugzeugen und sogar bei Kampfflugzeugen während Übungsflügen nicht so ausgeprägt zu beobachten. Die genauen Gründe für die starke Reaktion auf Gleitschirme sind jedoch nicht bekannt.


Der Steinbock ist ein kraftvolles Tier, das eine Schulterhöhe von 1 m und ein Gewicht bis 100 kg erreichen kann. Seine mächtigen Hörner können bis zu 1 m lang und bis zu 15 kg schwer sein. Die Geißen sind kleiner als die Böcke und haben nur ca. 30 cm lange Hörner. Die tiefgespaltenen Hufe der stämmigen Beine mit den gummiartigen Zehenballen und scharfen Schalenrändern verleihen den Tieren eine außerordentliche Kletterfähigkeit. Das Steinwild bildet Rudel von verschiedener Stärke, zu denen sich die alten Böcke jedoch nur während der Paarungszeit gesellen. Wie die Gemsen weiden auch die Steinböcke des Nachts in den höchsten Wäldern, im Sommer jedoch niemals weiter als eine Viertelstunde unter der Spitze einer freien Höhe. Mit Sonnenaufgang beginnen sie weidend aufwärts zu klettern und lagern sich endlich an den wärmsten und höchsten, nach Osten oder Süden gelegenen Plätzen. Bei ihren Weidegängen halten sie nicht nur ihre Wechsel ein, sondern lagern auch regelmäßig an bestimmten Stellen, am liebsten auf Felsvorsprüngen, die ihnen den Rücken decken und freie Umschau gewähren. Jede Bewegung des Steinwildes ist rasch, kräftig und dabei doch leicht. Der Steinbock läuft schnell und anhaltend, klettert mit bewunderungswürdiger Leichtigkeit und zieht mit geradezu unverständlicher Sicherheit und Schnelligkeit an Felswänden hin, wo nur er Fuß fassen kann. Eine Unebenheit der Wand, die das menschliche Auge selbst in der Nähe kaum wahrnimmt, genügt ihm, sicheren Halt zu finden; eine Felsspalte, ein kleines Loch usw. werden für ihn zu Stufen wie bei einer Treppe. Die Stimme des Steinbocks ähnelt dem Pfeiffen der Gemse, ist aber gedehnter. Erschreckt, lässt er ein kurzes Niesen, erzürnt, ein geräuschvolles Blasen durch die Nasenlöcher vernehmen; in der Jugend meckert er.

Nach Art der Ziegen gefällt er sich in der Jugend in neckischen und selbst im Alter in mutwilligen Streichen, tritt aber immer selbstbewusst auf und bekundet Erforderlicherweise hohen Mut, Rauf- und Kampflust, welche ihm keineswegs schlecht ansteht. Gefährlichen Tieren weicht er aus, schwächere behandelt er übermütig oder beachtet sie kaum. Mit den Gemsen will er nichts zu tun haben und hält sich, unbedrängt, fern von ihnen; Hausziegen dagegen sucht er gelegentlich auf und paart sich auch freiwillig mit ihnen. Die Brunft beginnt im November und reicht bis in den Januar hinein. Nach ca. 23 Wochen wird 1, selten 2 Kitze gesetzt.Die Ernährung besteht hauptsächlich aus Kräutern, Knospen, Latschen und Weichhölzern. Im Winter auch aus Flechten und Halmen. Der Wasserbedarf wird dann durch Aufnahme von Schnee gedeckt. Steinwild hat ausgesprochen gute Sinne und ist ein ausgezeichneter Kletterer. Allein dies war schon ein Grund für seine Bedrohung. Steinwild lässt seine Feinde sehr nahe kommen, in der Gewissheit sich mit 2-3 Sprüngen sofort in Sicherheit zu begeben.

Beide Geschlechter tragen auf starken Stirnzapfen ihre Gehörne. Das vier Wochen alte Junge ("Kitz") bildet bereits Hornzapfen aus. Nach 2 Monaten sind sie bereits ca. 3 cm lang. Bei Böcken werden sie bis zu 1 m lang, bei Geißen bis ca. 30 cm. Der Querschnitt des Bockhorns ist dreieckig, der der Geiß meist oval. Der Körper des Steinbocks ist gedrungen. Das Fell ("Decke") ist im Sommer braungrau bis rötlichgrau, im Winter gelblich-braungrau mit weißlicher Unterwolle. Daher wird der Steinbock auch mancherorts als "Fahlwild" bezeichnet. Steinböcke werden ca. 15 bis 18 Jahre alt, und ihr Horn kann einen Meter lang werden. Das Alter kann an den Schmuckwülsten am Horn ermittelt werden; es werden in der Regel zwei solche Wülste pro Jahr gebildet. Nach dem zehnten Jahr nimmt das Wachstum der Hörner stark ab. Das Körpergewicht beträgt beim Bock bis zu 100 kg, bei der Geiß etwa die Hälfte.



An den atemberaubend steilen Grasbergen blüht noch das Edelweiß und in den Felswänden haben die Steinböcke, die vor Jahrhunderten vom Mensch ausgerottet wurden, wieder einen idealen Lebensraum gefunden. Einen Sommer lang hat der Bergfilmer Gerhard Baur eine Steinbockherde auf den höchsten Gipfeln des Allgäuer Hauptkammes beobachtet. Ein stürmischer, gefährlicher Lebensraum, in dem Tiere und Pflanzen faszinierende Überlebensstrategien entwickelt haben.