Leider daneben...

...Diese Volksweisheit hat einen realen Hintergrund:
Im bäuerlichen Leben war es Brauch, tagsüber einen Krug Milch an einen warmen Platz zu stellen. Abends wurde sie dann als Dickmilch zum Brot gegessen. Da es im Sommer meist am Nachmittag zu Gewittern kommt, hat man wohl bemerkt, daß die Milch an diesen Tagen besonders gut dick wird, erläutert Gerhard Kielwein, ehemals Professor für Hygiene und Technologie der Milch aus Gießen.
Vor einem Gewitter ist die Luft oft sehr feucht und warm. Das sind günstige Bedingungen für Milchsäurebakterien, die in der Milch vorhanden sind. Sie wandeln Milchzucker in Milchsäure um, wenn die Milch nicht gekühlt wird. Die saure Milch gerinnt. Allerdings wird nur unbehandelte Milch sauer. Heute wird Milch aber meist pasteurisiert oder ultrahocherhitzt, damit sie länger haltbar ist. Dabei werden nicht nur eventuell krankmachende Bakterien, sondern auch die Milchsäurebakterien weitgehend abgetötet.
Ergo: Mit Wettergrößen wie Luftdruck, Temperatur und Feuchtigkeit kann der Vorgang daher nicht viel zu tun haben. Milch und Sahne werden bei schwüler Gewitterstimmung nicht schneller sauer als sonst auch. Nichts ist mit irgendwie elektrisch aufgeladenen Teilchen in der Luft, die unsere Milch kippen lassen. Es sind ganz einfach die hohen Temperaturen, wie sie nun mal auch vor einem Gewitter üblich sind. Denn im Sommer reicht es schon, die Milch nur kurze Zeit auf dem Kaffeetisch stehen zu lassen oder ungekühlt vom Supermarkt nach Hause zu bringen. Wenn die Milch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum sauer wird, dann ist sie vielleicht bereits bei der Anlieferung zum Supermarkt nicht sofort ins Kühlhaus gebracht worden, sondern stand noch vorm Lager rum.