Die Trettachspitze an der Mädelegabel
von und mit Hermann von Barth (29. Juli 1869) veröffentlicht im Werk "Aus den Nördlichen Kalkalpen"


Einödsbach mit Blick auf Mädelegabelgruppe mit Trettachspitze (Allgäuer Alpen) ca. 1960Wenn eine Spitze unbesteigbar ist, so muss es diese sein! – so möchte wohl ein Jeder ausrufen, der vom Mädelejoch der Südseite des Kratzer entlang dem Gipfel der Mädelegabel zuwandert und auf dem Höhenrande der Schwarzen Milz [1] urplötzlich des Obelisken [2] ansichtig wird, der als Vorposten der centralen Gebirgsmasse auf dem Scheidekamme zwischen Trettach und Einödsbach thront. Mag er als gewiegterer Kenner der Berge noch Zweifel hegen an der reellen Wahrheit dieser Gipfelgestalt, mag er sie sich betrachten von Süden, Westen oder Norden – immer der gleiche, abgerissene, isolirte, schlanke Bau; bald Säule und bald schiefes Horn, einem aufgereckten Riesenfinger gleich gen Himmel weisend; – im günstigsten Falle ein aufgekrümmter, zuckerhutartiger Kegel. Herausfordernd einen Jeden, in dessen Adern etwas Gemsenblut rollt, von allen Seiten drohend, unangreifbar ihn zurückweisend – so rechtfertig die Trettachspitze, wo immer man sie beschauen mag, jenes erstgefällte Urtheil: Wenn eine Spitze unbesteigbar ist, so muss es diese sein!

Aber die Neuzeit macht, wie auf jedem Gebiete, so auch auf dem des Bergsteigens ihre gewaltigen, unaufhaltsamen Fortschritte. Geradezu staunen muss man, liesst man in älteren Werken und Schriften Bergersteigungen als entsetzlich schwierig und gefährlich geschildert, die heutzutage als kinderleicht und für den grossen Touristenschwarm so recht eigentlich gemacht gelten; dagegen fallen Jahr für Jahr stolze Gipfel, die allen früheren Generationen einen unbesiegbaren Trotz boten. Auch die Jungfräulichkeit der Trettachspitze ist längst dahin, sie ist entschwunden zu einer Zeit, wo der Alpenbesuch noch in den Kinderschuhen steckte, wo kaum anderwärts eine Spitze von so gefährlichem Ansehen wäre angegriffen worden.

Nicht ein fremder Alpensteiger, der einen Namen sich geschaffen oder den er bereits besaß, mit neuem Glanze zu umgeben strebte, hat in den Quellenthälern der Iller die Werbetrommel gerührt nach den verwegensten Söhnen des Gebirges und hat mir schwerem Aufwande an Zeit und Geld endlich sein Ziel erreicht – schlichte Hirten selbst sind es, welche begehrend ihre Blicke nach der scharfgespitzten Zinne emporrichteten, und, als die Gemsen ihnen den Weg dorthin gezeigt, ihren Spuren folgend die luftige Warte betraten. Sennen und Wildheuer waren lange Jahre hindurch die Einzigen, welche das einmal gelungene Wagstück nachahmten. Scheint es doch, als ob die gesteigerte Intelligenz des Algäuers, die allerdings zunächst in Bezug auf sein materielles Wohl sich geltend macht und eifriger mit dem Düngerwagen und Drainirpfluge [3] , als mit dem Kreuzgange die Felder durchzieht, auch einen höheren Sinne für die ihn umgebende Natur in sich schliesse; welchem Tiroler oder Altbayer wäre es eingefallen, mit einer kühnen Felsenspitze in gefahrdrohender Weise sich zu schaffen machen, bloss deswegen, weil sie Jahr ein, Jahr aus ihm zum Fenster hereinschaut. Weiss er doch oft nicht einmal ihren Namen, beantwortet die Frage nach demselben mit dem lakonischen Ausspruche "da geht kein Vieh mehr hin." Ganz richtig! – Die eingeborene Bevölkerung geht da nicht hin.
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Die Trettachspitze hat ihre Geschichte, wie ihre Sage. Das Historische ist Folgendes: die Brüder Jochum, deren Anwesen in der Birgsau liegt und zum grössten Theil in Bergwiesen besteht, deren Heu auf Steigeisen gemäht und auf den Schultern herabgetragen werden muss, waren die ersten, welche, im Jahre 1855, die Trettachspitze betraten. Einer derselben beobachtete eines Nachmittags ein Rudel Gemsen, das die schlanke Dolomitsäule hinaufsprang und bis auf den Gipfel derselben gelangte. Er begann sogleich auf der vorgezeichneten Spur nachzuklettern und kam bis etwa zur halben Höhe der Spitze; anfallender Nebel verhinderte ihn an der völligen Ausführung. Andern Tages unternahmen die drei Brüder gemeinsam die Ersteigung und erreichten auch glücklich den Gipfel [4].
Baptist Schraudolph von Einödsbach, ein naher Verwandter der Jochum, bewerkstelligte wenige Tage später die zweite Ersteigung und pflanzte die hohe Kreuzstange [5] auf dem Gipfel auf, die viele Jahre lang dort Wind und Wettern Trotz geboten hat. Eine dritte Ersteigung erfolgte noch im Herbste des nämlichen Jahres, abermals von Baptist Schraudolph und einer Schwester der Jochum und wurde ebenfalls glücklich zu Ende geführt.

In der Folgezeit versuchten sich noch einige Sennen der benachbaren Alpen, als verwegener Steiger und Wildheuer bekannt, an der Trettachspitze; unter denen, welche auf dieselbe gelangten, nannte Schraudolph mir zwei Brüder Dannheimer. Anfangs der Sechziger Jahre rühmte sich ein aus der Schweiz gebürtiger, auf den Alpen des Taufersbergs (am Fusse der Schafalpenköpfe im Rappenalpenthale) verdingter Senne dem Schraudolph gegenüber, auch er sei auf der Trettachspitze gewesen. Dies veranlaßte den letzteren zu einer dritten Ersteigung, und der Befund bewahrheitete die Aussage des Schweizers, es zeigten sich frische Einschnitte an der Kreuzstange. Es mögen sohin bis zum Jahre 1869 etwa 8-10 Personen auf der Trettachspitze gewesen sein; ich kann in Bezug auf dieselbe jendes Prädikat in Anspruch nehmen, welches als herzstärkendes Mittel für die alpenruhmsdürstende Menschheit in so genialer Weise von der Neuzeit erfunden worden: das einer "ersten touristischen Ersteigung."

Diess ist das Geschichtliche über die Trettachspitze. Man erzählt wohl auch, die ersten Ersteiger hätten auf ihrem Gipfel die Gerippe und die verrosteten Büchsen von Wilderern aufgefunden, die früher ihn erklommen und vom Unwetter überrascht, nicht mehr herunter gekonnt; diese Erzählung entbehrt jeder wahrheitsgemäßen Grundlage. Ebenso gehört die gewöhnliche Schilderung der ersten Ersteigung, dass die Schwester der Jochum an dieser theilgenommen, dass die Gesellschaft von den auf dem Gipfel weilenden Gemsen überrannt worden sei, dem Gebiete der Sage an; man wird unschwer die geschichtlich wahren Momente ersehen, aus welchen dieser sagenhafte Bericht sich zusammenkrystallisirte.
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Wildes Männle um ca. 1950 Dem Hauptkamme der Algäuer Alpen, welcher vom Biberkopfe über die Rappenköpfe und das Wild-Männle [6] zum Doppelgipfel der Mädelegabel, dann weiter über den Kratzer und das Mädelejoch zu den Krotenköpfen ("Krottenspitzen" 2.553m - Krottenspitzgruppe) zieht, gehört die Trettachspitze nicht an; sie steht, dem nordöstlichen (gemeiniglich bestiegenen) Gipfel der Mädelegabel hart gegenüber, bereits auf dem Seitengrat, der weit gegen Norden hinausziehend die Thäler der Stillach und der Trettach von einander scheidet und mit dem pyramidalen Himmelschrofen (5284' 1716 m. Sendtner) in die Oberstdorfer Thalebene abfällt. Die rauhen Dolomitzacken, welche thaleinwärts bis zum Hinteren Himmelschrofen (5772' 1875 m. Sendtner) sich erheben, machen eine weitere Strecke vor Anschluss dieses Kammes an das Centralmassiv der Mädelegabel den begrünten, geradlinigen Bergrücken mit steilabdachenden Seitenflächen Platz, welche aus den Schiefern des oberen Algäu-Lias (Algäuschiefer) aufgebaut, dem Algäuer Gebirg sein charakteristisches Gepräge verleihen. Ueber den Rücken des Einödsberges (5695' 1850 m. Sendtner) streicht die Kammlinie gegen Süden zum Spätengund- oder Einödsbergkopfe (6193' 2012 m. Sendtner), welcher weniger einen Gipfel, als eine vortretende Ecke des um eine starke Stufe höher gehobenen Grates darstellt. Den letzteren krönt nun bald wieder Dolomitfels, zerborstene Zacken reiben in wachsender Höhe sich aneinander, die Wildengundköpfe, auf deren höchsten sich die von Sendtner unter "Wildegundkopf" angeführte Messung 6930' 2251 m beziehen mag; doch erscheinen diese Spitzen wie Zwerge nur gegen den Riesen, der ihre Reihe schliesst. In einem Aufschwunge gewinnt die Trettachspitze die Höhe von 7956' 2584 m. Sendtner, stürzt auf der Gegenseite fast ebenso tief, als ihr Nordfuss gelegen, zu enger Scharte senkrecht ab und schliesst an die nordöstliche Mädelegabelspitze (8124' 2639 m. Grenzk.) des Centralkammes an. Sie beherrscht die innersten Schluchtenwinkel der beiden Thäler, welche der Klamm des Himmelschrofen von einander scheidet: die Wilden Gräben mit dem Firnstreif der Hohen Trettach im Osten, das Bacherloch [7] und die Schneeflucht im Westen.

Die relative Höhe der Felsspitze, wie sie auf dem Grate und in dem letzten kleinen Kare auf der Westseite des letzteren fusst, darf auf ca. 1000' (ca. 300 m) angeschlagen werden. Der Grundzug ihres Baues ist der eines gegen Süden vorgeneigten Obelisken; als abgehackte, in zwei gewaltigen Wandstufen niederstürzende Säule erscheint sie von Süden, vom Gipfel der Mädelegabel aus gesehen; als gekrümmter Finger von Westen; als spitzes, rechtwinkeliges Dreieck, dessen Hypotenuse [8] mit der Basis einen Winkel von ca. 60° bildet, von Osten; vom Rande der Schwarzen Milz und des Trettachferners herüber; als ziemlich regelmässiger Zuckerhut endlich vom Norden. In dieser Gestalt würde sich sich denn auch dem Illerthale und dem flachen Lande zeigen, wenn nicht der breite Hintergrund der nordöstlichen Mädelegabelspitze, an welche sie sich anlehnt, es verhinderte, dass sie, selbst mit gut bewaffnetem Auge, unterschieden werden könne. Nur wenn zertheilte Wolkenschichten zwischen den Gipfeln des Hochgebirges hin- und herziehen, lässt wohl ein Augenblick sich erhaschen, wo die Trettachspitze am Wolkenhintergrunde, von ihrer Nachbarin getrennt, sich abzeichnet. Um so imponirender erscheint sie den Thälern an ihrem Fusse – der Spielmannsau, deren Hintergrund sie ganz allein beherrscht, und der Birgsau, welcher sie im Reigen der drei Mädelegabelspitzen als ebenbürtige Genossin derselben, ja beinahe als die Gebietende unter ihnen sich zeigt.
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litografisches Vertikalprofil der Trettachspitze nach Original-Skizzen von Hermann von Barth Wohl auf mich mochte die Trettachspitze warten, sollte sie einmal von einem Kinde der Ebene betreten werden; und mochte in Sonthofener Kreisen auch noch so Entsetzliches von der Trettachspitze erzählt, ihre Ersteigung als noch so tolles Wagstück verurtheilt werden, – der Entschluss stand nun einmal unwiderruflich fest. Zunächst galt es, die früheren Ersteiger dieser Spitze ausfindig zu machen – mir war damals nur von der ersten Ersteigung durch die Jochum's etwas bekannt – im Algäu aber einen "Jochum" suchen, will viel heissen.

Ich spazierte denn eines Abends über Oberstdorf in die Birgsau hinein, erfrug daselbst ein Anwesen, welches einer Familie Jochum gehört und erkundigte mich dort, ob sie die Ersteiger der Trettachspitze unter ihre Glieder zähle. Die Antwort lautete insoweit befriedigend, als ich in der That an die rechte Quelle gekommen war; aber die Leute selbst, die ich brauchte, bekam ich nicht zu sehen, sie waren, wie zur Sommerszeit ganz Algäu, bei der Heuernte auf dem Gebirge beschäftigt. Man gab mir den Rath, nach Einödsbach hinaufzusteigen, dort werde ich einen oder den anderen der Jochum's oder Schraudolph's treffen und weitere Auskunft erhalten. Ich wanderte weiter, den Bergpfad hinauf; tief bleibt die Talsohle zur Rechten; durch eine schauerlich enge Klamm, die Bacherzwing, brechen die Gewässer des Rappenalpenthales und des Bacher Lochs vereinigt hervor. Bevor der Weg auf die Terrassenstufe von Einödsbach hervortritt, zeigt sich rechts desselben eine, zwischen mächtige Buchenstämme eingezimmerte Kanzel, von welcher man in den tobenden Abgrund hinunterblicken kann. Heutzutage ist die Kanzel wieder in diesem Stande hergestellt, damals aber lag sie, von den Schneemassen des Winters erdrückt, in Trümmern, nur die beiden äussern Balken ihres Bodens waren übrig geblieben. Da brauchte es einen schwindelfreien Kopf, wollte man die Bacherzwing zu sehen bekommen, und nie verfehlte ich, im Vorübergehen den kleinen Abstecher da hinaus zu machen; nicht ohne ein gewisses boshaftes Vergnügen, den bequemen Apparat für den befrackten und bekrinolinten [9] Touristenschwarm zersplittert zu sehen und den Genuss des wildgrossartigen Naturschauspiels auf jene beschränkt zu wissen, die seinen Anblick ohne Balken-Barriere zu ertragen vermögen.

Spielmannsau mit Blick auf die Trettachspitze Bei Sonnenuntergang erreichte ich Einödsbach, den höchstgelegenen, ständig bewöhnten Ort Algäus (3516' 1142 m. Sendtner). An der schmalen, grünen Bergstufe liegen die braunen Holzhäuschen traulich beisammen, eine Kapelle dabei, welche ihren Glockenklang in's Thal hinunter sendet zum Abendsegen, und Sturm läutet, wenn die "Lahn" [10] einen Heuer oder Holzarbeiter begraben hat. Tief und düster öffnet gegen Südosten sich das Bacher Loch, in lichter Höhe über den Bergweiden ragen die kahlen, zackigen Wände empor, die breite Doppelpyramide der Mädelegabel, die Trettachspitze, hier eine nadelscharf gespitzte Zinne. Im Westen spreitet dunkelgrau der Griesgundkopf seine buschbehangenen Wände in's Thal, gen Norden öffnet sich, die grünen Flanken des Einödsbergs und der Walser Berge entlang, der Ausblick in die Illerebene, im Südwesten grenzt die Kammlinie des Schrofenpasses an den lichten Abendhimmel, an welchem ein hohes Felsenhaupt des Thammberges, wahrscheinlich die Mohnenfluh ("Mohnenfluh/Vorarlberg" 2.544m), sich abzeichnet. Die scheidende Sonne erhellte eben noch die Mauerkronen des Bacher Lochs, tiefe Schattenstreifen in dieser Beleuchtung liessen jedoch darauf schliessen, dass der Westhimmel keineswegs so rein und wolkenfrei sei, wie jene Lücke über dem Schrofenpass zu hoffen gab.

Die Heuer kehrten von ihrer Tagesarbeit zurück, einer hinter dem anderen auf dem engen Pfade am jähen Berggehänge, hoch über dem brausenden Einödsbach. Tief gebückt gingen sie unter der Bürde Heu, die centnerschwer, in Gestalt eines viereckigen Ballens, auf Schultern und Kopf ihnen lastete und das Gesicht verhing, dass eben noch die Augen unter dem Fransenschleier hervorblickten. Ich fragte den ersten derselben, ob er Jochum heisse und auf der Trettachspitze gewesen sei. Auf Beides erfolgte bejahende Antwort; er erklärte sich gerne bereit, mich auf die Trettachspitze zu führen – zu meiner grossen Verwunderung, ohne sich auch nur um die persönlichen Fähigkeiten und Antecedentien [11] desjenigen zu bekümmern, mit dem er eine solche Tour unternehmen wollte; ja, er bemerkte sogar, dass er schon öfters Herren auf die Trettachspitze geleitet habe. Das war mir zu rund. Auf näheres Befragen ergab sich denn auch, dass er unter der Trettachspitze die Mädelegabel selbst verstehe, und dass die eigentliche Trettachspitze im Einödsthale den Namen Geiskopf (spr. Giiskopf) führe. – "Ja, der Giiskopf, das ist freilich etwas anderes" der ist "hoch" (d.i. steil)." – Er wies mich an seinen Hintermann, den Baptist Schraudolph, eine ntersetzte, sehnige Gestalt, mit rothem Barte und hellen, blauen Augen. Ich trug mein Anliegen unter der richtigen Rubrik "Giiskopf" vor. Er meinte, wir wollten das erst besprechen, da hinauf zu steigen, sei noch nie einem "Herrn" eingefallen. Nachdem er sein Heu abgeladen, lud er mich ein, in's Haus zu treten, welches auf der äussersten Südwestecke der Einödsbacher Thalterrasse steht. Dort begrüsste uns ein munteres Weib mit ein paar frischen, gesunden Jungen. Ueberall Ordnung und Sauberkeit; Alles zeugte von einem gewissen, durch Fleiss und Intelligenz erworbenen Wohlstande, und weniger, als in anderen dergleichen Fällen, mochte es hier Wunder nehmen, dass einer Bauernfamilie ein hochberühmter Mann, wie Professor Schraudolph, entsprossen sei. – Ein naher Verwandter, wenn ich nicht irre, ein Neffe von ihm, war es, der mich auf die Trettachspitze geleiten sollte.

Während Schmarrn und harte Eier zum Abendmahle bereitet wurden, besprach ich mich mit Baptist Schraudolph; er mochte aus meinen Reden entnehmen, dass ich mich bezüglich der Schwierigkeit des Unternehmens in keinen Illusionen bewege, und dass die Bergtouren, die ich früher bereits in Ausführung gebracht, mich dazu als fähig erscheinen liessen. Ich erhielt von ihm die Notizen über die Geschichte der Trettachspitze, wie ich sie angeführt, über seine drei vorhergegangenen Ersteigungen, denen er am kommenden Morgen mit mir eine vierte hinzuzufügen gedachte. Bald nach dem Abendessen legten wir uns zur Ruhe; ein reinliches Bett, freilich aus Laubsäcken aufgerichtet, versprach bessere nächtliche Stärkung als das Heulager der Alpen. Unter meinen Fenstern schäumte der Einödsbach durch seine Enge. In sein Rauschen mischten sich bald heulende Windstösse; je öfter ich vom Bette aufsprang und in's Freie hinausblickte, um so schwärzer zeigte der Himmel sich umwölkt, spärlicher jedesmal die monderhellten Stellen. – Tiefgrau brach der Morgen an, die Wolken hingen dick über den Bergen, zähe Nebelstreifen schlichen durch die Thäler und Schluchten hinauf. Kein Trettachspitzwetter! "Aber ein Wetter zum Weinholen", meinte Baptist, packte die Kraxe [12] mit dem Fässchen auf und wanderte dem Rappenalpenthale zu, über den Schrofenpass in's Oesterreichische zu gehen; ich nach Sonthofen zurück – ein andermal! – –
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Wenige Tage später aber – es war der 28. Juli 1869 – lachte wieder die Sonne, meine Begierde, mit der Trettachspitze anzubinden, liess sich nicht länger mehr zügeln, in knapp 4 Stunden hatte ich die ganze Thalstrecke von Sonthofen bis Einödsbach zurückgelegt. Bei Birgsau begegnete ich einem Wagen mit fröhlicher Jagdgesellschaft, Bekannte aus Sonthofen; ein paar erlegte Gemsen strecken die scharfen Krickeln [13] unter der Wagendecke hervor. "Morgen wird der Hals gebrochen!" rief ich übermütig ihnen nach. Um 8 Uhr war ich am Bestimmungsorte, wo ich Baptist Schraudolph wieder antraf. Die Vorbereitungen zur morgigen Ersteigung waren bald getroffen, das Abendbrod verzehrt und unter günstigeren Auspicien [14] , als das erstemal, suchte ich mein Nachtlager auf.

Um 3 Uhr Morgens weckte Baptist; es war noch tief dunkel, die Sterne funkelten über den schwarzen Hörnern der Mädelegabel. Noch stärkten wir uns an einer Milchsuppe und packten dann die Bergsäcke auf; Baptist fügte dem sonstigen Steig-Apparate noch ein tüchtiges Heuseil hinzu, zum Gebrauche an den gefährlichen Stellen. Ich liess ihn gewähren, immerhin fest entschlossen, unter keinen Umständen dieses Hülftsmittels mich zu bedienen, das an steiler Wand nie einen anderen, als einen moralischen Halt gewähren könnte. Fällt Einer, so ist's an dem Einen gerade genug.

Mit herzlichem Abschiedsgrusse an Schraudolph's Weib, veliess ich das gastliche Dach; "Gebt wohl Obacht!" rief sie beim Scheiden uns nach, und es klang wohl etwas wie ängstliche Besorgniss durch ihre Worte. Mit starken Schritten wanderten wir den schmalen Pfad am Thalgehänge entlang, unter uns der dumpf brausende Einödsbach. Etwa 10 Minuten vom Hause entfernt bogen wir um eine vortretende Bergecke und begannen links gewendet den Aufstieg. Die Geröllschütte, welche den einspringenden Winkel des Bergfusses ausfüllt, und welche nach der Höhe rasch zu einer schmäleren Rinne sich zusammenzieht, wurde überquert und ein engerer Zickzackpfad, im Dunkel der Tannen oft kaum wahrnehmbar, leitete uns zur ersten Terrassenhöhe. Hier lichtet sich der Wald, auf leicht geneigtem Grasboden zeigten sich ein paar niedrige Heustadel. Schraudolph öffnete die Thüre des einen, in welchem zwei Heuarbeiter noch der nächtlichen Ruhe pflegten. Sein Weckruf "Ich gehe mit einem Herrn auf den Giiskopf" wurde nicht ohne Verwunderung, jedoch mit dem dem Algäuer eigenthümlichen Phlegma [15] aufgenommen. Wir stiegen weiter.
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Ziemlich geradlinig ging's nunmehr die grüne Bergflanke hinan, der Grathöhe zu. Das lichte Buschwerk, welches sie bedeckt, schwand mehr und mehr und mit ihm der Steig, der überflüssig zu werden anfing. Der Tag war heraufgezogen und scharf zeichneten die abschreckenden Felsgestalten des Bacher Lochs am Morgenhimmel sich ab. Tiefes Düster brütete noch in einem eisigen Grunde. Zur Linken hatten wir eine flache, grüne Thalmulde, in welcher die Untere Einödsbergalpe liegt, zur Rechten grenzte das Wiesenterrain an tiefe, zertheilte Schluchten, die in den Einödsbach hinunter münden; ein Zaun begleitet die Grenze des Absturzes, zum Schutze für das weidende Vieh. Die vor uns sichtbare Höhengrenze wechselte fortwährend, je nach der grösseren oder geringeren Steigung des Berghanges, und der anfangs nahe geglaubte Gratscheitel wich fühlbar vor unseren Schritten zurück.

Hoch oben, auf grünem Bergvorsprunge zeigten sich die kleinen Hütten der oberen Einödsbergalpe, eine flache Längswelle der Abdachung hinan schlängelten sich die Spuren unseres Pfades, um an dem erreichten Ziele eine neue, einförmige Grasfläche dem Blicke zu öffnen. Abermals eine lange Strecke aufwärts, nach dem Höhenrande, der an den Himmel angrenzt, und welcher diesmal wirklich als der Gratscheitel sich erwies (Spätengundrücken, 5695' 1850 m. Sendtner); reicht begrünt zieht der Kamm gegen Norden, wo die rauhen Dolomitmassen des Himmelschrofen ihm entsteigen; geradlinig streckt er gegen Süden sich empor zum Spätengundkopf, über die Wildgundköpfe und die Trettachspitze den Anschluss an die Mädelegabel zu gewinnen. Ostwärts senken sich üppige Weiden zur Untermädelealpe und in's Thal von Spielmannsau hinab, und jenseits dieser Tiefe baut das Quellengebiet der Trettach aus grünen, scharfgezeichneten Gebirgen und kahlen, weissgrauen Felskolossen, von tiefen Thalschluchten durchfurcht, in anmuthig-grossartigem Wechsel sich zusammen.
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1 1/2 Stunden waren wir von Einödsbach unterwegs; eine starke halbe Stunde noch erforderte die Ersteigung des Spätengundkopfs (6193' 2012 m. Sendtner), dessen geradflächige Böschung vor uns im Süden sich empor hob und jeden Ausblick in dieser Richtung verwehrte. Das plattige, lehmverkittete Schuttgehänge hinan, leiteten uns noch Spuren eines Pfades; auf der Scheitelhöhe zeigte sich wieder Gras, wir liessen den eigentlichen Culminationspunkt [16] zur Linken und nahmen unseren Uebergang über einen flach eingedrückten Sattel. Erwartungsvoll, gespannt, betrat ich die Höhe; wohl erwartete ich nun in Angesicht dem wilden Gegner gegenüber zu stehen. Und nicht hatte ich mich getäuscht: da fusste sie auf dem Grat, riesengross, wie ich noch niemals sie gesehen, ein jäher Rundkegel, das starre Haupt mit überhängender Stufe gen Osten geneigt; mauerglatt der ganze Bau – nicht eine Fingerspitze scheint Halt gewinnen zu können an solchen Felsen. Zu Füssen liegt ein ödes, hügeliges, schutterfülltes Kar, so ausgedehnt, wie ich in dieser Gegend eines zu finden nimmermehr vermuthet hätte; ein paar hundert Fuss tiefer bricht es ab und seine Rinnsale schnüren sich ein zu den klüftigen Seitengräben des Bacher Lochs; seinen Ostrand bilden die Wildengundköpfe. Hoch streckt der Firn des obersten Kessels sich hinauf bis unter die Wände der Trettachspitze; sein Glanz ist es, der allein sie dem Flachlande, dem nahen Illerthale, erkennbar macht, man glaubt dort diesen Schnee am nordöstlichen Mädelegabel-Gipfel suchen zu müssen. Und er auch sollte unsere Schritte bis zu grösstmöglicher Höhe dem Felsenhaupte entgegentragen.

Auch gegen Norden wie gegen Osten, auf das Trettachthal und seine Gebirge hat der Ausblick beträchtlich sich erweitert. Jedem, der mit grösseren Gipfelbesteigungen nicht gerne sich befasst und gleichwohl einen tiefen Blick in die ernste Gebirgswelt an der Wiege des Illerflusses zu thun wünscht, wäre der Besuch des Spätengundkopfes, verbunden mit dem Uebergange von Einödsbach nach Spielsmannsau oder umgekehrt, auf's Wärmste zu empfehlen.

Unser Weg ging nach kurzem Aufenthalte weiter, geradlinig auf den Fuss der Trettachspitze zu. Die ausgeschartete Gratschneide links lassend, überquerten wir die felsige Gebirgsflanke an gut gangbaren Grasbändern und Schrofengesimsen, durchsetzten einige kleinere, eingelagerte Trümmermulden und gelangten nach einer Viertelstunde in's grosse, innerste Kar. Zur Linken standen uns die theilweise abenteuerlich geformten Spitzzacken der Wildengundköpfe, deren spärliche Grasplätze zwischen den Schrofenriffen Schafheerden kärgliche Nahrung geben; auch von der rechten Seite herüber, vom nordwestlichen Fusse der Trettachspitze sich ablösend, zieht eine Reihe scharfgezahnter Klippen aus und schliesst nahezu völlig den weiten, felsenkahlen Kessel, in dessen Trümmerboden wir auf leicht geneigtem, noch etwas begrünten Gehänge herabstiegen. Seine Sohle hebt sich in hügeligen Plattenwellen bald wieder empor und geht in das ausgedehnte, glänzende Firnfeld über, welches in kellerartigem Ausbruche der Nordflanke der Trettachspitze lagert und von dem nordöstlichen und nordwestlichen Strebepfeiler gleich zweier riesigen Arme umfangen wird; während der letztere unmittelbar in die Klippenreihe übergeht, die gegen das Bacher Loch den Felsencircus schliesst, setzt der erstere auf einen mässig breiten Geröllsattel herab, von welchem nördlich der höchste der Wildgundköpfe (wahrscheinlich derjenige, auf welchen die Sendtner'sche Messung 6930' 2251 m sich bezieht) schroff emporsteigt.
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Wir querten den Boden des Kars und bewegten uns über die zusammengeschobenen Plattenhügel, über einzelne, schwach geneigte Schneestreifen bequem aufwärts; unsere Richtung ging anfangs etwas gegen Rechts, später gerade auf das Firnfeld zu, um schliesslich links gehalten die Scharte zwischen Trettachspitze und Wildgundkopf zu erreichen. An einem Wässerchen, dem Abflusse des grossen Firnfeldes, machten wir halt und revidirten das Gepäck. Ich steckte das Fernrohr in die Tasche und schnürte die Steigeisen, einen der langen Riemen auslösend, um den Leib. Schraudolph bestand darauf, einen Bergsack mitzunehmen mit seinem Stück Käse, dem unvermeidlichen Seil, welches doch in keinem Falle zur Anwendung kommen durfte, und – dem gesammten Kaffeebereitungs-Apparate. Die Erzählung, dass ich mein Frühstück auf den Felsengipfeln zu bereiten pflege, hatte seinen Beifall in so hohem Grade gefunden, dass er durchaus auch auf der Trettachspitze Kaffee kochen wollte. Wir liessen also einen Bergsack mit dem Ueberflüssigen zurück und setzten uns wieder in Marsch; es ging nun scharf gegen Links, dem Geröllsattel zu, noch immer auf gut gangbarem, wenn auch etwas steilerem Fels. Um die Mauerecke des vortretenden Pfeilers biegend sahen wir den Boden vor unsern Füssen mit Einem Male abgerissen, 1000' (ca. 300 m) tiefer und nahezu senkrecht unter uns lagen die Wilden Gräben, zerrisse, schwarzlettige [17] Bergschluchten. Schmutziggrau zieht durch ihre längste, tiefe Furche der Eisstreif der Hohen Trettach hinauf zur Scharte am Fusse der Mädelegabel, wo er den eigentlichen Gletscher, den Trettachferner, auf der Südseite des Gebirges, mit seinem Haupte berührt, während seinem Fusse die junge Trettach in schäumenden Sätzen entquillt. Jenseits des Abgrundes zieht der schneidige Schwarzmilzgrat zum Kratzer hinüber, an ihn schliessen sich die Hügelwellen des Mädelejochs, über welchen wieder die Krotenköpfe ("Krottenspitzen" 2.553m - Krottenspitzgruppe) aufsteigen, breite, schroffe, ausgezahnte Felsenkörper; zur Trettach hinab öffnet der Sperrbach seinen mächtig dunklen Schlund und aus der Felsengasse zwischen Sperrbachhütte und Ober-Mädelealp schimmert die weisse Schneedecke seines Lawinenthores. – "Sie können wohl in die Helle sehen" – sagte Schraudolph, als er meinen ungetheilten Beifall an diesem gewaltigen Aussichtsbilde und meine gänzliche Unempfindlichkeit für die Tiefe des Abgrundes wahrnahm, der hart vor unsern Füssen gähnte.

Wir wandten uns wieder rechts, in's Kar hinein. Der Körper der Trettachspitze, senkrecht auf den Geröllsattel niederbrechend, ist hier noch nicht zu fassen. Wieder ging's über die gerundeten Plattenstufen, steiler als bisher, aber immer noch bequem bergauf. Wir befanden uns im Niveau der halben Höhe des grossen Firnfeldes, als am Fusse eines mächtigen, schräg emporsteigenden Platts Schraudolph Halt machte und erklärte, dass der Angriff beginne. Hier mussten denn auch die Stöcke zurückbleiben, man bedurfte fortan beider Hände zum Felsenklimmen. Schraudolph legte die Eisen an, ich aber huldigte damals noch der Theorie, dass Eisen nur auf einem Boden, der das Eindringen der Spitzen gestatte, als Gras, Letten, Schnee oder Eis zu brauchen seien, auf hartem Fels dagegen die Schuhsohle ebenso guten Halt und ein feineres Gefühl für den Punkt des Auftretens gewähren müsse. Diese Theorie liess sich durchführen auf den stufigen Dolomitschrofen des Algäu; ich habe in der That, zu grösster Verwunderung Schraudolph's, die Trettachspitze sowohl auf- als abwärts gestiegen, ohne die Eisen, welche auf seinen dringenden Rath ich gleichwohl mitnahm, an den Fuss zu bringen. Bei meiner ersten Bergtour in den Centralstöcken des Nordinnthaler Gebirges (es war am Hohen Brandjoch bei Innsbruck) ("Karwendel") wurde ich sofort gründlich eines Besseren belehrt, und stellte sich mir die eminente Brauchbarkeit der Eisen auch auf den härtesten Felsen, der Halt den sie finden, wo das Auge keine Stufe mehr wahrnimmt, die zarte Empfindung, welche der Fuss bei aller Wucht des Einschlagens für die unbedeutendste Ritze im Gestein bewahrt, sofort zur zweifellosen Gewissheit heraus. Auf den Platten-Gipfeln des Karwendel, auf den Mauerzinken des Wetterstein, auf den starren Klötzen des Mieminger Kammes, bin ich seither mit meinen Eisen verwachsen; heutzutage vermöchte ich nicht die Trettachspitze, noch manchen andern minder jähen Gipfelbau, den ich in früheren Jahren unbewaffneten Fusses erstiegen, ohne Eisen mehr zu gewinnen. Mit den achtzinkigen Oberstdorfer Gliedeisen [18] (eine Construktion, wie ich sie in keiner Gegend, auch in den grossen Gletschergruppen Tirols nicht, wieder fand) fasse ich auch das wildeste Schrofengezack, den blankesten Felskegel getrost in seiner kahlen Flanke, und noch habe ich Keinen gefunden, der ihnen widerstand.
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In der Plattenstufe, welche wir zu erklettern hatten, um auf eine kleine Schulter der nordöstlichen Gipfelkante zu gelangen, hatte das abrinnende Wasser mehrfach schmale Rinnen und Gruben ausgehöhlt, vorspringende Steinnasen gaben sicheren Halt, bald auch minderte sich die allgemeine Steile; abgesetzte Schrofen leiteten unsere Schritte rasch und sicher zur nahen Scheitelhöhe; wir hatten damit weitere 100' [30 m] Höhe an der Trettachspitze gewonnen, das Firnfeld, welches zu unserer Rechten geblieben war, lag bereits unter unserem Niveau. Wieder eröffnete sich gegen Osten der Hinunterblick in den Abgrund der Wilden Gräben. Vor uns stieg der Grat auf, Zacken über Zacken, seiner Steile halber nur auf kurze Strecke sichtbar. Er bezeichnete fortan unseren Weg; erinnert man sich, dass es die gleiche Linie ist, welche die Gestalt der Trettachspitze, vom Hochrande der Schwarzen Milz gesehen, zur rechten Seite begrenzt, so darf man sich auf eine gewaltige Steigung gefasst machen, die selten unter 60° bleibt, häufig dieses Mass übersteigt; auf Schneefeldern und überhaupt auf abschüssigen Flächen kaum mehr zu bewältigen, bietet dieser Neigungswinkel auf rauhem, gestuften Fels noch keine unüberwindlichen Hindernisse. Ich habe bei andern Gelegenheiten in analogen Fällen bis zu 72° gemessen, auf Schnee in den bedenklichen Steilen nie mehr als 50° [19].

Schraudolph ging voran und suchte die Linie seiner früheren Ersteigungen; er fand den Grat, trotz seiner starken Verwitterung, seinen allgemeinen Grundzügen nach nicht beträchtlich verändert. Stufen gab es in Ueberzahl; die jähen Abbrüche der Schneide waren selten mehr als mannshoch und nicht allzu schwierig zu erklettern. Die Schärfe des Grates zeigte sich als sehr beträchtlich; in zahlreichen Fällen konnte auf seinem Scheitel der Fuss nicht mehr Platz finden, und obwohl man ganz correkt sagen kann, dass die Trettachspitze auf der nordöstlichen Gratkante erstiegen wird, so steht man doch meist nicht auf dem Grate, sondern abwechselnd auf der Südost- oder Nordwestseite desselben, die Schneide selbst in Brusthöhe neben sich; nicht selten auch hat man sie zwischen den gespreizten Beinen, der eine Fuss steht über den Wänden der Wilden Gräben, der andere über den Firnfeld im Abschlusse des Kars.

Gipfelaufbau der Trettachspitze (Westwand) von der Mädelegabel aus © wanderpfa.de Grosse Vorsicht erheischen die zahlreichen losen Blöcke und halb abgewitterten Felsenzacken; scharf aufspringend bieten sie lockenden Anhaltspunkt dem Emporkletternden, ertragen sogar eine erste unsanfte Berührung, gerathen aber unter dem vollen Gewichte des Körpers ins Wanken und stürzen in die Tiefe, den Unklugen, der anders als prüfend an ihnen gerüttelt hatte, unfehlbar mit sich hinabreissend. Schraudolph und ich säuberten damals soviel als möglich den Grat von diesen tückischen Gesellen, die seither jedenfalls wieder in grosser Zahl sich regenerirt haben; manch centnerschwerer Block wurde von seiner unsicheren Grundlage erst völlig losgerissen, bis dass er über die Kante hinaus sich neigte und mit grauenhaftem Gepolter, an den Wänden zu Trümmern zerstiebend, in die Hohe Trettach hinuntertanzte. Mehrfach machte Schraudolph, vor besonders steilen oder engen Gratstellen angekommen, den Vorschlag, mich zu grösserer Sicherheit an's Seil zu nehmen, – eine, man kann nicht anders sagen, tolle Opferwilligkeit. Das Gewicht eines stürzenden Menschenkörpers würde den durch Seil mit ihm Verbundenen unter allen Umständen ebenfalls von seinem engen Standpunkte reissen und eine Compagnie Catastrophe à la Matterhorn [20] wäre die unvermeidliche Folge.
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von Hermann von Barth angefertigtes Horizontalprofil der Mädelegabel-Gruppe Höher und luftiger klommen wir empor; der Grat blieb an Schärfe und Steile sich gleich, doch lag die schlimmste Strecke mit den jähen Abstürzen und den vielen losen Blöcken ziemlich bald nach Beginn des Gratanstieges hinter uns. Näher rückten uns die gelblich gefärbten, überhängenden Felsmassen des Gipfels; an ihrem Fusse angekommen, lenkte Baptist nach der rechten Seite, in die Nordflanke der Trettachspitze ab. Er meinte, eine Umgehung könne wahrscheinlich auch in entgegengesetzter Richtung, über die Abgründe der Wilden Gräben hinweg, bewerkstelligt werden, doch habe er sich davon noch nicht durch einen eigenen Versuch überzeugt und wolle lieber die Linie seiner früheren Ersteigungen einhalten. Wir querten einige Schrofenmassen und hatten dann eine schmale, stark abschüssige Schutteinlagerung zu passiren, die an den Wänden über dem Firnkeller ihr Ende erreicht. Ihr nicht loses, sondern compaktes Gerölle machte die wenigen Schritte, die hinüber nach dem jenseitigen Felsenrande zu tun waren, sehr unangenehm, umsomehr, als diese Schritte in horizontaler Querlinie, an einer Stelle sogar etwas absteigend, zu thun waren. Würde man im Geschröfe diesseits einen tieferen Durchgang suchen, sodass der Schuttplatz aufsteigend zu überschreiten wäre, so würden die Schwierigkeiten sich unzweifelhaft bedeutend mindern. Drüben hatten wir wieder massig übereinander gehäufte Felsbänke, Einrisse und querlaufende Gesimse gaben allerwärts Haltepunkte, die Anstiegslinie war freierer Wahl, als vorher, überlassen; eine schräg gegen Rechts hinanziehende Schuttrinne vermittelte den letzten Anstieg nach dem Gipfel; aus ihr emportauchend fassten wir den Grat, welcher, entgegen der anscheinenden Schärfe der Gipfelspitze, einen horizontalen, 10-12 Schritte langen, von Süd nach Ost gekrümmten Bogen beschreibt, breit genug, um bequem darauf herumzuspazieren.
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An seiner westlichen Ausbiegung steht, von breiter Steinpyramide gestützt, die ca. 12' (ca. 4 m) hohe Kreuzstange. Vor uns im Süden stieg riesengross in düstergrauen Wänden der Gipfel der Mädelegabel empor, und im Moment, da wir den Grat betraten, erhoben sich mit lautem "Hallo" zwei menschliche Gestalten drüben auf seinem Scheitel. In der einen erkannte Schraudolph sofort den einarmigen Führer Hipp von Oberstdorf, die andere war ein junger Tourist, von ihm auf die Mädelegabel geleitet. Wer je auf diesem Gipfel geweilt, kann die Ueberraschung wohl zu schätzen wissen, wenn die nachbarliche Trettachspitze, die dort von ihrer wildschroffesten Seite sich darstellt, plötzlich ebenfalls von menschlichen Wesen bevölkert erscheint.

Ein regeres Leben entwickelte sich nun auf beiden Felsenhäuptern; Rufe, auf die geringe Luftdistanz gar wohl verständlich, flogen hinüber und herüber, und als endlich gar zu Schraudolph's unbeschreiblichem Ergötzen die Kaffeemaschine, in geeigneter Steinumwallung vor dem Windzuge geschützt, ihre Schuldigkeit gethan und die schwarze Mokkabrühe zum Genusse bereit war, strengte ich die Lungen an und lud die Herren jenseits zu einer Tasse herüber auf unseren Adlersitz. Von drüben erfolgte das Offert eines vorzüglichen Kirschgeistes, von welchem ich, zu meinem grossen Bedauern, ebensowenig Gebrauch zu machen mich im Stande sah. – Ein Jahr verging und einige Monde dazu; dann traf den fröhlichen Ersteiger der Mädelegabel die feindliche Kugel auf den blutgetränkten Gefilden von Champigny [21].
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Wild und wüst ist die Umgebung der Trettachspitze, todtstarr die Bergwelt, welche sie beherrscht; vom Norden abgekehrt, wo allein der Blick auf grünen Bergen und Landstrichen, auf belebten Ortschaften ruht, sieht ihr Ersteiger sich umfangen von den gewaltigsten und abschreckendsten Felsenbauten der Algäuer Alpen. Der ferne Hochvogel, die Krotenköpfe ("Krottenspitzen" 2.553m - Krottenspitzgruppe), der Kratzer und das schluchtenreiche Gehänge der Wilden Gräben; – die Doppelpyramide der Mädelegabel, Bockskarkopf ("Bockkarkopf" 2.608m) und Wilde Mann mit den öden Schutthalden des Bockskar ("Bockkar"), und der schmutzigen Schneestrasse der Schneeflucht – und über ihr in lichter Scharte die Koboldsgestalt des Wild-Männle; – die Rappenköpfe und weiter hinaus im Süden der massige Rundkegel des Biberkopfes, sie alle schliessen sich zu einem schaurig düstern Halbkreise zusammen, welche nur an wenig eingebrochenen Stellen die Gebirge des Lechthales, die Gletscher des Verwell ("Verwall")hindurchblicken lässt, mehr Räthsel als Aufklärung. In jäher Tiefe zu beiden Seiten die Spielmannsau hier, und dort, im Westen, die Wiesenstufe über der finstern Schlucht, das Kapellchen und die braunen Häuser von Einödsbach. Das Fernrohr zeigt uns die Leute vor der Hausthüre, auch Schraudolph's Weib, das zu uns heraufblickt und auf glückliche Heimkehr ihres Gatten hofft.
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4 Stunden hatte von Einödsbach unser Aufstieg zur Trettachspitze gewährt; das eigentliche Felsenklettern nicht ganze eine Stunde. – Ueber eine Stunde verweilten wir auf dem Gipfel, der wohl manches Jahr nachher der ungestörten Ruhe wieder geniessen sollte. Gegen 9 Uhr erfolgte, nachdem wir unserem Vis-à-vis auf der Mädelegabel einen letzten Abschiedsruf zugesendet, der Aufbruch. Da wir keine Stöcke hatten, so musste der Abstieg fast durchweg sitzend zurückgelegt werden, wobei die Rollen der Glieder tauschten, die Hände zu festen Stützen und die Füsse zu voraus tastenden Fühlern wurden; die Beinkleider wurden dabei in höchst bedenklicher Weise mitgenommen und erschienen nicht mehr gar geeignet, unter der haute volée der Sommergäste Oberstdorfs zu paradiren. Immerhin kamen wir solcherart zwar langsam, aber in voller Sicherheit abwärts, der steile Grat, welchen wir bereits im Aufsteigen von seinen trügerischen Felsklötzen grössentheils gesäubert hatten, bot auch nicht allzu grosse Schwierigkeiten, der Plattenhang zum Kare hinab war im Abstiege, zumal wir der Stöcke entbehrten, das Unangenehmste. Ueber die Felsenhügel des Kars ging's dann schnellen Schrittes hinunter zu unserem Gepäcke; dann weiter durch die kleinen Trümmerkessel und über die Schrofenrippen der Wildengundköpfe auf die Bergecke des Spätengundkopfes und die schräge Abdachung seiner Nordseite hinab auf den Gratsattel des Einödsbergs, welchen wir 1 1/2 Stunden nach Verlassen der Trettachspitze erreichten. Hier trennten wir uns; mit herzlichem Danke verabschiedete ich mich von dem wackeren Schraudolph, der nach seiner Heimat zurückkehrte, und wandte mich ostwärts, zur Spielmannsau hinunter.

Ueber grasreiche Wiesen erreichte ich bald eine hochgelegene, zu den Einödsbergalpen gehörige Hütte, gerieth dann, damit diesem Tage ein kleiner Irrgang nicht erspart bleibe, statt den Wegspuren nach der rechten Seite zu folgen [22] , auf falsche Fährte in entgegengesetzter Richtung und in's Gewirre der tief eingerissenen, dicht mit Buschwerk überwucherten Gräben. Ziemlich mühsam und arg durchnässt erreichte ich die tiefer gelegenene Terrasse, wo ich den gebahnten Steig wieder antraf; er führte nun nach der linken Seite, kreuzte ein paar starke Giessbäche, welche mich erkennen liessen, dass ich noch immer die relativ beste Abstiegslinie im pfadlosen Terrain mir gewählt, und leitete schliesslich zur Untere-Mädelealp (3906' 1269 m. Sendtner), einer grossen, nicht hoch über der Thalsohle gelegenen Hütte. Ein rauher Karrenweg endlich zieht sich von hier durch Wald und Busch hinab auf die Schuttfelder des Trettachbettes. 1 1/2 Stunden nach Verlassen des Einödsbergkammes war Spielmannsau erreicht und zufriedener als ehedem, sah ich nun zur schlanken Spitze empor, die vom Trettachthale, das sie beherrscht, ihren Namen hat.
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Es möchte der Leser zum Schlusse vielleicht nach einer allgemeinen Qualifikation der Ersteigung der Trettachspitze fragen. Dass dieselbe nicht anders als schwierig, ja sogar als von hervorragender Schwierigkeit, beurtheilt werden könne, darüber wird ihm nach der vorhergehenden Beschreibung wohl kaum ein Zweifel bestehen und bin ich auch weit entfernt in Abrede zu stellen, das ich als eine solche auch für mich, nicht blos in Rücksicht auf Andere, sie beurtheile.

Gleichwohl ist diese Schwierigkeit nicht als eine so hochgradige aufzufassen, dass die Trettachspitze überhaupt Jedem unzugänglich wäre, der aus dem Riskiren des Halsbrechens nicht ein specielles Vergnügen sich macht. Eben das Algäuer Gebirge, welchem die Trettachspitze angehört, bietet mir die Analogie eines Gipfels, welcher von berggeübten Touristen mehrfach besucht wird, und welchem ich die Trettachspitze gleichzustellen kein Bedenken trage: Es ist die Höfats im Gerstrubener (Dietersbach-) Thale. Steilheit des Gehänges (wenn auch die behaupteten 80-82° sich kaum in Richtigkeit verhalten dürften), – Gefahr und unfehlbare Verderblichkeit des Absturzes bei geringstem Mangel an Vorsicht, stehen für beide Gipfel sich völlig gleich; nur der Charakter der Ersteigung ist ein verschiedener. Was an der Höfats steile, haltlose Grasplanke, das ist an der Trettachspitze nackter, aber gestufter Fels. Ist es an der Höfats ziemlich gleichgültig, wohin das Eisen gesetzt wird, wenn es nur richtig eingesetzt wird, so erfordert die Trettachspitze ein umsichtiges Auswählen der Tritte. Und was speciell die Schwindelfreiheit anlangt, die freilich auch von der Höfats in nicht geringem Grade gefordert wird, so stellt in dieser Hinsicht die Trettachspitze noch höhere Ansprüche, indem sie die Abgründe von beiden Seiten dem Blick vorführt, während an der Höfats, deren Gipfel ausgenommen, das Auge stets einen Ruhepunkt an der zur Seite aufstrebenden Wand hat.

Im Wesentlichen besteht sohin der Unterschied zwischen Ersteigung der Höfats und der Trettachspitze weniger in quantitativen, als in qualitativen Momenten der Kletterkunst, und trage ich kein Bedenken für denjenigen, der an der Höfats sich erprobt und ausserdem noch einige grössere Touren auf kahlen Felsengipfeln zur Ausführung gebracht hat, auch einen Versuch mit der Trettachspitze als erlaubt zu bezeichnen.
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Bemerkungen:
Online-Veröffentlichung der Erzählung „Die Trettachspitze an der Mädelegabel“ aus dem Buch „Aus den Nördlichen Kalkalpen“ von Hermann von Barth (1874) bzw. teilweise abgeändert nach dem Werk "Gesammelte Schriften" von Bünsch/Rohrer (1926) im Rahmen einer gemeinfreien Nutzung nach dem Urheberrecht.
Rechtschreibung, Zeichensetzung und Satzbau sind im originalen Zustand belassen worden. Als zusätzliches gestalterisches Mittel wurden aktuelle und teilweise auch historische Schwarz-Weiß-Aufnahmen in die ursprünglich unbebilderte Erzählung eingebaut. Die Aufnahmen sind zur Auflockerung des Textes gedacht und versuchen einen regionalen Bezug zur Erzählung herzustellen. Mit Ausnahme der nach Original-Vorlagen des Verfassers lithographirten Gebirgsprofile und Horizontalprojectionen des Thannheimer Gebirges (Kunst-Beilagen aus dem Werk „Aus den Nördlichen Kalkalpen“ von Hermann von Barth, 1874) handelt es sich hierbei um keine überlieferten echten Bild- u. Zeitdokumente aus jener Zeit.
Zur besseren Einordnung abweichender geographischer Bezeichnungen und zum besseren Verständnis einiger von Barth benutzter und im heutigen Sprachgebrauch weithin unbekannter Ausdrücke wurden aktuelle "Bergnamen" ergänzt und gesonderte Fußnoten angebracht (Fußnoten werden auch beim Überfahren mit der Maus angezeigt) bzw. am Ende der Erzählung in einem Glossar zusammengefasst.

Zusätzlicher Hinweis: Die Aufarbeitung bzw. Bereitstellung dieses Dokumentes ist im Sinne der Verfügbarmachung eines alpinhistorischen literarischen Werkes zu verstehen. Die Tourenbeschreibung ersetzt keinesfalls aktuelle Bergführerliteratur.
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Glossar:
[1] Schwarze Milz: Die Gegend mit dem merkwürdigen Namen liegt in einer plateauartigen Einsenkung zwischen Mädelegabel und Kratzer und ist ein Bindeglied des Allgäuer Hauptkamms. Die Schwarze Milz ist zudem ein geologisches Fenster: Der Hauptdolomit ist hier bereits abgebaut und in dem weichen schwarzen Liasschiefer, der dieser Stelle den Namen gab, arbeitet die Verwitterung mit großem Erfolg. Darüber aber stehen, riesenhoch und plattengepanzert, die Wänder der Mädelegabel und Trettachspitze - auf die Allgäuschichten aufgeschobene Hauptdolomitgipfel (Lechtaldecke) Schwarze Milz -->zurück
[2] Obelisk: Obelisk ein aus dem Griechischen entlehntes Wort, das einen hohen vierkantigen, sich nach oben zu verdünnenden Stein, der ganz oben in einer kleinen Pyramide endet, bezeichnet -->zurück
[3] Drainirpflug: Draining-plough (engl.) oder Rinnenmacher, nennet man ein gewisses Werkzeug zum Abziehen des Wassers von einem nassen Lande, womit nur ein Mensch allein arbeitet. Man ziehet es aus verschiedenen Ursachen dem vom Pferde gezogenen Pfluge vor; weil in nassen Lande, welches eben getrocknet zu werden brauchet, die Pferde zusehr eintreten und mehr kosten, als diese Arbeit eines einzigen Mannes. Man brauchet es zur Austrocknung der Bleichplätze; auch thut es für nasses thonigtes Wiesenland sehr gut, wo das Erdreich nur flach ist, und gern eine große Menge Binsen aufschießen läßt (Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz) -->zurück
[4] Erstersteigung Trettachspitze: mehr Info's zur Erstersteigung -->zurück
[5] Kreuzstange = Gipfelkreuz: Anmerkung Hermann von Barth: Bei meinem Besuche des Jahres 1869 stand sie noch unerschüttert. Im Winter 1871/72 zeigte sie sich bereits bedenklich schief und als ich im Jahre 1873 die Trettachspitze skizzirte, sah ich sie gar nicht mehr. Sie ist auf der Skizze verzeichnet, wie sie ehemals stand. -->zurück
[6] Wildes Männle: Wildes Männle -->zurück
[7] Bacherloch: Bacherloch -->zurück
[8] Hypotenuse: Als Hypotenuse bezeichnet man die längste Seite eines rechtwinkligen Dreiecks. Sie liegt dem rechten Winkel gegenüber. Die beiden anderen Seiten, die den rechten Winkel bilden, heißen Katheten. -->zurück
[9] Krinoline: Reifrock, der seit der Mitte des 16. Jahrh. gesteifte, durch Fischbein oder Rohrstäbe glockenförmig, fast faltenlos ausgespannte Unterrock der Frauen. Er kam zwar schon vor der Mitte des 17. Jahrh. wieder aus der Mode, tauchte aber in der ersten Hälfte des 18. Jahrh. in größerm Umfang wieder auf, nahm auch ovale oder Trichterform an, wurde gegen das Ende des Jahrhunderts sehr ermäßigt und erschien unter dem Namen Krinoline (s. d.) in den 50er und 60er Jahren des 19. Jahrh. wieder (retrobibliothek) -->zurück
[10] Lahn: Lahn (österr. bayr. mundartl.) die; ­, -en [mhd. lene = Lawine; Gießbach] (bayr., österr. mundartl.) Lawine (oewb.retti.info) -->zurück
[11] Antecedenzien: Antezedenzien (lat.), früher Vorgekommenes; jemandes Vergangenheit, frühere Verhältnisse. Antezedieren, vorher-, vorgehen; den Vorrang haben (oewb.retti.info) -->zurück
[12] Kraxe: Kraxen, die (ugs.): Rückentraggestell; Holzgestell [mit Korb] zum Tragen auf dem Rücken (auch bayr.: Krätze) (oewb.retti.info) -->zurück
[13] Krickeln: (Jägersprache) Horn der Gemse; Gamskrickel (oewb.retti.info) -->zurück
[14] Auspicien: Auspicien (aus dem Lat.), Auspicium. Dieses wird gewöhnlich mit Augurium (s. d. Art. Augur) in einerlei Sinne gebraucht, so daß es eine Vorherverkündigung oder Vorbedeutung selbst, eine Anzeige überhaupt bedeutet. Eigentlich aber hieß Auspicium die Vorherverkündigung der Zukunft aus Beobachtung der Vögel, ihrem Fluge, ihrem Gesange etc.: Augurium hingegen jede Weissagung aus Anzeigen und außerordentlichen Erscheinungen aller Art. Und so sagt man auch jetzt noch: es sind gute Auspicien – unter guten Auspicien etwas vornehmen etc.(zeno.org) -->zurück
[15] Phlegma: Phlegma bedeutet das Wässerige und Schleimige im Blute und andern Säfren des menschlichen Körpers. Weil ein Mensch, dessen Säften viel davon beigemischt ist, dadurch gelassen und bedächtig, und bei einem höheren Grade träge und unbehilflich wird, so drückt dieses Wort auch die eben genannten Eigenschaften - im Besonderen Faulheit - aus (Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz) -->zurück
[16] kulminieren: kulminieren (franz. culminer): den Höhepunkt erreichen, den Gipfelpunkt erreichen (duden.de) -->zurück
[17] lettig: die Höhen der Gebirge enthalten meist flachgründigen kalten Lehm, auch klaiigen, lettigen Thon (Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm) -->zurück
[18] Oberstdorfer Gliedeisen: achtzackige Steigeisen aus Oberstdorf besonderer Construction, mit einem Gelenk; H. V. BARTH -->zurück
[19] Anmerkung: Anmerkung H.v.B: Ein einzigesmal 60°, und dort nur in einer Spalte, auf ca. 25' Höhe [7,5 m]. Vgl. Alpenfreund, VI. Bd., 4. Heft -Auf den Graten des Hallthales- -->zurück
[20] Katastrophe am Matterhorn: Die touristische Besteigung des Matterhorn begann mit einer Tragödie, die sich bereits im Jahre 1865 abspielte und bis heute noch nicht aufgeklärt ist. War es ein Unfall oder gar ein Mord? Auf jeden Fall gelang es sieben jungen Bergsteigern den Gipfel des Matterhorns zu besteigen, am 14. Juli 1865. Doch das Unglück kam beim Abstieg, als das Seil riss und vier Bergsteigern den Tod brachte (www.schweiz-reisefuehrer.info/) -->zurück
[21] Schlacht bei Champigny: Die Schlacht bei Villiers (auch genannt Schlacht bei Villiers-Champigny) 30.November 1870 – 2. Dezember 1870 (siehe hierzu: wikipedia.de -->zurück
[22] Anmerkung H.v.B.: Anmerkung H.v.B.:Es ist dieser Weg, wie ich im Jahre 1873 bei Gelegenheit der Skizzenaufnahme mich überzeugte, überhaupt nicht sehr ausgeprägt, und verschwindet in der Wiese östlich der Alphütte völlig. Man gehe übrigens unbeirrt in gerader östlicher Richtung hinab, alle Gräben zur Linken lassend, bis zum äussersten Vorsprunge der Alpweide, wo die Stangen eines Heuschobers sich zeigen. Von dort führt gebahnter Pfad gegen links hinunter, über die Gräben und Bäche. -->zurück
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