"Schafe in Tirol" ein fotografisches Portrait von Thomas Stoffaneller mit einem Essay von Susanne Schaber

Das Buch "Schafe in Tirol", ein fotografisches Portrait von Thomas Stoffaneller, mit einem Essay von Susanne Schaber ist im Tyrolia Verlag erschienen.

Thomas Schaber ist Fotograf aus Innsbruck . Für die Bilder dieses Buches nahm er sich 3 ½ Jahre Zeit. Sie entstanden analog in Schwarz-Weiß-Technik. Ihm erschien diese Technik angemessen zur Thematik des Buches, die traditionelle und fast archaische Schafzucht in Tirol zu dokumentieren.

So handwerklich und individuell wie der Umgang mit den Tieren stellte sich für ihn der Umgang mit der Kamera dar, „...die Haptik, den Geruch, das Gefühl, den fertigen Abzug in den Händen zu halten...“ im Gegensatz zur eher unemotionalen Computertechnik. Die Einfachheit der Reduktion auf Licht und den Moment drückt somit das archaische Leben der Schafe wie auch der Menschen auf den gebirgigen Hochweiden in Tirol aus.

Den Fotografien voran geht ein Essay der Innsbruckerin Susanne Schaber.
Sie schildert die Bedeutsamkeit der Schafherden für die Besiedelung des alpinen Raumes, die Inanspruchnahme des Grundes, der durch das Beweiden entdeckt und erschlossen wurde. Die ersten Siedler wanderten mit den Tieren und errichteten jahreszeitliche Aufenthaltsorte. Die Schafe und ihre Besitzer wechselten selbstverständlich über Grenzen, die für sie nur theoretisch existieren. In heute noch gültigen Weiderechten von 1415 wurde das immerwährende Weiderecht Südtiroler Schafe auf Tirols Weiden festgelegt. Alljährlich wechseln die Tiere mit ihren Schäfern Anfang Juni vom Schnalstal über Niederjoch und Hochjoch in die Venter Weidegebiete und im September wieder zurück. Über 40 km legen sie dabei zurück und überwinden Schneefelder und felsiges Gelände bis zur 3000m-Grenze. Seit vielen hundert Jahren hat sich diese Art der Reise nicht verändert, Zeugnis einer lebendigen Tradition.

Mehrere Rassen sind schon ausgestorben, das weiße Bergschaf ist das häufigste, die Zucht des robusten, eigenwilligen vor dem Aussterben bedrohen Tiroler Steinschafes wird in letzter Zeit wieder gefördert. Das Schaf als Lieferant eines wieder geschätzten Produktes wird wertgeschätzt. Nicht für die Masse, eher für den Liebhaber des Besonderen. Gutes Lammfleisch, würziger Käse und Molkereiprodukte und auch die ökologisch wertvolle Wolle begeistern Einheimische und Touristen. Nachhaltigkeit ist hier kein Schlagwort, sondern Realität. Es steckt viel Arbeit in der Aufzucht der Tiere und der Herstellung der Endprodukte, doch ist dies auch ein Weg für die Gebirgsanwohner, Leben und Lebensunterhalt sinnvoll miteinander zu verbinden und in der Heimat bleiben zu können.

Essayistin und Fotograf schildern diese Inhalte in eindringlichen, sensiblen Worten und Bildern.
Auf den Fotos von Thomas Stoffaneller wird die einzigartige archaische Atmosphäre durch die Schwarzweißtechnik sichtbar. Knappe kurze Sätze beschreiben Inhalt der Bilder für jeweils mehrere Seiten. Man erlebt die schöne Verbindung von Mensch und Tier, die soziale Gemeinschaft der Schafe untereinander, die Tiere als Teil der Landschaft. Mit einem Blick für die Feinheiten und das Wesentliche gelingt es dem Fotografen, die Einfachheit, aber auch das raue, beschwerliche Element abzubilden. Der Bildband ist sehr grafisch gestaltet, eine klare Schrift unterstützt das schlichte Layout. Der Einband vermittelt sehr haptisch das Thema durch einen weißwollenen Umschlag.

Fazit:
Eine gelungene Publikation für kulturell Interessierte des alpinen Raumes speziell in Tirol.

2016, Tyrolia Verlag ISBN 978-3-7022-3493-5, 120 Seiten, € 39,95
Für weitere Informationen: Tyrolia Verlag


Buchbesprechung vom 11.02.16 © Alpineblau vom Alpic.net/forum