Als Wilde Fräulein, Salige, Fänggen, Weiße Frauen und unter vielen weiteren Bezeichnungen tauchen sie in den Sagen des gesamten Alpenraums auf und haben solch seltsame Namen wie Hurlahutsch, Stuzzemuzz, Herischka oder Kolatsche. Wer aber sind nun diese Wesen, die Frauen „aus einer Zeit vor uns“? Wo kamen sie her? Wo war ihr Reich? Den mythischen und mystischen Frauengestalten, spürt ein Buch von Thomas Niehörster nach, das soeben im Ursus Verlag erschienen ist. Es erzählt vom Alltag der „Wilden Frauen“, ihrem Umfeld und ihren Tabus, die nicht verletzt werden dürfen.

Das Besondere an dieser Publikation ist, dass zum ersten Mal in einem Buch die verschiedensten Sagengestalten derart ausführlich zusammengefasst sind und in beispielhaften Sagenerzählungen vorgestellt werden. Wie real waren die Frauen, von denen berichtet wird, dass sie zumeist in Höhlen lebten, den Bauern bei der Arbeit halfen und deren Frauen Geburtshilfe gewährten? Sie kannten sich hervorragend aus mit Heilkräutern und lehrten die Bauersfrauen, Flachs anzubauen, um Leinen daraus zu gewinnen. Doch waren sie nicht nur kundig im Umgang mit Heilkräutern sondern genauso gut mit manchen Rauschpflanzen. Und sie waren Beschützer der Gämsen – wehe dem Jäger, der mehr von ihnen schoss, als er zu seinem Bedarf benötigte!

Die „Wilden Frauen“, die Saligen und wie sonst man sie noch rief – waren sie gar nur Elementargeister? Den vielen Fragen um die Mythischen Frauengestalten geht das Buch nach und findet oft verblüffende Antworten. Auch den „Venedigermännle“, mit denen der Sage nach die Wilden Frauen Handel trieben, ist ein gesondertes Kapitel gewidmet. Der Anhang zum Buch enthält rund 90 verschiedene Namen und deren Deutung unter denen die Wilden oder Weißen Frauen im gesamten Alpenraum bekannt sind.