Thomas Mariacher: Skitouren in Osttirol und Oberkärnten



Vorwort:
„Ziele für mehr als ein halbes Leben.“ Dieses Zitat von der Rückseite des Buches trifft ziemlich gut, was einen dort erwartet: 200 Skitouren auf 510 Seiten. Natürlich kann man sich fragen, ob das wirklich nötig ist, denn jemand, der nicht vor Ort wohnt, wird allenfalls einen Bruchteil der beschriebenen Touren angehen können. Andererseits bietet ein solches Werk den Vorteil eines (ziemlich) umfassenden Nachschlagewerks. So ist es nicht nur für die Osttiroler und Oberkärntner selbst ein nützliches Werk, sondern auch für Skitouristen, die ein wenig mehr an Auswahlmöglichkeiten haben wollen, wenn sie in den beschriebenen Gebieten eine Tourenwoche verbringen.

Zum Inhalt:
Das Buch selbst ist sehr schön aufgemacht, enthält zahlreiche Fotos, von denen in manche der Tourenverlauf eingezeichnet ist und somit eine erste, gute Übersicht vermitteln. Dem gleichen Zweck dienen topographische Übersichtskarten im Maßstab 1:50.000, aus denen sich ebenfalls die beschriebenen Skirouten ersehen lassen. Der Autor weist zurecht darauf hin, dass eine exakte Tourenplanung bei diesem Maßstab noch nicht sinnvoll möglich ist. Die Gliederung des Tourenführers folgt den Tälern. Hier hätte sich die Gliederung deutlicher herausarbeiten lassen, wenn die einzelnen Tourengebiete verschiedene Farben zugewiesen bekommen hätten, anstelle eines einheitlichen Lilafarbtones. Im letzten Kapitel werden schließlich noch die sechs Etappen und eine Variante der Ski-Route Hochtirol beschrieben.

Nach einer kurzen, aber ausreichenden Einführung folgt der Beschreibungsteil. Dieser enthält immer zuerst einige allgemeine Ausführungen zu den Zielen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Danach werden Ausgangspunkt und Anfahrt beschrieben, sodann die Aufstiegsroute, die Abfahrt sowie gegebenenfalls Varianten. Etwas klein geraten und dadurch nicht gerade übersichtlich sind die durch Symbole charakterisierten Hinweise zur Schwierigkeit, zu besonderen Gefahren, zur Steilheit, Exposition, Höhenmetern und Tourdauer. Diesen, nur etwa 1 cm breiten Streifen, hätte man besser größer gestaltet und die Hinweise zu Ausgangspunkt und Anfahrt gleich dort mit aufgenommen. Die eigentlichen Tourenbeschreibungen sind recht exakt gehalten, was ich anhand des knappen Dutzend von mir in den letzten Jahren bereits durchgeführten Touren überprüfen konnte.

Was mir wirklich fehlt, ist sind bei einem so umfangreichen Führer Tabellen der Touren, die diese einmal nach Höhenmetern und ein weiteres Mal nach Schwierigkeiten gliedern. Solche Aufstellungen könnten auch nur für die einzelnen Gebiete erfolgen, damit die Entscheidung für ein bestimmtes Tal als Urlaubsort nicht von klangvollen Gipfelnamen, sondern anhand der zu erwartenden Anforderungen getroffen werden kann.

Fazit:
Insgesamt aber eine durchaus beachtliche Sammlung interessanter Skitouren von leicht bis wirklich herausfordernd. Den Preis von knapp 38 € ist das Buch sicher wert. Ob man ihn investieren will, hängt allerdings von einer Prognose ab, wie oft man in Osttirol unterwegs sein wird.

2020, Tyrolia Verlag ISBN 978-3-7022-3875-9, 424 Seiten, € 37,95
Für weitere Informationen: Tyrolia Verlag


Buchbesprechung vom 22.02.21 © Gipfelsammler Claus im Forum von Alpic.net

 

Michael Pröttel:Leichte Skihochtouren - 35 hohe Ziele in den Ostalpen mit schier endlosen Abfahrten



Vorwort:
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Momentan sind alle Touren dieses Buches für deutsche Staatsangehörige faktisch unerreichbar. Erst, wenn sich die Corona-Lage wieder gebessert hat, brauchen auch wir uns nicht mehr aufs Träumen beschränken. Denn traumhaft dürften sie bei guten Verhältnissen alle sein, die hier beschriebenen 35 „leichten bis mittelschweren Skihochtouren für endlosen Abfahrtsgenuss“.

Zum Inhalt:
Diese Beschreibung auf dem Buchrücken trifft die Tourenauswahl schon etwas genauer, als der sehr verlockende Titel. Jeder Bergsteiger weiß, wie stark die Einschätzung einzelner voneinander abweicht, was als leicht oder schwer empfunden wird. So fallen sicherlich der Gleirscher Fernerkogel (Tour Nr. 8 ) und der Östliche Feuerstein (Tour Nr. 12) angesichts ihrer Steilpassagen etwas aus diesem Rahmen. Auch über die Bezeichnung als (Ski-) Hochtouren mag man streiten, denn der Autor geht hier bis auf 2600m herab (Torspitze, Gampesspitze, Schöberspitze, Touren Nrn. 21 bis 23). Das entspricht nicht unbedingt der üblichen Vorstellung von einer Hochtour. Als „Gipfelsammler“ muss ich zudem kritisieren, dass sich auch mit der unteren Kräulscharte (Tour Nr. 10) und der Kühlehnkarscharte (Tour Nr. 1) zwei Ziele in der Sammlung finden, die ich schon deswegen nicht so reizvoll finde, weil sie nicht auf einem Gipfel enden. Anderen werden die Touren gefallen.

Der Band selbst ist sehr schön aufgemacht und reich bebildert. Bei den Bildern ist leider nicht immer ersichtlich, welche Gipfel darauf zu sehen sind. Auch wäre das eine oder andere Schlechtwetterbild durchaus angemessen gewesen, denn letztlich herrscht im Hochgebirge nicht immer nur eitel Sonnenschein. Sehr gut gelungen sind die Kurzzusammenfassungen der Touren mit Geokoordinaten und Anreisemöglichkeiten mit dem ÖPNV. Was mir hier fehlt, sind zusätzliche Zeit- und Höhenangaben vom Talort aus, wenn die Beschreibungen bei einer Hütte losgehen. Auch eine ausdrückliche Angabe der Steilheit wäre gerade für Anfänger von Nutzen. Zwar finden sich zu jeder Tour „Karten mit eingezeichneten Hangneigungen für die Tourenplanung“. Diese sind aber für eine konkrete Tourenplanung, bei der man angesichts der Steilheit die Lawinenlage einschätzen möchte, viel zu klein. Sie bieten allerdings einen brauchbaren Überblick über das zu erwartende Gelände.

In seiner Einleitung geht der Autor auf die Anforderungen und die Ausrüstung sowie die Lawinengefahr ein. Er hält sämtliche Touren „bei üblichen Verhältnissen“ (was ist denn üblich?) für ohne Seil, Pickel und Steigeisen machbar. Er schreibt, „dass man keine Kenntnisse in Spaltenbergung“ haben müsse. Das mag für die unvergletscherten Touren des Buches und für die übrigen bei optimalen Verhältnissen zutreffen. Sonst halte ich solche Empfehlungen eher für bedenklich. Ich selbst war schon bei einigermaßen einfachen Touren wie der Kuhscheibe (Tour Nummer 4) und dem Längentaler Weißer Kogel (Tour Nummer 6) sehr froh, dass ich Steigeisen dabei hatte. Und wer den Romariswandkopf (Tour Nummer 31) einmal im Sommer bestiegen hat, der wird auch im Winter im Hinterkopf behalten, dass es dort durchaus Spalten gibt. Die Mitnahme einer Lawinennotfallausrüstung wird zu Recht als unabdingbar beschrieben. Die „gehört in jeden Rucksack“. Lassen wir‘s mal als Lapsus durchgehen, denn jedenfalls das LVS-Gerät nützt im Rucksack im Zweifel gar nichts, sondern gehört eingeschaltet körpernah an den Mann oder die Frau.

Fazit:
Trotz der angesprochenen, kleineren Schwächen, die sich bei einer Neuauflage sicherlich leicht verbessern lassen, hat der Autor eine schöne Tourenauswahl zusammengestellt. Sie bietet erfreulicherweise auch häufig die Möglichkeit, mehrere dieser Touren von derselben Hütte aus zu machen. Skitourengeher mit einer gewissen Grundkondition und der Fähigkeit, die Verhältnisse am Gletscher, das Wetter sowie die Lawinenlage richtig einzuschätzen, werden beim Nachgehen dieser Touren sicherlich viel Freude haben.

Für weitere Informationen: Bruckmann Verlag


Buchbesprechung vom 03.02.21 © Gipfelsammler Claus im Forum von Alpic.net

 

"BOULDERN" von Bernd Zangerl



Zum Autor:
Bernd Zangerl wurde 1978 in Flirsch im Arlberg (Tirol) geboren. Von Geburt an von Bergen umgeben, dauerte es nicht lange, bis er von dieser großartigen und scheinbar endlosen Welt aus Gletschern, Schluchten und Gipfeln angezogen wurde. Nach großen Erfolgen im alpinen Klettern, wandte sich Bernd Zangerl schließlich dem Bouldern zu und fand hier seine wahre Leidenschaft.

Zum Inhalt:
John Gill, der Vater des heutigen Boulderns, reflektiert im Vorwort kurz die Entstehung des Boulderns und skizziert dabei wichtige historische Boulder, z.B. Fontainebleaus in den französischen Alpen. Er spannt einen Bogen von seiner eigenen Entwicklung und dem Ende seiner ernsthaften Boulderphase in 1987 bis zur heutigen Popularität, mit der erstmaligen Aufnahme des Bouldern in das Programm der Olympischen Spiele in 2020. Abschließend stellt er Bernd Zangerl als herausragendsten Vertreter dieses Sports gemeinsam mit seinem ersten Boulder-Buch in den Vordergrund.

Bernd Zangerl beschreibt seine Inspiration im gleichnamigen Kapitel und schildert seine Faszination bereits im Jugendalter zu den Büchern von Reinhard Karl. Schnell war klar, dass er die Welt entdecken wollte. Als Schüler nutzte er die Wochenenden um dem Alltag zu entfliehen und lernte durch seinen Freund und Bergführer Peter Grissemann das Klettern. Marmolada-Südwand, Grand Capucin und der heimatliche Wilde Kaiser sind dabei nur einige Stationen wilder Abenteuer.

Seinen ersten "unfreiwilligen" Boulder kletterte Bernd Zangerl 1995, wobei das Wort "Bouldern" noch nicht den heutigen Stellenwert bzw. Bekanntheitsgrad hatte. Das Ereignis fand im Klettergarten Schnann mit der Bewältigung der fünf Meter hohen und stark überhängenden Route "Flatline" statt. Von da an vollzog sich der eigentlich Wandel, weg vom reinen alpinen Klettern hin zum Bouldern, was Ihn jedoch nicht daran hinderte weiterhin in der ganzen Welt unterwegs zu sein.

Mit bewegenden Worten schildert Bernd Zangerl im Kapitel "Projekte und die Kunst des Scheiterns" sein persönlichstes Projekt: Die Rückkehr ins Leben nach einem schweren Sturz. Entgegen der Meinigung der Schulmedizin einer irreparablen Verletzung kämpfte sich Bernd Zangerl - auch und gerade mit Hilfe des Bouldern - zurück in den Alltag.

Bernd Zangerl beschreibt in seinem Buch die Faszination, die das Bouldern auf Ihn ausübt. Im Einklang mit der Natur das Problem oder die Herausforderungen eines Boulder zu lesen, dem sogenannten "Decoding", um manchmal bis zur Erschöpfung in unzähligen Anläufen und gescheiterten Versuchen die Lösung zu finden.

Zitat:" Wenn alles im Fluss ist, Körper und Geist in absoluter Balance, wenn das Denken wegfällt, dann wird Bouldern zum Tanzen. Der Kletterer verschmilzt mit der Materie Fels, alles wird ganz leicht und einfach. Ob der Geist zum Körper wird oder der Körper zum Geist, bleibt schlussendlich auch nur eine Anschauungssache, die jeder für sich selbst finden muss." Zitat Ende.

Bernd Zangerl greift neben aller Schwärmerei aber auch das Thema Nachhaltigkeit auf und macht auf die Schattenseiten des anhaltenden Kletter- Boulderbooms aufmerksam. Weltweit erhöht sich die Anzahl der Frequenz an Outdoor-Sportlern die sich die schrumpfende Fläche in der Natur teilen wollen, was den Druck auf die Umwelt enorm erhöht. Kritisch und ohne rosa Brille beschreibt Bernd Zangerl diese Entwicklung. Hierzu versucht er dem Leser seine Vorstellung und seine Prinzipien von Nachhaltigkeit nahe zu bringen. In einem spannenden beispielhaften Projekt berät Bernd Zangerl die Bewohner im indischen Rakchham, den Bouldertourismus von Anfang an in geregelte Bahnen zu lenken.

In einem weiteren Kapitel porträtiert Bernd Zangerl wichtige Begleiter und Stars der Szene. Angefangen mit John Gill, dem Vater des Bouldern aus den USA. Weiter über Wolfgang "Flipper" Fietz, dem maßgeblichen Boulderpionier aus Deutschland. Erwähnung finden Jacky Godoffe, einer der weltbesten Freikletterer seiner Zeit und die beiden Briten Ben Moon und Jerry Moffatt, mit denen er eine langjährige Freundschaft pflegt. Der Schweizer Fred Nicole, der das Bouldern maßgeblich mit geprägt hat, der unscheinbare aber nicht weniger erfolgreiche Klem Loskot aus Salzburg, die Amerikanerin Lisa Rands als eine der stärksten Boulderinnen der Jahrtausendwende, Dai Koyamada vom japanischen Bouldern, Dave Graham mit unerschöpflichem Enthusiasmus. Die Liste der Portäts vervollständigen Kilian Fischhuber, Nalle Hukkataival, Jimmy Webb, Anna Stöhr, Shauna Coxsey und Ned Feehally, Adam Ondra, Charles Albert, Giuliano Cameroni, Shawn und Brooke Raboutou und zum Abschluss Ashima Shiraishi, bekannt als amerikanisches Wunderkind im Bouldern.

Fazit:
Bernd Zangerl verarbeitet in seinem Werk sehr persönliche Erlebnisse und skizziert dabei seinen eigenen Weg vom alpinen Klettern hin zum Bouldern. Dabei finden viele Wegbegleiter und Stars der Szene ihren entsprechenden Platz in seinen Erzählungen. Man liest viel über den Umgang mit Herausforderungen, von Motivation, Verletzungen und Scheitern. Das alles ist nicht nur anwendbar auf viele Sportarten und das Bouldern, sondern eben auch auf das Leben im Allgemeinen. Gleich mehrere Kapitel sind dem Einstieg ins Bouldern beginnend im Kindesalter bis hin zum Erwachsenen, dem richtigen Trainieren bis zur möglichen Teilnahme an Wettkämpfen gewidmet. Ein weiterer Schwerpunkt ist ein Überblick über die aktuell wichtigsten und bekanntesten Bouldergebieten der Welt. Mit zahlreichen traumhaften Bildern in Hochglanzoptik ist dieses Buch ein Erlebnis für Boulderer, Neueinsteiger und Freunde des Alpinismus gleichermaßen. Empfehlenswerte Lektüre.

Bezugsquellen:
ISBN: 9783711200082, 232 Seiten
2019 Bergwelten, € 24,00

Buchbesprechung vom 09.09.2019 © Wanderpfa.de

 

Wolfgang Schüssel, Sepp Forcher: Es gibt einen Berg für jedes Alter



Vorwort:
Der Weg ist das Ziel: In einer Zeit, wo alle Gipfel bezwungen und alle Wände durchklettert zu sein scheinen, liegt der Fokus auf der Suche nach der inneren Ruhe unterwegs. Persönlichkeiten wie Barbara Stöckl, Sepp Forcher und Wolfgang Schüssel erzählen von der Reise, die man beim Wandern im Inneren durchläuft. Aus ihren Erzählungen wird deutlich, dass sich die Gründe für den Drang nach oben ändern können – gut also, dass für jedes Alter der richtige Berg zu finden ist!

Zum Inhalt:
Das Buch, zu dem der österreichische Altbundeskanzler Wolfgang Schüssel die Illustrationen und einen persönlichen Beitrag beigesteuert hat, wurde vom Bergwelten-Verlag herausgegeben. Es ist auch als E-Book erhältlich. Entscheidet man sich aber für Letzteres, entgeht einem wirklich etwas, denn dieses Buch fühlt sich einfach schon vom Material her richtig gut an. Zudem lädt der illustrativ gelungen umgesetzte Titel dazu ein, das Deckblatt unter verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, um herauszufinden, ob denn wirklich alle Zahlen von 1 bis 99 vorkommen.

Zugegeben, zunächst war es auch der Titel, der mich neugierig gemacht hat. Schließlich schien er Ideen zu versprechen, in welchem Alter man welchen Berg angehen könnte. Doch weit gefehlt. Andreas Lesti, der die erste der 16 Kurzgeschichten unter dem Titel „Der sprechende Berg“ verfasst hat, hält sich noch im Rahmen meiner Erwartung, wenn er die Frage stellt ob man mit Mitte 40 noch zu jung für das Matterhorn ist. Eine Frage, die der Berg selbst beantwortet: „Du musst einen Steinbock im vollen Galopp aus der Bahn werfen können.“ Nicht entscheidend ist also das konkrete Alter, sondern die innere Bereitschaft.

Dies leitet über zu den weiteren Geschichten, die mir ein bisschen wie ein Adventskalender vorgekommen sind. Man weiß nie, was sich hinter dem nächsten Türchen verbirgt. Das kann schlicht ein gewöhnlicher Expeditionsbericht sein, wie der von Alexander Huber über die Besteigung des Wolfszahns. Oder die Geschichte von Ursula Strauss, die zwar in den Bergen spielt, aber letztlich den authentischen Bericht eines achtjährigen Mädchens über einen Skiunfall wiedergibt. Dabei hat sie auch ihre Gedanken zur Verantwortung des Berges für den Unfall zu Papier gebracht. Es können Beschreibungen eines Schülers sein, der mit seinen Eltern, in den Bergen Feuer macht und sodann mit Pfeil und Bogen durch die Gegend läuft und dabei – was wenig glaubwürdig erscheint – an das Leid der Soldaten gedacht haben will, die dort im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben.

Die Essays zeigen aber nahezu durchgängig eine große Liebe zu den Bergen auf. Dabei erscheinen immer wieder philosophische Ansätze, über die es sich lohnt, nachzudenken. So der Gedanke von TV-Journalistin Barbara Stöckl, wenn sie schreibt „Der Aufstieg auf einem Berg ist ja immer wieder symbolhaft für das Fortschreiten des eigenen Lebens. Mit jedem Schritt wird es beschwerlicher, aber die Aussicht, der Überblick wird größer, weiter.“ Oder der interessante Gedanke von Expeditionsbergsteigerin Gertrude Reinisch-Indrich: „… Und so mancher weniger berg-affine Partner wurde enttäuscht, weil die Liebe zu den Bergen beständiger sein kann als alles andere.“ Und diese Liebe zu den Bergen gipfelt in der beschriebenen Mammuttour einer Umrundung Österreichs auf den Grenzen zu seinen acht Nachbarländern (143 Tage überwiegend zu Fuß unterwegs über 3800 km und 154.000 Höhenmeter). Trotz eines wirklich tragischen Momentes eine wunderbare und spannende Erzählung.

Umkehren statt weitergehen ist ein Thema in den Beiträgen von Klaus Haselböck und Axel Naglich. In beiden Geschichten siegt die Vernunft. Dabei ist es einmal der Verlust einer Wasserflasche, der eine Durchquerung des Toten Gebirges unmöglich macht. In der anderen Story sind es eher Wegfindungsschwierigkeiten, die ein Scheitern des ersten Besteigungsversuches der Ortler-Nordwand schon zu Beginn der Geschichte vorausahnen lassen. Schön finde ich auch die Geschichte von Johanna Doderer, die sehr plastisch zeigt, wie herrlich Gedanken auf einer Wanderung abschweifen können. Sie unternimmt zweimal die gleiche Tour im Abstand von 25 Jahren, was bei ihr Erinnerungen von sehr prägenden Ereignissen in ihrem Leben zutage fördert. Und fast schon tröstlich ist auch die Erkenntnis am Ende des Beitrags von Hans Gasperl, mit Jahrgang 1944 der älteste Autor, wenn man vom Schreiber des Vorworts absieht. Er beschreibt das Glücksgefühl, in seinem Alter durch paradiesische Landschaften wandern zu können und schließt mit den Worten: „Wenn es im versprochenen himmlischen Paradies auch annähernd so schön ist wie hier in den Tauern, dann sind die Aussichten nicht schlecht.“

Fazit:
Es liegt somit eine bunte Sammlung von lesenswerten Geschichten verschiedener Autoren unterschiedlichen Alters vor. Langweilig ist es mir beim Lesen jedenfalls nicht geworden.

Bezugsquellen:
ISBN: 9783711200235, 214 Seiten
2020 Bergwelten, € 20,00

Buchbesprechung vom 30.12.2020 © Gipfelsammler Claus

 

 

"Nur der Berg ist mein Boss" von Christoph Hainz



Zum Inhalt:


Christoph Hainz? Nie gehört! Wie gibt es das, obwohl Hans Kammerlander im Nachwort über ihn sagt "An Dir hat mir stets Deine Vielseitigkeit und die Professionalität imponiert, mit der Du in jedem Gelände unterwegs warst." Und einen Kammerlander zu beeindrucken, dazu gehört ja wohl schon einiges. Und das nächste Bemerkenswerte ist das Vorwort. Es stammt immerhin von keinem Geringeren als Frank-Walter Steinmeyer, seines Zeichens Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland und seit Jahren Kunde des Bergführers Christoph Hainz.

Das macht neugierig auf den Menschen, der sich hinter dem Namen verbirgt. Und das ist etwas, das gut gelungen ist, den Menschen zu beschreiben, dessen Lebensweg im Mittelpunkt des Buches steht. So werden in den ersten Kapiteln die Ursprünge des Bergbauernkindes aus einem Seitental des Tauferer Ahrntals beschrieben und das Entstehen seiner Leidenschaft zu den Bergen.

Man versteht, warum so ein Mensch kein Lawinen-3x3 braucht. Allein durch die Beobachtung der gegenüber liegenden Berge sammelt sich im Laufe der Jahre so viel an Erfahrung an, dass das Erkennen der Gefahr in Fleisch und Blut überzugehen scheint - faszinierend.

Heimatverbunden und bodenständig, so präsentiert sich Christoph Hainz zunächst, bis ihn Sturm und Drang aus der Südtiroler Heimat hinausführen. Wirklich packend liest sich die Beschreibung seiner Erlebnisse in der Eigernordwand. Und nicht zu vergessen: die dazu gehörenden Bilder. "Magic Mushroom" nennt er seine Route; warum, das erschließt sich angesichts wirklich großartiger Aufnahmen von selbst.

Das letzte Kapitel über waghalsige Eisklettereien in Südtirol beeindruckt mich dann nur noch von den Fotos her. Eine der Bildunterschriften bringt es dann doch ganz gut auf den Punkt : "Ice is nice oder doch ein paar Schrauben locker? Das ist die Frage ...."

Fazit:
Am amüsantesten zum Lesen finde ich eines der eingestreuten Interviews und zwar das mit seiner Lebensgefährtin. Und die macht eines deutlich: Nicht der Berg ist der Boss, sondern Christoph Hainz' Leidenschaft, die ihn immer wieder und immer noch zu wirklich beeindruckenden Höchstleistungen anspornt. Ein Mensch und Bergführer mit dem man gerne einmal unterwegs sein möchte, am liebsten in den Drei Zinnen.

Eine wirklich empfehlenswerte Urlaubslektüre mit teils Wahnsinnsbildern.

Bezugsquellen:
ISBN: 9788870739312, 272 Seiten
2019 Tyrolia Verlag / Athesia Tappeiner Verlag, € 24,90 (Hardcover)

Buchbesprechung vom 23.07.19 © Gipfelsammer Claus im Forum von Alpic.net