"Wege in die Vergangenheit" von Christine Zucchelli

Das Buch "Wege in die Vergangenheit - 55 Kulturwanderungen zwischen Arlberg und Großglockner" von Christine Zucchelli ist 2014 im Tyrolia Verlag Innsbruck erschienen.

Die Autorin
Christine Zucchelli, geboren in Hall in Tirol, studierte Europäische Ethnologie und Sprachwissenschaften in Innsbruck und Dublin und verbindet als freischaffende Autorin kulturwissenschaftlicher Bücher ihre Freude am Wandern und Reisen mit der Leidenschaft für Erzähltraditionen, Literatur und Fotografie.
Sie verfasste bereits 2011 gemeinsam mit Daniela Deutsch einen Kulturwanderführer über das Außerfern : Außerfern : Sagen und Mythen entdecken.

Inhalt:
Ein umfangreiches Werk ist hier entstanden, laut Aussage der Autorin ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber beeindruckend, diese Fülle an kulturgeschichtlichen Hintergründen des Tiroler Landes.

Aufbau des Buches
Im Klappentext werden die 55 Kulturwanderungen namentlich aufgelistet und auf einer Übersichtskarte gebietsübersichtlich vorgestellt. Dabei sind die Touren auf Tirol und Osttirol gleichmäßig verteilt. Etwa ein Drittel der Touren bewegt sich im Schwierigkeitsbereich Blau, der größere Anteil im Schwierigkeitsbereich Rot der Tiroler Wanderwegeklassifizierung. Die literarisch anmutenden Titel der Touren verleiten zum Stöbern und Querlesen und geben Hinweis auf die einzelnen Themen. Zunächst gibt es eine Einweisung in den Gebrauch des Führers, speziell die Anforderungen und Alpinen Gefahren betreffend, mit Tips zum richtigen Verhalten im Gebirge, Hinweisen und den wichtigsten Telefonnummern für den Notfall, das Wetter oder den ÖPNV.
Man muss bedenken, daß zur Interessentengruppe sicher nicht nur eingefleischte Bergwanderer gehören, sondern auch speziell kulturgeschichtliche Personen mit weniger Erfahrung die Wege nachvollziehen möchten, sodaß diese Hinweise sicher doppelt Sinn machen.
Es folgt eine Zeittafel auf einer Doppelseite, die den Bogen von ca 33000 Jahren v.Chr. bis 1998, dem Jahre der Gründung Europaregion Tirol- Südtirol- Trentino schlägt. Eine 16-seitige Abhandlung zur Geschichte Tirols folgt, mit den wichtigsten Abschnitten der bewegten Zeiten, bebildert und gut verständlich für den Laien dargestellt.

Nun folgen die Tourenbeschreibungen , übersichtlich nach Landesabschnitten gegliedert , da sind : Innsbruck Umgebung, Außerfern, Tiroler Oberland, Tiroler Unterland und Osttirol.
Jeder Tour ist ein Kasten vorangestellt, der eine grafische Streckenangabe mit Zeitbedarf und Höhenmetern im Auf-und Abstieg beinhaltet, die einzelnen Streckenabschnitte integriert. Dazu folgen Infos zum Schwierigkeitsgrad, zur Wegbeschaffenheit, Einkehrmöglichkeiten, Verkehrsanbindung, speziellen aktuellen Infos und Adressen der Tourismusinformationen und Sehenswürdigkeiten.
Im Fließtext wird der Wegverlauf beschrieben, leicht verständlich und ausführlich. Zu den einzelnen Streckenabschnitten folgen Hinweise zur Geschichte des Weges. Sehenswerte Einrichtungen werden ebenfalls beschrieben, sodass einem auf der Tour nichts entgehen kann. In grün unterlegten weiteren Kästen wird zudem ein wichtiger Baustein der Geschichte gesondert behandelt, mit Originalzitaten versehen und reich bebildert. Letztendlich sind die Wegstrecken auf den Karten des BEV- Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen in Wien eingezeichnet. Es werden Varianten angeboten, ja nach Zeitbedarf und /oder anderen Einschränkungen.

Fazit:
Eine sehr beeindruckende Sammlung von lesenswerten geschichtlichen Informationen, ideal zusammengefasst und gebündelt. Manches Thema ist einem aufmerksamen Wanderer schon mal hier oder da begegnet, hier kann man alles nachlesen! Es ist spannend, sich mit den einzelnen Berichten zu beschäftigen, weil der Inhalt auch leicht zugänglich und schön bebildert dargestellt wird. Christine Zucchelli entführt uns in raue Zeiten von Brandopfern als Göttergaben, ins Reich der Steinzeitjäger, erzählt die bewegende Geschichte der Schwabenkinder, des Schafabtriebs der Schnalstaler Bauern, von Römerwegen und Salzstraßen und viel mehr. Die Autorin hat unglaublich liebevoll diese Ereignisse gesammelt und nachvollzogen, in handliche Touren verpackt und uns ein Paket geschnürt, das sicher für jeden das Seinige bietet : vom interessierten Spaziergang zur fordernden Bergtour, wobei der Hauptaspekt jederzeit dem kulturgeschichtlichen Ereignis gilt. Es ist eine Möglichkeit, die Landschaft mit anderen Augen zu sehen, auch zu erkennen, daß es eben oft eine Kulturlandschaft ist, vom Menschen bearbeitet und verändert, so wie sie sich uns heut darstellt und dem Unwissenden oft eine unberührte Landschaft vorgaukelt. Aber auch in den Weiten des Ötztals ist nachvollziehbar, wie wenig sich wiederum z.T. verändert hat, in Gebräuchen, und wie die Natur den Takt vorgibt. Zielgruppe : Jeder interessierte Mensch, der mit offenen Augen durchs Tiroler Gebirge wandert oder das Inntal bereist. Altersmäßig gibt es keine Einschränkungen, gerade auch für Kinder sind die Touren äußerst spannend , wenn man sie mit ihnen gemeinsam erkundet.

Diese Wurzeln zu entdecken macht sicher nicht nur der Autorin Spaß : wenn man in der einen oder anderen Gegend zugange ist, macht es Sinn, noch einmal einen Blick in dieses Kompendium zu werfen, um einen Aufenthalt auszuschöpfen. Auch wenn man die Touren nicht genau abläuft, ist es dennoch interessant, die Spuren zu verfolgen und das Ganze nachzulesen. Genauso kann man sich natürlich auch gezielt Touren heraussuchen und dorthin reisen. Ein vielseitiges Buch - sehr zu empfehlen !

Persönlich bin ich nun bislang noch keine Tour direkt nachgewandert, aber es gibt einige Stationen, an denen ich schon vorbeigekommen bin und deswegen besonders interessiert war, ich würde aber das Buch wie in dem oben beschriebenen Sinn verwenden : Komme ich nach Osttirol oder ins Tiroler Unterland, werfe ich einen Blick in diesen Kulturwanderführer und würde ihn als Informtionsgrundlage nutzen und wenn die Umstände passen, bestimmt auch mal Wegabschnitte anschauen.

05/2014, Tyrolia Verlag Innsbruck ISBN: 978-3-7022-3339-6, 288 Seiten, € 24,95
Für weitere Informationen: Tyrolia Verlag Innsbruck


Buchbesprechung vom 06.12.14 © Alpineblau vom Alpic.net/forum