"Lächeln gegen die Kälte - Geschichten aus dem Himalaya" von Rudolf Alexander Mayr

Das Buch "Lächeln gegen die Kälte-Geschichten aus dem Himalaya" von Rudolf Alexander Mayr ist aktuell im Tyrolia Verlag Innsbruck erschienen.

In 22 Kurzgeschichten beschreibt der Himalaya erfahrene Autor Menschen, denen er dort begegnet ist. Menschen, die auf die eine Art und Weise ganz anders sind wie wir, die aber in mancherlei Hinsicht von den gleichen Wünschen und Sehnsüchten getrieben werden wie der westlich geprägte Mensch.

Sehr persönlich, ausgesprochen authentisch, weil selbst erlebt, sind Mayrs Geschichten und vielleicht ist das der Grund, dass sie einem durchaus unter die Haut gehen können. Hier wird nichts erdacht, nichts beschönigt. Mayr beschreibt die Menschen so, wie sie ihm begegnet sind, unverfremdet, echt.

Neben Geschehnissen, die einfach nur tragisch sind, wie das eine oder andere Unglück am Berg, gibt es solche, die auf den ersten Blick sehr skurril wirken, bei näherem Hinsehen aber einen tieferen Blick in die Seele und Denkweise der Menschen zulassen. So schildert Mayr zum Beispiel ein sogenanntes Luftbegräbnis, bei dem der tote Körper eines Lama den Vögeln des Himmels „zurückgegeben“ wird. Das Herz des Toten holt sich ein riesiger schwarzer Geier mit einer Flügelspannweite von 13 Metern. Das klingt nach Fantasy, ist es aber nicht als solche gedacht; jedenfalls gelingt es Mayr, die Szene so darzustellen, dass man am Wahrheitsgehalt der Schilderung nicht zweifeln möchte.

Manche der kleinen Erzählungen erinnern durchaus an Lebensgeschichten, wie sie sich auch bei uns jederzeit in ähnlicher Weise ereignen könnten. So gibt sich eine Vielzahl handelnder Personen immer wieder dem Alkohol in Form von Tschang, Dong Tschang, Tomba und Rahksi hin. Insoweit besteht kein Unterschied zu alpinen Bergsteigern und Bergführern, die auch allzu gerne mal auf einen Gipfelsieg anstoßen. Besonders tragisch ist der Fall des vom König hochdekorierten siebenfachen Everest-Bezwingers Sundare, der zunehmend dem Suff verfällt, am Schluss alles verliert und sich letztlich von einer Brücke stürzt.

Fazit: Wer sich für menschliche Schicksale gerade vor dem Hintergrund eines immer stärker zunehmenden Tourismus und dessen Auswirkungen auf die Menschen vor Ort interessiert, wird sein Vergnügen an dem Büchlein haben. Zur Pflichtlektüre für Himalayatouristen wird es sich jedoch kaum entwickeln. Dennoch: Aktuell ist die Grundthematik allemal; man braucht nur an das aktuelle Unglück am Everest denken, bei dem etliche Sherpas ihr Leben für die trügerische Sicherheit von Touristen gelassen haben, die selbst ohne fremde Hilfe niemals in der Lage wären, einen 8000er zu besteigen.

2014, Tyrolia Verlag Innsbruck ISBN 978-3-7022-3337-2, 208 Seiten, € 17,95
Für weitere Informationen: Tyrolia Verlag Innsbruck


Buchbesprechung vom 13.06.2014 © Gipfelsammler Claus vom Alpic.net/forum