"Die Bayerischen Alpen für Gipfelsammler" von Thomas Bucher

Das Buch "Die Bayerischen Alpen für Gipfelsammler" von Thomas Bucher ist im März 2014 im Bruckmann Verlag (J. Berg Verlag) erschienen.

Berggipfel haben die Menschheit seit eh und je beeindruckt. Und wer einmal einen Gipfel bestiegen hat, wird immer wieder von der Faszination einer Gipfeltour gepackt werden, so dass die erste wohl nicht die letzte Wanderung bleiben wird. Irgendwann möchte man immer mehr Gipfel besteigen, immer neue Touren kennen lernen und Ausblicke genießen. Schließlich wird man zu einem echten Gipfelsammler. Thomas Bucher stellt in seinem Buch "Die Bayerischen Alpen für Gipfelsammler" 30 Touren auf über 90 Gipfel vor. Der Autor, Jahrgang 1968, arbeitet als Ressortleiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Alpenverein und ist sowohl als Bergsteiger als auch als Kletterer in den Alpen und anderen Gebirgen weltweit unterwegs.

Das Buch unterscheidet sich in vielen Punkten von anderen Bergbüchern. Schon das Titelbild ist auffallend. Während Wanderführer normalerweise mit einem Foto von einem Berg oder einem Gipfelausblick auf sich aufmerksam machen, wird der Leser dieses Buches vom Cover von einem jungen Bergwanderer mit Tiroler Hut, Sonnenbrille und Dreitagebart angelächelt. Der Untertitel "Die 30 schönsten Touren mit Gipfelglück-Garantie" könnte falsch interpretiert werden. Wer die vorgestellten Gipfel erreicht, dem wird sicherlich das Gipfelglück garantiert. Dennoch darf der Untertitel nicht so gedeutet werden, dass in dem Buch Touren für jedermann vorgestellt werden, die allen Wanderern ein Gipfelglück garantieren, denn viele Touren haben es wirklich in sich, die anspruchsvollsten verlangen Kletterei im II. Schwierigkeitsgrad.

Eingestimmt wird der Leser mit einem Vorwort, in dem sich wohl jeder Bergwanderer wiederfindet, und einer Einführung, in der Tipps zu den Touren und unter anderem auch zur Ausrüstung gegeben werden. Dabei gibt der Autor allen trittsicheren Bergsteigern den Ratschlag, während der Touren knöchelhohe Schuhe zu tragen. Dies unterstreicht er mit einigen Fotos, auf denen er beispielsweise beim Aufstieg auf die Lamsenspitze, einem respektablen Felsgipfel im Karwendelgebirge, in Halbschuhen zu sehen ist. Eine fragwürdige Einstellung! Ich halte diesen Hinweis für sehr fahrlässig. Aus Sicherheitsgründen ist es empfehlenswert, auf allen in diesem Buch vorgestellten Bergtouren stabile Wanderschuhe zu tragen, egal, ob man erfahrener Bergsteiger oder Anfänger ist. Schon beim Lesen der Einführung fällt gleich der nächste Unterschied zur "herkömmlichen Bergliteratur" auf: Die meisten Bergbücher sind im "Wir-Stil" verfasst, was teilweise etwas angestaubt wirkt. Günther Laudahn siezt seine Leser sogar in seinen Werken ganz höflich. Im Gegensatz dazu wird man in Thomas Buchers Wanderführer mit "Du" angesprochen. Dadurch erscheinen die Texte sehr lebendig, man kann sich als Leser wunderbar in das Geschriebene hineinversetzen und das Lesen macht einfach nur Spaß. Die Auswahl der Touren hat jedoch vieles mit denen von Günther Laudahn gemeinsam.

Thomas Bucher stellt überwiegend Rundwanderungen vor, oft auf einsame Gipfel in den Bayerischen und angrenzenden Tiroler Alpen, aber auch auf bekannte Berge, wobei er dann in der Regel weniger bekannte, teilweise auch weglose Aufstiege präsentiert. Die Reihenfolge der vorgestellten Touren orientiert sich am Schwierigkeitsgrad. So ist Tour 1 (Hirschberg) die einfachste im Buch vorgestellte Wanderung, Tour 30 (Watzmann-Überschreitung) die schwierigste. Die Tourenbeschreibungen beschränken sich auf das Nötigste. Teilweise werden – gerade bei den einfacheren Touren – Aufstiege in nur wenigen Sätzen beschrieben. Auch hier sei noch einmal auf den angenehmen Schreibstil des Verfassers hingewiesen, mal mit einem Schuss Ironie, mal mit etwas "Denglisch", aber immer so, dass man sich als Leser die Tour sehr gut vorstellen kann. Ergänzt werden die Erklärungen durch kurze Steckbriefe, wie man sie üblicherweise in Bergliteratur findet, sowie durch Wanderkärtchen und Fotos. Auf einigen Bildern sind der Autor und seine Begleiterin jedoch eher als Jogger anstatt als Wanderer dargestellt, wodurch der Eindruck entsteht, dass das Gipfelsammeln mit dem Gipfelabhaken verwechselt wird. Passend dazu gibt es hinten im Buch eine Gipfelliste, in der man tatsächlich die erreichten Gipfel abhaken kann.

Fazit: Thomas Buchers Bergführer "Die Bayerischen Alpen für Gipfelsammler" richtet sich an alle Bergbegeisterte, die gerne Touren zwischen den Allgäuer und Berchtesgadener Alpen unternehmen, ganz unabhängig davon, ob sie Anfänger oder Erfahrene sind. Durch seine lebendige Schreibweise unterscheidet sich das Buch in positiver Weise von anderer Bergliteratur. Alleine das Lesen der Tourenbeschreibungen, die alle wichtigen Informationen zu den jeweiligen Wanderungen enthalten, weckt die Lust, weitere Gipfel zu sammeln. Gerne mehr davon!

03/2014, J.Berg Verlag ISBN 978-3-86246-346-6, 144 Seiten, € 17,99
Für weitere Informationen: Bruckmann Verlag


Buchbesprechung vom 13.04.2014 © Chris vom Alpic.net/forum