"Herbert Tichy: Das Leben als Reise"

Das Buch "Herbert Tichy: Das Leben als Reise" vom Verein Menschenwege – Götterberge ist im Tyrolia-Verlag Innsbruck erschienen.

In unserer heutigen Zeit, in der viele Wege schon begangen sind, fällt es nicht so leicht, den Pioniergeist früherer Abenteuerreisender wirklich nachzuempfinden. Herbert Tichy war so ein Pionier. 2012 wäre er 100 Jahre alt geworden. Aufsehenerregend war seine Motorradreise über 13000 km auf dem Landweg nach Indien mit einer 6 PS-starken Puch Anfang der 30er Jahre, seine heimliche Umrundung des heiligen Bergs Kailasch, verkleidet als indischer Pilger und nicht zuletzt die Erstbesteigung eines Achttausenders, des Cho Oyu.

Herausgegeben wurde das Buch vom Verein Menschenwege-Götterberge, dessen Aufgabe darin besteht, die Erinnerung an Herbert Tichy wachzuhalten. Dies gelingt auch durch eine intensive Annäherung an den Menschen Herbert Tichy und zwar von verschiedenen Seiten:

Zunächst zeichnet Ulrich Wörz auf etwa 110 Seiten ein Lebensbild, wie man es sich häufiger bei Biographien wünschen würde: keine bloße Aneinanderreihung von Daten und Ereignissen, sondern ein spannend gehaltener Bericht, gespickt mit vielen Originalzitaten von Herbert Tichy und illustriert mit persönlichen Dokumenten und Fotos. Gerade die Zitate aus den Büchern Tichys zeigen, wie zeitlos, wie aktuell seine Berichte auch in der heutigen Zeit sind. So charakterisiert er etwa Afghanistan: "...Ein Land, in dem schon kleine Kinder scharfgeladene Gewehre tragen und in dem noch das heilige Gesetz der Blutrache gilt." Die Lebens- und Essensgewohnheiten der Inder beschreibt Tichy in einer Klarheit, dass man meint, man würde selbst dieselbe kulinarische Erfahrung machen: "Der Anfänger, der zum ersten Mal ein Tschilligericht isst, hat dasselbe Gefühl, als ob man seine Zunge mit einem schartigen Rasiermesser abgezogen hätte und darauf ein Gemisch von Paprika, Pfeffer und Spiritus verbrennen würde." So entsteht nach und nach nicht nur ein Bild eines von Abenteuerlust getriebenen Reisenden, sondern auch das eines begnadeten Autors, der zielsicher Sprache und Stilmittel einzusetzen vermag.

Im zweiten Teil, "Begegnungen und Erinnerungen", kommen nun viele zu Wort, die unmittelbare Erfahrungen mit Herbert Tichy gemacht haben und die hier den einen oder anderen sehr individuellen Einblick in die Persönlichkeit Herbert Tichys ermöglichen. Besonders gefällt mir der Beitrag von Susanne Hochwälder, die Tichy nach seiner Besteigung des Cho Oyu eigentlich deshalb aufsucht, um ihn für eine Werbekampagne für Sonnenöl gegen "himalayischen Sonnenbrand" zu gewinnen. Schön ist auch Wolfgang Friedls Bericht, in dem er – ganz und gar Fan Herbert Tichys - beschreibt, wie er im Jahre 1971 mit einem Motorrad auf dessen Spuren wandelte.

Ein Anhang mit Briefen, Literatur, Lebensdaten, eine Auflistung der 25 Bücher Tichys und ein Personenregister runden das Werk ab. Das Buch verlangt ist eine umfangreiche Hommage an Herbert Tichy und wird diesem Anspruch auch voll und ganz gerecht. Es eignet sich aber auch ganz hervorragend als Lektüre für einen geruhsamen Urlaub. Dann kann man die Gedanken schweifen lassen auf den Spuren eines Pioniers und Abenteurers und nicht zuletzt auch Bergsteigers.

2012, Tyrolia Verlag Innsbruck, ISBN-13: 978-3-7022-3172-9, 271 Seiten, 24,95 €
Für weitere Informationen: Tyrolia Verlag Innsbruck


Buchbesprechung vom 20.06.2012 © Gipfelsammler (Claus) vom Alpic.net/forum