"Knut Jakubetz: Näher am Himmel - Die schönsten Bergwallfahrten in Bayern, Österreich und Südtirol"

Das Buch "Näher am Himmel - Die schönsten Bergwallfahrten in Bayern, Österreich und Südtitol" von Knut Jakubetz ist im Tyrolia-Verlag Innsbruck erschienen.

Der Autor, der sich selbst lediglich als leidenschaftlichen Bergsteiger und Fotograf beschreibt, stellt insgesamt 42 Touren vor, die zu Gnadenorten in Österreich, Südtirol und Bayern führen. Die bayerischen Wallfahrtsorte sind allerdings räumlich allesamt im südostbayerischen Raum gelegen, so dass der Untertitel insoweit nicht ganz passend erscheint. Aber vielleicht gibt es ja westlich von Rosenheim keine Wallfahrtsorte, zumindest keine, die zu den Schönsten zählen. Wenn ich allerdings an die vielen schönen Kirchen und Klöster im Pfaffenwinkel denke, könnten da schon Zweifel aufkommen …

Der Titel selbst macht neugierig darauf, ob sich durch eine andere Form der Annäherung an den Berg als durch das herkömmliche Bergsteigen auch andere, womöglich tiefgründigere Erfahrungen machen lassen. Zumindest lässt sich schon darüber herrlich philosophieren: Ist man auf Wallfahrtspfaden dem Herrgott wirklich näher oder wird hier wieder nur einmal mehr „sky“ mit „heaven“ gleichgesetzt, weil unsere deutsche Sprache nicht mehr hergibt?

Gegliedert sind die 42 Tourenvorschläge alle in gleicher Weise. Am Anfang steht jeweils ein übersichtlich gestalteter Infokasten mit Informationen über Anfahrt, Ausgangspunkt, Wegverlauf, Höhenunterschied und Gehzeit, eine Bewertung der Schwierigkeit, die „beste Jahreszeit“ und manchmal auch ein Tipp, der z.B. Hinweise auf besondere Veranstaltungen vor Ort gibt. Für jede Tour ist auch eine Übersichtskarte abgedruckt, die im Zweifel eine topografische Karte nicht entbehrlich machen wird. In den Text selbst sind meist mehrere Farbfotos eingearbeitet. Ist mir die Angabe der Gesamtgehzeit bei einer Rundtour klar, so ist das für Touren mit Anfangs- und Endpunkt nicht der Fall. Muss der gleiche Weg zurückgegangen werden oder gibt es andere Möglichkeiten? Hier vermisse ich Hinweise auf Rückkehrmöglichkeiten wie Bus, Bahn, Taxi, zweites Auto. Hilfreich wäre auch eine Übersicht der Touren nach Anforderung bzw., Höhenmeter, damit die Vorauswahl ohne Durchblättern des Buches erfolgen kann.

Das wäre durchaus wichtig, denn wer angesichts der oft auch recht niedrig gelegenen Gotteshäuser meint, es seien nur Touren für Ältere oder Kranke angeboten , irrt, denn oftmals führt der beschrieben Weg über sehr alpineres Gelände. So ist zwar beispielsweise Ausgangspunkt der Tour 17 auf 1007m und der Endpunkt auf 914m und könnte bequem mit dem Auto erreicht werden, der beschriebene Pfad geht aber über die 2103m hohe Tauernscharte und lässt die Möglichkeit der Besteigung dreier – noch höherer Gipfel zu. Die Anstiege summieren sich gar auf insgesamt 1670m, so dass sich eine respektable Tour ergibt. Auch eine Besteigung des Dachsteins, der Serles oder des Berchtesgadener Hochthrons werden mit dem Besuch der Wallfahrtskirchen verbunden. Die beschriebenen Touren können also durchaus gewisse bergsteigerische Fertigkeiten und vor allem Kondition erfordern. Lässt sich die eine Tour in 2 Stunden nahezu ebenerdig begehen, so dauert eine andere mehrere Tage und überwindet große Höhenunterschiede. Eindrucksvoll ist die beschriebene Wallfahrt in Tour 25 („Vierbergelauf“), an der der Autor teilgenommen hat. Hier waren in 12 bis 16 Stunden immerhin 2000 Höhenmeter zu überwinden und zwar auf einer Strecke von über 50km. Von der Tourenauswahl her ist also sicher für jeden etwas dabei.

Abgerundet wird das Buch durch ein Literaturverzeichnis, das eine weiterführende Beschäftigung mit einzelnen Zielen oder Themen ermöglicht. Auch gibt es eine grobe Übersichtskarte im Umschlag und ein Ortsregister. Was fehlt ist ein Stichwortverzeichnis mit den Wallfahrtskirchen und den Gipfeln. Wer sich von dem Buch Wegbeschreibungen wie in einem Führer erwartet, mag durchaus etwas enttäuscht werden. Der Autor beschreibt zwar auch ein wenig den Weg. Weitaus mehr erzählt er aber über von ihm selbst durchgeführte Begehungen. Daran habe ich mich erst etwas gewöhnen müssen, denn es finden sich durchaus Sätze, die dem künftigen Begeher nicht viel weiterhelfen wie etwa “Sonne, Wind und Regen wechseln in schöner Regelmäßigkeit und geben dem Wetterbericht leider recht“ oder „Keine Wolke trübt meinen Gipfelblick“ oder auch „Die Sonne spitzt nur noch selten zwischen den dicke Regenwolken hervor“. Andererseits bieten subjektiv geschilderte Erlebnisse viel eher die Möglichkeit des Sich-Hinein-Denkens, des Nachempfindens, so dass viele Begegnungen mit Menschen, die der Autor schildert, sehr plastisch und real wirken. Sehr nett fand ich die Episode der 91jährigen, die sich um einen noch unverheirateten Sohn sorgt. Auch ist natürlich auch eine Beschreibung der Wettersituation notwendig um manches spirituelle Erlebnis nachvollziehbar zu beschreiben. So etwa, wenn der wetterbedingte Abbruch der Tour zu einer Entschleunigung führt, wie wir neudeutsch sagen und dadurch die Ruhe des Gnadenortes den Autor erfüllt.

Geschickt eingearbeitet ist stets die Geschichte des jeweiligen Wallfahrtsortes und die Beschreibung von Wallfahrtsbräuchen wie z.B. das Umschreiten der Kirche, wie es mancherorts üblich ist. Hier lässt sich viel Wissenswertes erfahren ohne dass es dem Leser langweilig wird.

Insgesamt ist das Buch gut geeignet, demjenigen, der sich auf Wallfahrtswegen bewegen will eine sinnvolle Vorauswahl zu ermöglichen. Für die eigentliche Durchführung der Tour wird es hingegen eher weniger gebraucht. Es ist mehr ein anregendes Lesebändchen, das man sicherlich auch gerne nach der einen oder anderen Tour wieder zur Hand nehmen wird, um die eigenen Erlebnisse und Erfahrungen mit denen des Autors zu vergleichen.

Das Ziel nicht im Gipfel zu sehen, fällt mir persönlich nicht leicht, aber wenn man beides gut verbinden kann, wie etwa bei der Tour 18 die Dachsteinbesteigung mit dem Besuch der kleinen Wallfahrtskirche in Filzmoos, könnte das durchaus eine interessante Erweiterung der Möglichkeiten sein. Der frühere Innsbrucker Bischof Reinhold Stecher hat in seinem vor gut zwanzig Jahren ebenfalls bei Tyrolia erschienenen Buch „Botschaft der Berge“ den bekannten Satz geprägt: „Viele Wege führen zu Gott, einer geht über die Berge“. Wem dies als Motto dienen kann, wird sich gerne von Jakubetz‘ Touren anregen lassen.

2012, Tyrolia Verlag Innsbruck, ISBN-13: 978-3702231682, 232 Seiten, 19,95 €
Für weitere Informationen: Tyrolia Verlag Innsbruck


Buchbesprechung vom 05.04.2012 © Gipfelsammler (Claus) vom Alpic.net/forum


"Uli Auffermann: Im Schatten der Nordwand: Triumph und Tragödie an Matterhorn - Eiger - Grandes Jorasses"

Das Buch "Im Schatten der Nordwand: Triumph und Tragödie an Matterhorn - Eiger - Grandes Jorasses" von Uli Auffermann ist im Bruckmann-Verlag erschienen.

Auf was darf man bei diesem Buch gespannt sein? Nun, nachdem ich das Buch aus der Hand gelegt habe kann ich nur sagen: Der Mythos "unbezwingbarer" Berge ist nachwievor lebendig. Autor Uli Auffermann, den mit Anderl Heckmaier, einem der Erstbesteiger der Eiger Nordwand, bis zu seinem Tode in 2005 eine langjährige persönliche Freundschaft verband, widmet in seinem neuesten Werk zunächst viele Seiten den einstigen Pionieren und Helden alpiner Großtaten. Alle standen damals vor der Herausforderung, die "letzten Probleme der Alpen" (Zitat Anderl Heckmair) anzugehen - und das nach Möglichkeit noch vor den Anderen. Gemeint waren und sind bis heute die lange Zeit als unbezwingbar geglaubten Nordwände von Eiger, Matterhorn und Grand Jorasses. In seinem Buch spannt der Autor den Bogen vom sprichwörtlichen Drang der Bergvagabunden der Jahrhundertwende des 18./19. JH nach alpinen Herausforderungen, über erfolgreiche aber auch gescheiterte Erstbesteigungen in den 1930ern bis hin zur Gegenwart zu den heutigen Ausprägungen des Profi- u. Amateur-Alpinismus, der sich in Stil, Schnelligkeit und Schwierigkeitsgrad deutlich von damals abhebt.

Geschickt paart der Autor dabei Chroniken und Porträts der Protagonisten mit spannenden Berichten und Überlieferungen von Zeitzeugen in den einzelnen Kapiteln. Diese sind übersichtlich und schematisch aufgebaut: Von den Versuchen, über ein Kapitel der Erstbegehungen, zu den Wiederholern, Alleingängern und Frauenbegehungen, gelangt der Leser zu Winterbesteigungen. Ein Kapitel ist den großen Dramen und Unfällen an den drei Wänden gewidmet. Man denke dabei an das tragische Schicksal der Seilschaft um Toni Kurz in der Eiger Nordwand im Juli 1936 oder die erfolgreiche Rettung von Claudio Corti im August 1957. Der Autor geht dabei auch auf den selbstlosen Einsatz der Bergretter ein und spannt einen Bogen der Entwicklungsgeschichte der Bergrettung bis heute.

Ein weiteres Kapitel handelt von den Anstrengungen und Unternehmungen ambitionierter Amateure und (Normal-)Bergsteiger an den drei Wänden bis in die heutige Zeit. Danach folgt der Autor den Spuren der erfolgreichen Bergsteiger, die die Nordwände als Prüfstein für die Besteigung weiterer Weltberge im Himalaja nutzten.

Ein weiteres Kapitel ist der Statistik und weiteren Porträts geschuldet: "Schnell und schwer - Profis, Stile und Rekorde". Das letzte Kapitel des spannenden Werkes beleuchtet die Art der Auseinandersetzung der heutigen Bergjugend mit den Nordwänden.

In der Mitte des Buches hat Uli Auffermann auf mehreren Seiten eine beachtliche Sammlung von Fotografien quer durch die Geschichte rund um die drei Nordwände zusammengestellt. Beim Anblick der damaligen Ausrüstung der Bergsteiger und dem Wissen, dass diese oft über mehrere Tage in der Wand biwakierend festhingen, steigt natürlich nochmals der Respekt und die Hochachtung vor der Leistung dieser bergsteigenden Pioniere. Dabei kann sich jeder selbst ein Bild machen, wie hoch die damaligen Leistungen mit einer heutigen Speed-Durchsteigung der Nordwand unter 3 Std zu vergleichen sind.

Ein tolles Buch von Uli Auffermann, der damit Andenken und Verdienst vieler alpinen Pioniere um die Entwicklung des Alpinismus in den Alpen, im Besonderen den "letzten drei Problemen", in Einklang bringt mit der Gegenwart.

2011, Bruckmann Verlag, ISBN 978-3765456268, 224 Seiten (geb. Ausgabe), 19,95 €
Für weitere Informationen: Bruckmann-Verlag


Buchbesprechung vom 22.12.2011 © Oliver Weindorf


"BERG 2012 - Alpenvereinsjahrbuch"

Das Alpenvereinsjahrbuch BERG 2012 von DAV, OEAV und AV Südtirol ist im Tyrolia-Verlag erschienen.

Das Alpenvereinsjahrbuch, das einmal im Jahr erscheint, ist eine der bedeutendsten alpinen Zeitschriften überhaupt. Die 136. Ausgabe widmet sich hauptsächlich den Themen Dolomiten und Brentagruppe. Passend dazu erhalten Alpenvereinsmitglieder beim Kauf des Buchs gratis ein Exemplar der neuesten Auflage der Alpenvereinskarte Nr. 51 Brentagruppe. Neu ist, dass das Alpenvereinsjahrbuch ab sofort in sechs Rubriken eingeteilt ist: BergFokus, BergWelten, BergSteigen, BergMenschen, BergWissen und BergKultur. Im Folgenden wird aus jeder der sechs Rubriken ein Aufsatz näher vorgestellt.

BergFokus: Weltnaturerbe Dolomiten
Florian Trojer, Große Bergführer der Dolomiten
Florian Trojer, Sachbearbeiter im Referat Kultur des Alpenvereins Südtirol, porträtiert in seinem Aufsatz fünf Bergführer, die im 19. und 20. Jahrhundert in den Dolomiten Pionierarbeit geleistet haben.
Die Gebrüder Michl (1844 – 1888) und Hans Innerkofler (1833 – 1895) sind die Erstbesteiger des Zwölferkofelsin den Sextener Dolomiten, einem der wildesten Dolomitenberge überhaupt. Sie erreichten den Gipfel am 28. September 1874 über eine steile Eisrinne, in die sie unzählige Stufen schlagen mussten, da es zu dieser Zeit noch keine Frontzacken an den Steigeisen gab. Als Bergführer machte sich vor allem Michl Innerkofler einen Namen, zu dessen Kunden u.a. die Gebrüder Zsigmondy gehörten. Den Namen Angelo Dibona (1859 – 1956) verbinden viele Bergfreunde mit einer Route an der Nordostkante an der Großen Zinne, die nach ihm benannt ist. Erstbegeher dieser Tour war aber nicht er, sondern Rudl Eller. In den Bergen unterwegs war der Cortineser in der Regel mit den Gebrüdern Mayer und Luigi Rizzi. 1910 waren sie die ersten, denen die Durchsteigung der Einser-Nordwand in den Sextener Dolomiten glückte. Aber auch außerhalb der Dolomiten gehörte das Quartett zu den bedeutendsten Bergpionieren: So durchstiegen sie die Nordkante des Großen Ödsteins in den Ennstaler Alpen und die Laliderer-Nordwand im Karwendel.
Giovanni Battista Piaz (1879 – 1948), genannt Tita, kam aus Pera im Fassatal. Ihn prägten seine Aufenthalte in der Vajolethütte am Fuße der Vajolettürme in der Rosengartengruppe. 1899 gelang ihm als ersten die Durchsteigung des Nordostrisses der Punta Emma, die den Vajolettürmen südlich vorgelagert ist. Zu seinen Glanzleistungen gehört die Durchsteigung der Westwand des Totenkirchls im Wilden Kaiser im Jahr 1908, die er zusammen mit Franz Schrofenegger, Rudolf Schietzold und Josef Klammer bewältigte. Zeit seines Lebens galt Piaz als Querkopf, der mit seinen politischen Ansichten regelmäßig Widerstand gegen regierende Autoritäten äußerte.
Im Gegensatz dazu war Batista Vinatzer (1912 – 1993) aus Gröden ein ruhiger und bescheidener Zeitgenosse. 1936 durchstieg er mit Ettore Castiglione die Südwand der Punta Rocca an der Marmolada, der zu dieser Zeit anspruchsvollsten Route der Dolomiten. International wurde diese Leistung aber erst anerkannt, als 1949 einer anderen Seilschaft dieselbe Route gelang.

BergWelten: Brenta
Traian Grigorian, Wie die Brenta das Biken entdeckte
In den letzten Jahren hat die Bedeutung des Radsporttourismus in den Alpen immer mehr an Bedeutung gewonnen. Mit dieser Entwicklung hat sich das Projekt „Dolomiti di Brenta Bike“ auseinandergesetzt. Ergebnis:
Unter Leitung von Davide Aldrighetti wurde eine Mountainbike-Tour rund um die Brenta konzipiert, die in zwei Varianten sowohl Einsteigern als auch erfahreneren Bikern gerecht wird. Die „Country-Variante“ ist 136 Kilometer lang, überwindet 4600 Höhenmeter und verläuft in vier Etappen überwiegend auf Radwegen und Nebenstraßen. Im Gegensatz dazu führt die „Expert-Variante“ über 171 Kilometer, überwindet 7700 Höhenmeter, verläuft in sieben Etappen größtenteils über unbefestigte Wege und steuert auch Alpenvereinshütten an. Das besondere an der Runde ist, dass sie von jedem Ort rund um das Brentamassiv gestartet werden kann, so dass alle Gemeinden gleichermaßen von diesem Projekt profitieren dürften.Die Tour ist komplett ausgeschildert, und auch die Hotels in den Ortschaften sind mittlerweile auf Biketouristen eingestellt. Abgerundet wird das Angebot durch einen sehr informativen Internet-Auftritt (www.dolomitidibrentabike.it). Etwas enttäuschend ist jedoch, dass die Bike-Tour auf der beiliegenden Alpenvereinskarte nicht zu finden ist.

BergSteigen
Dennis Cramer, Zwischen Gletschertischen – Kleine Hochtouren in der Angelusgruppe/Ortlergebiet
Im Mittelpunkt dieser Reportage steht eine Hochtour zum Kleinen Angelus und zur Tschenglser Hochwand in der Ortlergruppe im Jahr 2010. Der Autor legt hierbei aber nicht den Schwerpunkt auf die eigentliche Tourenbeschreibung, sondern stellt auf eine sehr eindrucksvolle Art und Weise seine persönlichen Erlebnisse während der Tour in den Vordergrund: Er macht aufmerksam auf seine Eindrücke in der Düsseldorfer Hütte, die wie ein alpines Museum auf ihn wirkt, auf vereiste Pfützen, in denen er faszinierende Muster erkennt, und auf Felsen, die er auf einem Gletscher entdeckt und die ihn an Bistrotische erinnern. Mitunter wird der Verfasser, der Deutsch, Evangelische Theologie und Sport studierte, sogar poetisch, indem er den Gang über den Gletscher mit einem festlichen Sektempfang vergleicht. Sehr deutlich weist Cramer in seinem Aufsatz auch auf die Auswirkungen des Klimawandels hin, indem er einen Ausschnitt einer Wanderkarte aus dem Jahr 2002 mit der aktuellen Situation vergleicht und dabei erschreckende Unterschiede feststellt, was den Rückgang der Gletscher betrifft. Abschließend beschreibt der Autor seine Eindrücke von der wegen Schlechtwetters gescheiterten Tour zum Hohen Angelus und philosophiert über Wetterkapriolen und die Klimageschichte.

BergMenschen
Horst Höfler, HiasRebitsch – Bergsteigen war seine Lebensform
Anlässlich des 100. Geburtstags von Matthias „Hias“ Rebitsch im Jahr 2011 porträtiert Horst Höfler, einer der besten Kenner Rebitschs, das Leben dieses außergewöhnlichen Bergsteigers. Geboren wurde Rebitsch 1911 in Brixlegg. Als Kletterer-Legende machte er sich einen Namen, als er 1937 mit Ludwig Vörg die Eiger-Nordwand durchsteigen wollte, was den beiden wegen eines Wettersturzes aber nicht gelang. Ebenso wird die LalidererwandimKarwendel immer mit Rebitsch verbunden sein, der 1947 mit Franz Lorenz erstmals die Laliderer-Nordverschneidung meisterte. Höfler stellt in seinem Aufsatz aber nicht nur die bergsteigerischen Leistungen des Hias in den Mittelpunkt, sondern er betrachtet den Menschen Rebitsch. Zeit seines Lebens galt er als Frauenheld, geheiratet hat er aber nie. Er galt als jähzornig, war Mitglied in der NSDAP und verbrachte 1933 über ein halbes Jahr in Untersuchungshaft, weil er nach dem Verbot des Nationalsozialismus in Österreich weiterhin seine Sympathie mit der NSDAP offen zeigte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandte sich Rebitsch dem Expeditionsbergsteigen zu und machte sich als Forscher in den Anden einen Namen. In der Folgezeit hatte er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. So erblindete er nach einer Gürtelrose auf seinem rechten Auge und erhielt zu Beginn der 1980er-Jahre ein künstliches Hüftgelenk. Dies hielt ihn aber bis zu seinem Tod nicht vom Bergsteigen ab: HiasRebitsch starb am 11. März 1990 in Innsbruck, kurz nachdem er von einer Wanderung nach Hause gekommen war. Wer sich mehr für das Leben HiasRebitschs interessiert, dem sei Horst Höflers Buch „HiasRebitsch. Der Berg ist nicht alles“ empfohlen.

BergWissen
Clemens M. Hutter, Ski-Erschließungsdruck in Österreich
Das Streben nach immer größeren Skigebieten und damit nach höheren ökonomischen Zielen hat in den letzten Jahren in Österreich neue Dimensionen erreicht. Als Beispiele dafür beschreibt der Journalist Clemens M. Hutter zwei Vorhaben: einerseits die Verbindung der Skigebiete AxamerLizum und Schlick über die Kalkkögel westlich von Innsbruck sowie andererseits den Bau einer Stollenbahn von Sportgastein zum Mölltaler Gletscher. Besonders skurril werden hier die Vorgehensweisen der unterschiedlichen Interessengruppen geschildert. Ergänzt wird der Aufsatz durch einen Kommentar von Peter Haßlacher, der im Oesterreichischen Alpenverein für die Fachabteilung Raumplanung und Naturschutz tätig ist. Er verweist auf weitere Seilbahnprojekte wie etwa das Erweiterungsprojekt Kleinwalsertal/Ifen und die Verbindung Lech-Warth und macht darauf aufmerksam, dass der Alpenschutz regional zwar einige Erfolge aufzuweisen hat, dass im Großen und Ganzen jedoch der immer weiter voranschreitende Seilbahnausbau nur schwierig zu unterbinden sein wird, wenn nicht auf Europäischer Ebene gehandelt wird.

BergKultur
Luis Töchterle, 150 Jahre Alpenverein
Im Jahr 2012 feiert der Alpenverein sein 150-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass hat Luis Töchterle, Leiter des Jugendreferats und Verantwortlicher für die Mitarbeiterausbildung im Oesterreichischen Alpenverein, einen Aufsatz verfasst, der sich nicht nur mit der Entstehung dieses Vereins, sondern auch mit seinen Mitgliedern und dessen Zukunft beschäftigt. Gegründet wurde der Oesterreichische Alpenverein im November 1862 von den drei Wiener Studenten Grohmann, Mojsisovics und Sommaruga sowie dem Anwalt Ruthner, und zwar zunächst als Zentralverein. Nachdem sich aber der Schweizer Alpenclub nach einem föderalen Prinzip organisiert hatte, riefen 1869 Senn, Hofmann, Trautwein und Stüdl in München den Deutschen Alpenverein ins Leben, der nun nach Schweizer Vorbild aufgebaut war. Beide Vereine zusammen bildeten dann den DuOeAV, in dem sich das föderalistische System durchsetzte, das bis heute gültig ist. Heutzutage sind die Zusammensetzung der Mitglieder sowie deren Interessen sehr heterogen: Da gibt es Förderer des Bergtourismus, die sich für die Erhaltung von Hütten und Wegen einsetzen, auf der einen Seite genauso wie Naturschützer auf der anderen Seite. Da gibt es ältere Mitglieder, die aus Tradition am Vereinsleben teilnehmen, genauso wie junge Mitglieder, die sich in Jugendbewegungen engagieren. Aber gerade diese Vielfalt an Interessen, so der Autor, trägt zum Erhalt des Alpenvereins bei. Die Bedeutung des Alpenvereins schlägt sich im deutlichen Mitgliederzuwachs in den letzten Jahren nieder. 2009 zählte der Deutsche Alpenverein rund 815000 Mitglieder. Was die Zukunft betrifft, so fragt sich Töchterle zum Schluss seines Beitrags, ob es in 50 Jahren wohl noch Alpenvereinsjahrbücher gebe und ob der Alpenverein dann überhaupt noch existiere. Angesichts seiner vorhergehenden Ausführungen dürfte die Antwort leicht fallen. Hingewiesen sei abschließend auf die interessante Darstellung der Entwicklung des Alpenvereinslogos von 1880 bis 2012 auf dem oberen Teil der Seiten des Aufsatzes sowie auf ein Foto mehrerer Vereins- und Bergführerzeichen, die das Alpenverein-Museum Innsbruck zur Verfügung gestellt hat.

2011, Tyrolia-Verlag, ISBN 978-3-7022-3159-0, 256 Seiten, 17;80 €
Für weitere Informationen: Tyrolia-Verlag


Buchbesprechung vom 11.12.2011 © Christian Dietz


"Bernd Ritschel: Der andere Horizont"

Das Buch "Der andere Horizont" von Bernd Ritschel ist im Tyrolia-Verlag erschienen.

Warum gehst Du eigentlich gerne in die Berge?" Ihr kennt das sicherlich: Etliche Freunde, Bekannte und Verwandte haben uns diese Frage bereits gestellt. Und vielleicht haben wir uns auch schon selbst gefragt, warum wir in die Berge gehen - womöglich gerade dann, wenn man noch einige hundert Höhenmeter bis zum Gipfel oder der nächsten Hütte vor sich hat und die sengende Sonne einem so manchen Schweißtropfen abverlangt. Jeder, der in den Bergen unterwegs ist, mag auf diese Frage anders eingehen, aber häufig heißt es, dass uns die Berge Kraft und Inspiration geben.

"Kraft und Inspiration aus den Bergen" – genau das ist der Untertitel von Bernd Ritschels Buch "Der andere Horizont". Bernd Ritschel, Jahrgang 1963, ist Fotograph und hat auf seinen Reisen fast alle Gebirge der Welt gesehen. "Der andere Horizont" ist kein klassisches "Bergbuch", in dem Touren zu kühnen Gipfeln vorgestellt werden oder bekannte Alpinisten von ihren waghalsigen Erlebnissen berichten. Im Grunde genommen ist Ritschels Buch eher schlicht: Es beinhaltet Weisheiten kombiniert mit Bergfotos. Aber gerade diese Schlichtheit gibt dem kleinen Buch seine wahre Größe. Neben Fotos, die überwiegend aus den Tiroler Bergen stammen, erwarten den Leser eine ganze Reihe von Antworten zu der eingangs gestellten Frage. So hat der Autor Weisheiten u.a. von Reinhard Karl (deutscher Alpinist), Anselm Grün (Benediktinerpater) und Evelyne Binsack (Schweizer Bergführerin) mit passenden Fotos kombiniert, die den Leser zum Nachdenken anregen sollen und dadurch die Schönheit der Bergwelt hervorheben.

Gerade für Tage, an denen der Alltag einen mitreißt und man sich wünscht, in den Bergen zu sein, um Ruhe zu finden, ist dieses Buch eine Wohltat. Man hat die rund 40 Seiten relativ schnell durchgeblättert und gelesen, und nach dem Verinnerlichen der Texte und dem Betrachten der Fotos hat man das Gefühl, für einen kurzen Moment die Magie der Berge zu fühlen, obwohl sie doch so weit weg sind. Jedem Bergfreund wird das Buch aus der Seele sprechen – und jedem, der uns Bergfreunde nicht verstehen kann, liefert dieses Buch Argumente, die Berge mit anderen Augen zu sehen. "Der andere Horizont" ist wohl eines der kleinsten Bücher, die in meinem Regal stehen, aber es ist mit Sicherheit eines der wertvollsten.

2011, Tyrolia-Verlag, ISBN 978-3-7022-3139-2, 48 Seiten, 9,95 €
Für weitere Informationen: Tyrolia-Verlag


Buchbesprechung vom 10.07.2011 © Christian Dietz


"Außerfern – Sagen und Mythen entdecken"

Der Wanderführer "Außerfern – Sagen und Mythen entdecken" von Daniela Deutsch & Christine Zucchelli ist im Tyrolia Verlag Innsbruck erschienen.

Klappentext:
Klappentext: 30 Vorschläge für Wander- und Bergtouren laden ein, die schönsten Schauplätze Außerferner Sagen und Mythen zu entdecken. Auf großteils leichten bis mittelschweren Wegen führt die Spurensuche durch die abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaft der vier Außerferner Ferienregionen und erkundet dabei die geheimnisvolle Welt von Saligen, Hexen, Bützen und Geisterhunden.

Inhalt:
Noch nie etwas vom Butz gehört? Der Bluatschink ist Dir fremd? Und warum drei Tannen das Reuttener Wappen zieren, weißt Du auch nicht? Dann können Daniela Deutsch und Christine Zucchelli weiterhelfen. Kurz vor Beginn der Bergwandersaison 2011 veröffentlichen die beiden ihren Wanderführer „Außerfern – Sagen und Mythen entdecken“, der in der Reihe „Erlebnis-Wandern!“ des Tyrolia-Verlags erscheint. Darin stellen die Autorinnen nicht nur 30 Wanderungen im Außerfern vor, sondern sie erzählen dazu jeweils auch allerlei Sagen, deren Schauplätze am Wegesrand liegen.

Das Buch beginnt mit einigen obligatorischen Hinweisen zur Benutzung des Wanderführers. Die Wanderungen sind – wie so oft – in die drei Schwierigkeitsgrade einfach, mittel und schwierig eingeteilt. Des Weiteren findet der Leser Tipps zur Ausrüstung und zum Verhalten im Notfall sowie wichtige Adressen und Telefonnummern. Die Wanderungen sind in vier verschiedene Regionen eingeordnet: Naturparkregion Reutte, Tannheimer Tal/Jungholz, Naturpark Lechtal und Tiroler Zugspitz-Arena. Unter dem Titel der jeweiligen Wanderung findet der Leser den Titel der dazu passenden Sage. Neben der farblichen Markierung des Schwierigkeitsgrades zeigt ein Wanderprofil die markantesten Punkte, die Gehzeiten und die Höhenunterschiede. Außerdem findet man Informationen zu Ausgangspunkt, Wegbeschaffenheit und Einkehrmöglichkeiten. Oft wird auch angegeben, ob die Wege für einen Kinderwagen geeignet sind oder mit dem Mountainbike befahren werden können. Die Beschreibung des Wegverlaufes ist sehr lebendig gestaltet. Gelegentlich wird darin schon auf Sagen aufmerksam gemacht. Die eigentlichen Sagen sind optisch durch einen roten Kasten mit gelber Füllung hervorgehoben. In der rechten unteren Ecke befindet sich ein sitzender Zwerg. Ferner ergänzen die Autorinnen viele ihrer vorgestellten Wanderungen mit weiteren interessanten Informationen und Themen, so zum Beispiel zu Alpenblumen, zum Vilsalpsee und zum Lech. Abgerundet wird jede Tour durch einen Kartenausschnitt und Fotos.

Fazit:
Das Buch richtet sich in zweierlei Hinsicht vor allem an Familien: Einerseits handelt es sich bei den vorgestellten Wanderungen überwiegend um einfache Touren, die für (fast) jedermann – insbesondere auch für Kinder – geeignet sind. Einzig bei der Tour von der Zugspitze zur Ehrwalder Alm handelt es sich um eine richtige Bergwanderung. Insofern sind die Kategorien der Schwierigkeitsgrade teilweise fragwürdig. So wird die Wanderung von Holzgau zum Café Uta und über Schiggen zurück als mittelschwer eingestuft. In Wirklichkeit handelt es sich eher um eine einfache Talwanderung. Andererseits werden die Touren gerade für Kinder dadurch interessant, dass sie zu den Orten führen, an denen die Sagen spielen. Manchmal sind sogar angebliche Spuren der Geschehnisse aus den Sagen zu entdecken. So sieht man angeblich am Teufelsstein bei Hinterhornbach den Fußandruck des Teufels. Wenn dann noch ein Erwachsener dabei ist, der unterwegs die Sagen spannend und glaubwürdig erzählt, werden die Wanderungen für Kinder zum Vergnügen. Etwas unglücklich ist die Wahl der Touren „Zum Schwarzwasser“ und „Die Sieglseen im Schwarzwassertal“, da die eine Wanderung Teil der anderen ist. Sinnvoller wäre es hier gewesen, die Tour „Zum Schwarzwasser“ zu streichen und stattdessen eine andere Wanderung vorzustellen. Insgesamt ist aber festzuhalten, dass die Lektüre des Wanderführers großen Spaß macht und zur Durchführung der Touren motiviert. Zugegeben – die eine oder andere Sage regt schon zum Schmunzeln an, gerade dann, wenn es um Geister oder andere merkwürdige Wesen geht, die im Außerfern angeblich ihr Unwesen treiben. Aber oft ist an den Geschichten auch etwas Wahres dran, denn einige beziehen sich auf historische Ereignisse. Man mag über die Sagen denken, was man will: Allen gemeinsam ist, dass sie Teil der Außerferner Tradition sind, und wer sich dafür interessiert und die Schauplätze der Mythen erkunden möchte, dem ist das Buch sehr zu empfehlen. Übrigens: Bei der Beantwortung der Frage, warum drei Tannen das Reuttener Wappen zieren, hilft auch Wikipedia nicht weiter. Die Erklärung dort ist nämlich falsch.

Für weitere Informationen: Tyrolia-Verlag


Buchbesprechung vom 12.04.2011 © Christian Dietz


Fenster in die Allgäuer Alpen



Auskunft über aktuelle Verhältnisse für Bergsportaktivitäten bieten u.a. der tagesaktuelle Bergsportbericht oder ein Besuch im alpinen Forum Alpic.net
Bergsportbericht Oberstdorf / Allgäuer Alpen
Alpic.net/Forum