"Warum das alles?" von Dani Arnold

In seinem ersten Buch lässt Extrembergsteiger Dani Arnold seine Leserinnen und Leser mit Fotos und einprägsamen Texten an besonderen Momenten in den Bergen teilhaben und reflektiert Erfolg und Misserfolg eines Extremalpinisten.

Vor mit liegt das Buch von Dani Arnold, dessen fragender Titel "Warum das alles?" der eigentliche Auslöser war, mir das Werk zu besorgen.

Meine Erwartungen lagen neben tollen Bergaufnahmen zu sehen zum Teil darin, hier mögliche Antworten auch für Familie, Freunde und Bekannte in meinem privaten Umfeld zu finden, die unsere Leidenschaft für die Berge im Grunde genommen nicht oder allenthalben nur wenig nachvollziehen können.

Zum Inhalt:
Das Buch von Dani Arnold fasziniert mit tollen Aufnahmen, die teilweise an uns bekannten Orten aber auch an weit entfernten Plätzen, wie z.B. Patagonien, entstanden sind. Diese Orte werden für die meisten von uns immer ein Geheimnis bleiben und von uns wohl nie besucht werden. Umso schöner, wenn wir diese Eindrücke versehen mit persönlichen Anmerkungen von Dani bequem auf dem Sofa teilen können.

Es handelt sich um ein autobiografisches Buch, in dem die einzelnen Stationen des heute vielen als "Extremalpinist" bekannten Dani Arnold von ihm selbst beschrieben werden. Doch das war nicht immer so. Dani beschreibt seine Entwicklung zur Liebe zu den Bergen, zum Klettern und zu extremen Herausforderungen. Dass er mittlerweile seinen Lebensunterhalt damit verdienen und vom Prinzip her seine "Leidenschaft" nach Belieben ausleben kann, wird anhand einer ausdrücklich geschilderten Dankbarkeit für diesen Umstand deutlich. Dani Arnold widmet in seinem Buch aber auch viel Platz gegenüber seiner Verantwortung für seine Lieben, seine Familie, für Tourenpartner, Sponsoren und im besonderen auch für die Umwelt.

Es handelt sich um keinen Tourenführer im herkömmlichen Sinn. Im letzten Buchkapitel mit dem Namen "Würdigung" wird die Tour "Carlesso" an der Torre Trieste mit einer Routenskizze vorgestellt. Das war es dann aber auch schon. Das Buch ist unterteilt in den Einstieg mit einem persönlichen Vorwort des Autors und einem persönlichen Dank an die Co-Autorin Petra Jörg, die ich natürlich nicht unerwähnt lassen möchte. Danach eröffnet das Kapitel "Steil, schnell, schwierig" faszinierend Einblicke in einzelne Stationen, wie z.B. die Rekord-Durchquerung der Eiger Nordwand in 2 Stunden und 28 Minuten. Daneben finden weitere schwere Touren wie z.B. die Winterbesteigung des Cerro Torre, weitgehend unbekannte Mixedrouten in Schottland oder auch einige Eisklettertouren mit spektakulärem Ausgang Platz in diesem Kapitel.

Mit persönlichen Gedanken geprägt ist das gleichnamige Kapitel "Gedanken & Reflexionen", wo der Schweizer näher auf seine persönliche Motivation, Grenzerfahrungen und u.a. auch auf die Kunst des Umkehrens eingeht. Der Inhalt dieser Seite ist größtenteils auch direkt am Berg an außergewöhlichen Plätzen entstanden, was aus den von ihm gewählten Formulierungen heraus zu lesen ist und seinen Worten eine gewisse Authentizität verleiht.

Das Kapitel "Anekdoten & Kuriositäten" ist eine Sammlung von vielen erinnerungswürdigen Begebenheiten. Dieses Kapitel zeigt auf erfrischende Art, dass neben dem Überalpinisten Dani Arnold auch ein ganz normaler Mensch existiert, der teilweise mit den gleichen banalen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, wie wir alle auch. Herrliche Aufnahmen ergänzen die kleinen Episoden. Um nur eine Aktion herauszugreifen: Nachtklettern im norwegischen Eis in eigens mit Scheinwerfern ausgeleuchteten Wasser- oder besser gesagt Eisfällen.

Klappentext:
Er findet steile Fels- und Eislinien, an denen sich noch nie ein Mensch versucht hat, klettert die schwierigsten Berge der Welt hinauf, stellt verrückte Speed-Rekorde auf und ist dennoch am Boden geblieben. In seinem ersten Buch lässt Extrembergsteiger Dani Arnold seine Leserinnen und Leser mit Fotos und einprägsamen Texten an besonderen Momenten in den Bergen teilhaben und reflektiert Erfolg und Misserfolg eines Extremalpinisten.

Fazit:
Ein gelungenes und wirklich tolles Buch von Dani Arnold, das ich persönlich als eine Mischung aus Bildband mit herrlichen Aufnahmen in Verbindung mit vielen niedergeschriebenen Gedanken und knackigen Kurzgeschichten des Autors, beschreiben würde.
Abschließend kann ich sagen, dass meine Eingangs beschriebenen Erwartungen übertroffen wurden. Es gibt nicht auf alle Fragen eine Antwort, aber die Leidenschaft für die Berge können letztlich nur die Personen teilen und nachvollziehen, die selbst in den Bergen unterwegs sind. Die Einschätzung von möglichen Risiken auf Berg- und Klettertouren hängt neben den sichtbaren Rahmenbedingungen wie z.B. das Wetter immer auch von individuellen Parametern ab; alpine Erfahrung, körperliche Verfassung, Ausrüstung usw.. Dani Arnold führt hier in seinem Buch auch das "Bauchgefühl" an, was in etwa mit dem landläufigen Begriff "gesunder Menschenverstand" gleichzusetzen ist. Mit entscheidend ist natürlich auch, ob man mit Bergsteigen und Klettern seinen Lebensunterhalt verdienen kann und muss.

Absolut lesenswert und gerade in der bergfreien Zeit eine schöne Abwechslung, die Lust auf mehr macht.

Direkt an diese Buchbesprechung folgt zunächst eine Beschreibung des Extremalpinisten durch Uli Auffermann (Fotograf, Autor, Alpinjournalist, langjähriger Freund des legendären Bergführers und Erstbegehers der Eiger-Nordwand Anderl Heckmair). Eine umfangreiche Fotostrecke rundet die Vorstellung von Dani Arnold mit visuellen Eindrücken ab.

Bezugsquellen:
ISBN: 978-3-946862-09-3, 136 Seiten
In Deutschland beim Semann-Verlag.de (€ 32,00 zzgl. Versand).
Bezugsmöglichkeit in der Schweiz direkt über Dani Arnold (CHF 39,00 zzgl. Versand).


Dani Arnold: All-Star ohne Allüren
Eine Charakterisierung von Uli Auffermann:

Sagt Ihnen die „Carlesso“ etwas? Jene Route in der Südwand des Torre Trieste? Einst als das Äußerste im extremen Klettern bezeichnet, das Nonplusultra an Schwierigkeiten. Mit VI+ A3 in Walter Pauses Ausgabe „Im extremen Fels“ von 1970 bewertet, steht die von Raffaele Carlesso und Bartolo Sandri 1934 eröffnete Linie damals für die Grenze des Kletterbaren. Generationen von Spitzenkletterern galt sie als Sehnsuchtsziel, als Prüfstein, als eine Art Elitezertifikat. Eine Tour mit gewaltigem Nimbus. Rund 25 Seillängen und etwa 8 bis 11 Stunden Kletterzeit sollten es für die nicht allzu zahlreichen Wiederholer werden, die sich ihr gewachsen fühlten.

Heute ist die „Carlesso“ frei geklettert ein satter VIII-er und in ihrem alpinen Ausmaß nach wie vor ein ernster, abenteuerlicher Extremklassiker. Den 2016 Dani Arnold macht, free solo. In der Fabelzeit von 68 Minuten durchsteigt er die berühmte Route. Sicher, souverän, völlig organisch. Klettern in seiner ursprünglichsten Form, Mensch und Fels verschmolzen zur Einheit. Kein Wagnis um Haaresbreite, kein Gang, um den Tod herauszufordern, sondern um das Leben zu gewinnen, es intensiv zu fühlen. In völliger Beherrschung der Situation. Nach dem Preuß’schen Grundsatz „Das Können ist des Dürfens Maß“! Schnell sein, weil es möglich ist, nicht als Selbstzweck.

Und wie schnell Dani Arnold am Berg ist, zeigen diese Durchsteigungen: Salbit-Westgrat in 1.35 Stunden, Eiger-Nordwand in 2.28 Stunden, Matterhorn-Nordwand in 1:46 Stunden, Badile „Cassinroute“ an der Nordostwand in 52 Minuten und den Walkerpfeiler an den Grandes Jorasses in 2:04 Stunden. Dabei will er „Speed-Begehungen“ nicht als Maßstab für die Meta-Ebene des Alpinismus verstehen. Vielmehr als eine logische Form des Kletterns, wenn es gilt, die eigenen Fähigkeiten umzusetzen und alle bergsteigerische Kompetenz auszuleben. Klar, dass Dani als Profi-Alpinist auch gefordert ist, im Zeitgeist des Einfachdarstellbaren, also im Schneller, Höher, Weiter der kurzatmigen, leistungsorientierten Gesellschaft griffige Akzente zu setzen. Letztlich aber steht es nicht im Mittelpunkt des Geschehens. Denn der Schweizer verkörpert nicht den verbissenen, ständig trainierenden und unter selbstauferlegter Askese lebenden Ultraathleten, dessen starrer Blick nur noch Ehrgeiz und totale Anforderung kennt.

Nein, Dani Arnold ist ein Affektbergsteiger, sein Antrieb Lust, Leidenschaft, Begeisterung. Ein Genussmensch, der das tiefe, nachhaltige Erlebnis sucht. Ein Typus, gestrickt wie ein Anderl Heckmair, der einfach gerne draußen ist, der einen kleinen Berg genauso intensiv empfinden kann wie die Eiger-Nordwand. Woran man das merkt? Wenn Dani zum Beispiel mit leuchtenden Augen und gestikulierend erzählt, wie sich das Einschlagen eines Eispickels anhört: „Es zischt, man hört die Spannungen des Eises ... – das ist einfach megacool.“

Gewiss, Dani Arnold ist ein Alpinist der Gegenwart, modern, en vogue und mit allen Ausprägungen, was als State of the Art gilt. Sein Wesen aber, sein Kern ist erfüllt von dem großen Erbe des traditionellen Alpinismus: aus sich heraus schöpfen, getragen von der Neugier und der Kraft, dem Unmöglichen vielleicht doch ein Möglich abzuringen!
(Quelle: Uli Auffermann)

Fotostrecke:

Buchbesprechung: "Lawine" von Rudi Mair und Patrick Nairz

Die überarbeitete Auflage von "Lawine" von Rudi Mair; Patrick Nairz ist im Tyrolia Verlag erschienen.

Zum Inhalt:
Vor knapp sieben Jahren habe ich bereits eine Rezession zu diesem Buch veröffentlicht.
Inzwischen liegt die völlig neue überarbeitete Auflage vor. Meine Empfehlung zur ersten Auflage bleibt voll und ganz bestehen. Meine Betrachtungen beschäftigen sich bevorzugt mit den Unterschieden zur vorherigen Auflage, nicht zu dem, was bereits vor sieben Jahren gesagt wurde...
Zitat: "Wir können also gespannt sein, ob sich die Gefahrenmuster international so durchsetzen, wie die 5 Gefahrenstufen oder die bayerische Matrix."
Die zehn Gefahrenmuster haben sich nicht international durchgesetzt , so die die Bayerische Matrix, die nun in modifizierter Form unter dem Namen EAWS-Matrix bekannt ist und über all in Europa zur Anwendung kommt.
Dafür wurden in Europa die 5 Probleme einheitlich eingeführt und kommen in den Lageberichten auch mit entsprechenden Piktogrammen vor.
Die zehn Gefahrenmuster haben sich sich zu der Vorauflage leicht geändert. Sie lauten nun:

  • gm 1 bodennahe Schwachschicht
  • gm 2 Gleitschnee
  • gm 3 Regen
  • gm 4 kalt auf warm/warm auf kalt
  • gm 5 Schnee nach langer Kälteperiode
  • gm 6 lockerer Schnee und Wind
  • gm 7 schneearm neben schneereich
  • gm 8 eingeschneiter Oberflächenreif
  • gm 9 eingeschneiter Graupel
  • gm 10 Frühjahrssituation
Ausführlich wird auf die zeitliche und räumliche Verteilung der Gefahrenmuster eingegangen. Eingrenzend möchte ich dazu anmerken, dass das so natürlich nur in den Alpen, insbesondere den Ostalpen gilt, sich aber etwas abgewandelt auf andere Gebirge übertragen lässt.
Gut auch, dass auf die Unterscheidung zwischen Gefahrenmustern und Lawinenproblemen eingegangen wird (Seiten 19f, 41)
Es folgen ausführlich analysierte Beispiele zu jedem Gefahrenmuster. Andere, und meiner Ansicht nach besser aufbereitet als in der ersten Auflage.
Fazit:
Wer die erste Auflage besitzt, der muss das neue Buch nicht unbedingt kaufen. Er findet die geänderten Informationen vielfach auch auf der neue gestalteten Seite des tiroler Lageberichts. Wer noch kein entsprechendes Buch in seinem Regal stehen hat und im winterlichen Gebirge unterweg ist, für den ist das aktuelle Werk eine Pflichtlektüre.

2018, Tyrolia Verlag ISBN 978-3-7022-3504-8, 232 Seiten, € 24,95
Für weitere Informationen: Tyrolia Verlag


Buchbesprechung vom 09.12.18 © Kristian im Forum von Alpic.net

 

"Das Tiroler Vier-Jahreszeiten-Wanderbuch" von Hubert Gogl

Das "Das Tiroler vier Jahreszeiten Wanderbuch" von Hubert Gogl ist im Tyrolia Verlag erschienen.

Zum Inhalt:
Die meisten Wanderer sind im Sommer in den Tiroler Bergen unterwegs, wenn die Almen und Hütten geöffnet haben, die meisten Gipfel frei von Schnee und Eis sind und auf den Bergwiesen unzählige bunte Blumen wachsen. Dabei bietet Tirol dem Wanderer in allen vier Jahreszeiten lohnende Wanderziele, die meisten wissen es nur nicht. Hubert Gogl behebt diese Wissenslücke und stellt in seinem „Tiroler vier Jahreszeiten Wanderbuch“ 102 Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Wintertouren vor. Gogl, Jahrgang 1966, kommt aus St. Jodok am Brenner und ist Berg- und Skiführer. Für Radio Tirol sendet er Berg-Freizeittipps.

Die 102 in diesem Buch vorgestellten Wanderungen (27 Frühlings-, 26 Sommer-, 27 Herbst- und 22 Winterwanderungen) liegen alle in Nordtirol. Ziele sind neben Gipfeln und Hütten auch Bergseen, Klammen und Burgen. Die Gehzeiten der Wanderungen bewegen sich zwischen 1 Std. 10 Min. und 6 ¾ Std., die maximale Steighöhe liegt bei 1475 Höhenmetern. Bei einigen Routen erfolgt die Auffahrt mit einer Bergbahn. Jede Tourenbeschreibung startet mit einer – leider nicht maßstabsgetreuen – Leiste, welche die wichtigsten Wegpunkte und deren Entfernung in Kilometern und Zeit angibt. Es folgt ein Steckbrief u. a. mit Angaben zu Ausgangspunkt, Gehzeit, Schwierigkeitsgrad und Einkehrmöglichkeiten. Großen Wert legt der Autor darauf, dass alle Ausgangspunkte mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Daher ist auch jeweils die „Anfahrt mit Öffis“ erklärt. Nach einer kurzen Einleitung und Motivation zur Begehung der Tour folgt die eigentliche Wegbeschreibung, die sehr gut nachvollziehbar verfasst ist. Bei den meisten Routen erläutert Gogl zusätzlich Alternativen. Abgerundet wird jede Tourenbeschreibung durch ein Wanderkärtchen, auf dem der Wegverlauf gut erkennbar eingezeichnet ist, und ein Foto.

Klappentext:
Wandern hat zu allen Jahreszeiten seine Reize. Aber gerade in den Übergangszeiten stellt sich oft die Frage, welche Ziele jetzt geeignet wären. Welche Wege führen durch mittlere Höhenlagen, fangen die Sonne ein und sind vielleicht schon zeitig oder noch spät im Jahr schneefrei? Wo grünt und blüht es im Frühling zuerst? Welche Routen versprechen im Hochsommer mit Bächen, Bergseen oder Gletscherluft Abkühlung und Frische? Auf welche Aussichtspunkte kann man noch steigen, wenn die Tage schon kürzer sind? Und wo lässt sich der Winter auch ohne Ski am schönsten erleben? Mit seiner handverlesenen Tourenauswahl bietet das vorliegende Wanderbuch 102 Möglichkeiten, die landschaftliche Vielfalt Tirols zu allen Jahreszeiten wandernd zu erleben und dabei so manchen schönen Winkel zu entdecken.

Fazit:
„Das Tiroler vier Jahreszeiten Wanderbuch“ bietet ein sehr breit gefächertes Tourenrepertoire in den Tiroler Bergen und Tälern. Einziges Manko des Buches ist meiner Meinung nach der große Radius: Der Wanderer, der im Außerfern wohnt, wird wohl kaum eine Tour im Raum Kitzbühel unternehmen. Ansonsten ist das Buch allen Wanderfreunden, die gerne ganzjährig in Nordtirol unterwegs sind, absolut zu empfehlen. Die informativen Tourenbeschreibungen und die zugehörigen Fotos machen richtig Lust, nicht nur im Sommer, sondern auch im Frühling, Herbst und Winter die Tiroler Berge zu erkunden. Auch die Auswahl der Touren wird jedem Bergfreund gerecht, so dass in diesem Buch jeder auf seine Kosten kommt – egal, ob Gipfelstürmer oder Hüttenwanderer.

2018, Tyrolia Verlag ISBN 9978-3-7022-3659-5, 240 Seiten, € 24,95
Für weitere Informationen: Tyrolia Verlag


Buchbesprechung vom 30.04.18 © Chris im Forum von Alpic.net

 

"Nepal - Menschen und Landschaften am Great Himalaya Trail" von Dieter Höss

Das Buch "Nepal - Menschen und Landschaften am Great Himalaya Trail" von Dieter Höss ist im Tyrolia Verlag erschienen.

Zum Inhalt:
Menschen und Landschaften am Great Himalaya Trail – schon der Untertitel verrät es: Nepal und somit auch dieses Buch sind so viel mehr als nur der Mount Everest, der höchste Berg der Welt. Zwar widmen sich zwei Kapitel der mittlerweile sehr gut erschlossenen Khumbu-Region am Everest sowie dem unter Trekkern nicht weniger bekannten Annapurna Circuit. Dennoch: Der Reiz dieses gewaltigen Bildbandes liegt mehr in den einsamen und durch Touristen bislang kaum betretenen Bergtälern der anderen Regionen Nepals. Selbst vermeintliche Nepalkenner lehrt das Buch eines Besseren und man wird regelrecht zum Entdecker einer scheinbar unbekannten Welt: Dolpo, Mugu oder doch Humla? Nie gehört? Das ist kaum verwunderlich, denn diese abgeschiedenen Fleckchen Erde liegen im Nordwesten des Landes, etwas abseits der großen Achttausender. Durch die bis vor wenigen Jahren andauernden Spannungen zwischen China und Tibet und teilweise auch politischen Interessen der USA, konnte sich der Tourismus dort und auch in anderen Ecken Nepals nicht entwickeln. Um der damit einhergehenden Verarmung der Bevölkerung und dem Wegzug in die pulsierende Metropole Kathmandu zu begegnen, wurde der Great Himalaya Trail ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Höhenweg wie man ihn aus den Alpen kennt, sondern vielmehr um eine Sammlung von Routenvorschlägen, die das ganze Land von Ost nach West durchziehen. Ziel ist dabei, auch den abgelegeneren Regionen Nepals etwas vom touristischen Kuchen zugutekommen zu lassen.

Das Buch von Dieter Höss folgt in einer sehr klaren und strukturierten Weise dem Great Himalaya Trail von Ost nach West. Es ist in erster Linie ein hochwertiger Bildband, der jedoch durch zahlreiche interessante Textbeiträge zu den einzelnen Regionen punkten kann. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf den Landschaften, sondern zu großen Teilen auch auf der einheimischen Bevölkerung und deren Jahrtausende alter Kultur. Für mich ist das Buch deshalb eine Art Reiseführer im Bildbandformat. Zwei Eigenschaften, die man an sich nicht kombinieren kann. Dieter Höss gelingt dieser Spagat jedoch perfekt, ohne dass entweder die Bildqualität, noch der Informationsgehalt darunter leidet. Für alle Nepalliebhaber und solche die es werden wollen ist das Werk deshalb eine absolute Pflichtlektüre. Sie ist kein Abklatsch der ohnehin bekannten Achttausender, sondern bettet diese nur teilweise mit in den Bildband ein. Allein daran merkt man, dass Nepal so viel mehr ist, als nur die Khumbu-Region mit dem höchsten Berg unseres Planeten.

Zum Autor:
Dieter Höss, Facharzt für Innere Medizin in Thiersee/Tirol, bereist Nepal seit mehr als 45 Jahren: dementsprechend groß und reich sind sein Schatz an Erfahrungswissen und sein Bildarchiv, denn die Kamera war von Anfang an immer dabei. Alle im Buch vorgestellten Regionen kennt er aus eigener Anschauung. Seine Verbundenheit mit Land und Leuten spiegelt sich auch in seinem Engagement für das Bildungsnetzwerk „Childaid – Kinder von Bhandar“ wider, dass er mit Schulbauten und der Finanzierung von Unterricht (u.a. mit dem Honorar aus diesem Buch) unterstützt.

Klappentext:
Das Projekt Great Himalaya Trail (GHT) wurde vor etwa 15 Jahren ins Leben gerufen, um die bekannten Hauptwanderrouten Nepals miteinander zu verbinden und so auch entlegenere, bisher wenig besuchte Regionen an einer bescheidenen wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben zu lassen. Insgesamt ist dieses Wegenetz etwa 1600 Kilometer lang und führt entlang der höchsten Berge des Himalaya. Dabei gibt es jedoch keinen festgeschriebenen Wegverlauf, sondern vielerlei Möglichkeiten, bestehende Routen und Übergänge individuell zu kombinieren. Fest steht, dass der Great Himalaya Trail die großartigste Möglichkeit ist, Nepal in seiner ganzen Schönheit und Vielfalt zu erleben.
Fest steht auch, dass es außer einem sehr persönlich gehaltenen Reisebericht im Eigenverlag und englischsprachigen Guidebooks derzeit keine deutschsprachige Publikation gibt, die sich dem GHT widmet.
Diese Lücke schließt der vorliegende Bildband. Er gliedert sich – entsprechend den Regionen, die der Weg durchwandert – in zwölf große Kapitel, in denen die unterschiedlichen Natur- und Kulturräume Nepals vorgestellt werden. Ein Infoblock mit Original-Kartenausschnitten zum GHT rundet jedes Kapitel ab und bietet dem Leser Basis-Infos zur individuellen Reiseplanung.
Im Mittelpunkt aber steht im wahrsten Wortsinn die Betrachtung dieses faszinierenden Landes und seiner ungewöhnlichen landschaftlichen und ethnischen Vielfalt: großformatige Landschaftsbilder, ausdrucksstarke Porträts, Momentaufnahmen von religiösen Zeremonien und Alltagsszenen aus einer Welt, die in ihrer archaischen Schönheit wie aus der Zeit gefallen scheint.

Fazit:
Absolute Kaufempfehlung. Der Preis ist für einen Bildband in der hervorragenden Qualität fast schon günstig. Berücksichtigt man dazu noch den hohen Informationsgehalt, ist das Buch jeden Cent wert.

2017, Tyrolia Verlag ISBN 978-3702236250, 248 Seiten, € 39,95
Für weitere Informationen: Tyrolia Verlag


Buchbesprechung vom 27.02.18 © Max im Forum von Alpic.net

 

"Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen" von Karl Gabl

Das Buch "Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen" von Karl Gabl ist im Tyrolia Verlag erschienen.

Treffender als der offizielle Titel scheint mir der Untertitel „Die Berge, das Wetter, mein Leben“ mit dem fast schon alles gesagt ist, womit sich Karl Gabl, Wetterprophet und „Sturmguru“ aus seinem bisherigen Leben berichtet. 70 Jahre ist er alt – wie viele Höhenbergsteiger haben sich über Jahrzehnte auf seine Prognosen verlassen können. Ebenso wie Zehntausende von Normalbergsteigern, die sich wie ich, gerne auf die meist sehr zuverlässigen Vorhersagen der Wetterdienststelle Innsbruck verlassen. Was hat uns dieser Mensch, der nebenbei auch geprüfter Berg- und Skiführer ist, zu erzählen? Dass es nur eine kleine Auswahl aus der Fülle des Lebens sein kann, versteht sich dabei von selbst.

Über 20 eigene Geschichten sind es geworden, die Professor Karl Gabl zu Papier gebracht hat. Den Anfang bilden Kindheitserinnerungen aus der Nachkriegszeit. Amüsant zu lesen ist der Bericht über das Entstehen der Bergleidenschaft; kaum zu glauben wie der Zehnjährige mit seinem Onkel und vier weiteren Kindern ohne Seil den Patteriol ersteigt. Ebenso staunenswert – vor allem wenn man die Ausrüstung Anfang der 70er Jahre bedenkt – ist die damals höchste Skiabfahrt vom 7492m hohen Noshaq, dem höchsten Berg Afghanistans. Eingeschoben sind kurze Berichte von Weggefährten wie Wolfgang Nairz, Thomas und Alexander Huber, Gerlinde Kaltenbrunner, Heinz Zak und vielen anderen, die bei ihren Unternehmungen weltweit von seinen Ratschlägen profitiert haben. Ralf Dujmovits bringt es auf den Punkt „Ihm habe ich ein großes Stück weit alle vierzehn Achttausender zu verdanken. Sowie alle meine Finger und Zehen.“

Die Geschichten wirken durchweg authentisch. Sehr eindrucksvoll berichtet Karl Gabl etwa von den 143 Lawinentoten im Winter 1954, von der vergeblichen Suche nach seiner Cousine Gertrud in einer Lawine am Rendl im Jahre 1976 und vom unbeschreiblichen Glück, von einer Lawine verschont zu bleiben, die über das eigene Haus hinwegfegt. Die dazu gehörigen Fotos aus dem Jahre 1988 lassen die Gewalt der Natur sichtbar werden. Besteigungen, Expeditionen und natürlich auch immer wieder das Wetter, von dem so oft der Erfolg eines Vorhabens und manchmal auch das eigene Leben abhängen.

Fazit:
Was bleibt zum Schluss? Der Stolz „mit fast 66 Jahren noch einmal auf einem Siebentausender zu stehen“? Nein es bleibt viel mehr, als es Karl Gabl in seiner Bescheidenheit selbst ausdrückt. Es bleibt der Eindruck eines imposanten, vielgestaltigen Lebenswerks. Prädikat: Unbedingt lesenswert.

2016, Tyrolia Verlag ISBN 9783702235451, 240 Seiten, € 24,95
Für weitere Informationen: Tyrolia Verlag


Buchbesprechung vom 05.11.16 © Gipfelsammler Claus

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